Gibt es in Deutschland keine guten Autoren ???

Rund ums Lesen allgemein

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Beitragvon Beverly-Marsh » Sonntag 22. Mai 2005, 09:37

Ja das ist dann ansichtssache nur ich habe davon einfach genug. Ich sag ja nicht das ich es vergesse (das ist ja gar nicht möglich) ich möchte einfach nichts mehr davon hören wenigstens mal eine zeitlang.

Aber das ist ja jetzt nicht gegenstand des Threads :)
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Sonntag 22. Mai 2005, 10:59

Ich muss sagen, ich gehöre zu den Leuten, die trotz der Übersättigung, die viele angesichts der zahlreichen Bücher, Dokus, Filmen etc über das Dritte Reich empfinden, trotzdem eigentlich nie genug darüber lesen oder sehen kann. Einer Freundin von mir geht es aber ganz anders; natürlich ist sie sich bewusst, wie schlimm das alles war, gerade weil sie seinerzeit viel in der Schule darüber durchgenommen hat, aber sie mag das Thema NS nicht mehr in Büchern lesen. Ab und an eine gute Doku ja, aber keine Romane darüber lesen. Deutsche Literatur hat bei ihr auch schon den Beigeschmack, immer wieder auf dieses Thema zu gelangen und sie konzentriert sich allein schon deshalb hauptsächlich auf ausländische Autoren. Wenn sie z.B. auf einem Klappentext schon liest, dass da etwas über die NS-Zeit drin vorkommt, auch wenn es nur am Rande ist, stellkt sie es meist schon zurück ins Regal. Und greift auch vorsorglich gar nicht mehr nach deutschen Autoren. ;-)
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Beitragvon Liliana » Sonntag 22. Mai 2005, 19:12

Hmm, aber deutsche Literatur veschäftigt sich ja auch mit ner Menge andrem, nicht nur dem 2. Weltkrieg... Ich lese darüber inzwischen auch nicht mehr allzu viel, jedoch interessieren mit die Dokus etc sehr. Es ist unsere Aufgabe, dies weder zu verharmlosen noch zu vergessen - damit stimme Susa wohl in allen Punkten zu.
Und WIR sind doch jetzt die Generation, die etwas bewirken kann. Ich finde, wir sollten es als unseren Job ansehen, das Ansehen von Deutschland im Ausland zu verbessern... :)
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Beitragvon Beverly-Marsh » Sonntag 22. Mai 2005, 19:45

es ging ja nie darum etwas zu verharmlosen!! Dann sag dodh mal wie wir das verbessern können. Ich denke bestimmt nicht durch Autoren die das Thema wieder und wieder behandeln sondern auch zeigen das es in Deutschland andere Themen und interessante Geschichten gibt.

Das müssen wir doch nach aussen hin zeigen und nicht immer wieder auf den 2 Weltkrieg hindeuten. Das hat nichts mit vergessen und verharmlosen zu tun da schon zahlreiche "Feiertage" (D-Day wie soll man das beschreiben) das geschehene wieder aufgreifen.
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Beitragvon Liliana » Montag 23. Mai 2005, 12:50

Statt Autoren, die wirklich was riskieren, gehen die Verlage auf Nummer sicher und bringen den X-ten Herr der Ringe-Verschnitt, die 1000.ste Space-Opera oder irgendeinen galbgaren Horror heraus


Torsten hat vllt Recht... Die Verlage sollten mal Mut zu deutschen Autoren haben, die andere, z. T. sicherlich auch "härtere" Geschichten schreiben. Wenn mehr abwechslungsreiche Literatur abgedruckt werden würde, würden vllt auch die Leser wieder mehr Interesse auf deutsche Autoren verwenden.
Jedoch ist die Zentralisierung Amerikas schon ein Problem (meiner Meinung nach). Ich hab schon viel von dort gelesen (wie wohl alle hier...), sodass ich schon an die Schreibweise, die Namen der Figuren und deren Handlungsweise gewöhnt bin...

Also ist die Lösung vllt: "Verlage, nehmt mehr "mutigere" Autoren in euer Reportoire auf!" ?
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Beitragvon torsten » Montag 23. Mai 2005, 18:26

Das wäre schön Liliana, aber bei den Großverlägen wird so eine Einstellung wohl kaum passieren. Bei den Kleinverlägen sieht es da schon ein wenig besser aus, meiner Erfahrung nach. Dort werden regelmäßig neue - und oftmals auch innovative - Impulse gesetzt.
Ein weiteres Problem, warum es bei uns (fast) keine guten bzw. international erfolgreichen Autoren gibt, dürfte aber auch sicherlich daran liegen, dass die Verlagshäuser noch immer die Nase rümpfen, wenn jemand ihnen was von "Belletristik" oder "guter, kurzweiliger Unterhaltungsliteratur" erzählen möchte. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass ein Großteil der Verlage in diesem Land stattdessen "schwäärre Kost" veröffentlicht (um mal mit den Klitschkos zu sprechen :P ), die ein kleines Publikum anspricht, statt solide Unterhaltung zu publizieren. Frei nach dem Motto: Nicht erfolgreich, aber Hauptsache intellektuell.
Die Amerikaner (oder Briten, Franzosen etc.) haben da mal wieder den goldenen Mittelweg gefunden, indem sie neben richtig guter Unterhaltung auch intelligent-kurzweilige, manchmal sogar philosophische Bücher unters Volk werfen wie z. Bsp. Middlesex von Jeffrey Eugenides, Die Korrekturen von Jonathan Franzen, Matt Ruffs geniales Werk Ich und die anderen oder auch die Werke von John Irving. Hier wird Literatur nicht bierernst, sondern mit einem Augenzwinkern vorgetragen, ohne dabei schlecht oder perfekt sein zu müssen. Der typische deutsche Autor will aber scheinbar genau dass - den perfekten Roman nach Vorlage schreiben. Und oft genug endet dass ganze Unterfangen in einer Bruchlandung.
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Beitragvon Bangor » Dienstag 24. Mai 2005, 07:32

Vielleicht haben die Verlage Angst, ihren Ruf zu versauen.
Deutschland ist in der Beziehung ja schon manchmal unberechenbar (Auch wegen der "Yellow-Press").
Wo man heute noch so tolerant ist, kann es morgen schon in unerträgliche Spiessigkeit umschlagen.

Kann sich jemand zur Zeit einen deutschen Charles Bukowsky vorstellen? :mrgreen:
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Beitragvon Elena » Mittwoch 1. Juni 2005, 16:45

Ich denke, es ist eine Art Kreislauf: Man bemerkt, dass die Leser vermehrt zu amerikanischen Autoren greifen, bringt mehr davon heraus - wodurch der Leser kaum mehr andere Möglichkeiten hat, als nach einem amerikanischen Autor zu greifen - und so weiter.

Die Verlage spielen da mit ihrem "Wir befinden uns IMMER in einer wirtschaftlich schlechten Lage, ja, IMMER" eine große Rolle. Natürlich ist eine Lizenz billiger als ein Autor, den man erst aufbauen muss, und vor allem weniger aufwendig, und ja, natürlich ist das Risiko bei einem Staatenbestseller geringer als bei einem Newcomer. Wer nimmt schon aus Solidarität finanzielles Risiko auf sich? Natürlich beinahe nur, wenn es sich um das dritte Reich handelt.

Aber irgendwann... Lasst mich ehrlich sein, es nervt mich. Ich habe schon von vielen Seiten gehört, dass die Deutschen deswegen verlieren, weil sie nicht wie die Amis schreiben. Hallo? Natürlich schreiben die Deutschen nicht wie die Amerikaner, schon gar nicht vom Stil her - Deutsch ist eine andere Sprache und ein anderer Kulturkreis. Japaner und Chinesen schreiben doch auch ganz anders als die Briten und Russen.

Andererseits habe ich ein paar Manuskripte zu Gesicht bekommen, die wirklich hätten mithalten können. Ja, auf der Schiene der Amerikaner. Sie wurden nicht genommen, zu experimentell, zu unsicher usw.
Ich wünschte, die deutschen Autoren könnten sich auch nur die Hälfte von dem trauen, was die amerikanischen Autoren dürfen, ohne gleich befürchten zu müssen, von jedem Verlag beim Lesen des Exposés abgelehnt zu werden.

Vielleicht würden die Verlage etwas mehr Mut besitzen, wenn es auch die Leser täten. Ich habe jetzt hier ein Buch eine deutschen Autorin, mal schauen, wie es ist. Von sechs Büchern in meinem Blickfeld übrigens das einzige...

Andererseits muss ich auch sagen - die Bedingungen in den USA auf dem Buchmarkt sind für Autoren härter als in Deutschland. Ohne Agent läuft bei den größeren Verlagen nichts mehr, das kann man vergessen - und wenn es dort in manchen Gebieten (Horror, SF, Fantasy) genauso schlecht aussieht wie in Deutschland (ich habe wirklich noch keinen seriösen Agenten gefunden, der auch nur diese Genres mit im Programm hat), dann frage ich mich, wie gut die Leute sein müssen, um sich durchzusetzen.
Und: Von dieser Creme de la Creme kriegen wir wieder die Krone, die Bestseller. Das ist eine enorme Vorsortierung.

Tja, der deutsche Bukowsky - ich kannte da mal einen Typen, der abgelehnt wurde, weil... :roll:

Meine Frage: Wer ist der amerikanische Günther Grass? :lol: Aber bitte mit einem ähnlich arroganten Stil :mrgreen: (es sei denn, ich bin die einzige, die der Meinung ist, dass seine Arroganz auch in seinen Büchern herüberkommt...)

Liebe Grüße,

Elena
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Beitragvon das Teufelchen » Montag 6. Juni 2005, 07:01

Ich habe mir jetzt gerade Elenas Kommentar durchgelesen und mir kam spontan die Frage:
Wenn Deutsche in Deutschland als "Risiko" gelten, wäre es dann nicht besser, als Deutscher sein Glück in Amerika zu suchen?
Aber dann hat Elena je darauf hingewiesen, dass es in Amerika genauso hart ist, wenn nicht noch extremer.

Ist der Stil zwischen (wenn wir jetzt mal bei diesem Vergleich bleiben) deutscher und amerikanischer Literatur so unterschiedlich? Ich habe mich das letztens erst deim Buick gefragt. Manche Textpassagen hätte sogar ich mit meinem wenigen Grundkenntnissen besser schreiben können. Dabei schiebe ich aber auch die Schuld ein wenig auf die Übersetzung.
Wie Elena sagt: Deutsch ist eine andere Sprache als Englisch - richtig - aber jedes englische Buch lesen wir doch auch (größtenteils) auf Deutsch. Ich möchte jetzt einfach mal behaupten, dass der Erfolg der nichtdeutschen Buchindustrie mit der Übersetzung steht und fällt.
Jeder Übersetzer ist demnach ein Künstler für sich, denn er gibt dem Originalwerk einen hauch von Deutsch.
Mit einem ordentlichen Lektor und einer guten Vorarbeit denke ich, dass auch deutsche Bücher auf dem Weltmarkt mithalten können.
Und um Elena wieder Recht zu geben: Aber welcher Verlag geht dieses Risiko ein?
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Montag 6. Juni 2005, 17:39

Ingrid Noll hab ich ganz vergessen, Schande über mich. Die kann absolut mit englischen oder amerikanischen Krimiautoren mithalten. Ist eine meiner Lieblingsautorinnen, auch international gesehen. Und gerade weil ihre schwarzhumorigen Krimis in hiesigen Landen spielen, kann man sich prima in die Charaktere hineinversetzen - fast jeder hat schließlich so eine Hausfrau in der Nachbarschaft.Vielleicht nur nicht ganz so mörderisch. ;-)
Zuletzt geändert von Ginny-Rose_Carter am Montag 6. Juni 2005, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Esprit » Montag 6. Juni 2005, 18:15

Ja, Ingrid Noll - lange nichts mehr von ihr gelesen...(das wär mal was für den Buchzirkel)
"Der Wahnsinn ist ein Land, in das nicht jeder Zutritt hat. Man muss ihn sich verdienen."
(aus"Die grauen Seelen" von Philippe Claudel)
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Beitragvon Nenya » Samstag 4. Februar 2006, 09:23

Einer meiner Lieblingsschriftsteller kommt aus Deutschland:

Kai Meyer !!

Ich liebe seine Bücher!!! Und der ist noch sehr jung, er schreibt schöne fantastische Geschichten, die immer wieder gerne lese.
Wer mit beiden Beinen fest am Boden steht kommt keinen Schritt weiter.
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Beitragvon torsten » Samstag 4. Februar 2006, 20:04

Da geb ich dir völlig Recht, Nenya - Kai Meyers Romane sind wirklich klasse. Die Mischung aus Geschichtlichem und Unheimlichen, die beherrscht er wirklich wie kein zweiter. Der letzte Roman, der ich von ihm gelesen habe, war Das Buch von Eden und es hat mich förmlich ungehauen!!!
Tag und Nacht erreichbar unter 555-Nase!

http://www.xun-online.de/
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Beitragvon Eddy Baur » Samstag 4. Februar 2006, 21:28

Das ist doch in allen Kategorien so. Deutschland ist gut für den Import, für den Export aber nur selten geeignet.

Das ist so bei:

- Filmen

- Musik

- Literatur

- Menschen


Import aus allen Ländern.
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Beitragvon Leila2002 » Samstag 26. August 2006, 17:34

Gwenhwyfar hat geschrieben:Liegt vielleicht auch unteranderem an den Interessen der Leser und ihren Vorlieben. Bei Filmen verhält es sich ja ähnlich. :rolleyes:

Ich gestehe aber, ich selbst lese bei deutscher Literatur eher die Klassiker und kaum etwas nach 1945...


Sehe das genau so. Goethe, Lessing oder Hoffmann kann man einfach nicht so leicht toppen.

Obwohl Schätzing jetzt auch nicht so schlecht ist. Habe aber von ihm nur "Der Schwarm" gelesen, kann also nicht viel sagen. "Das Parfüm" von Süskind gehört zu meinen lieblings Romanen. Aber es sind halt nur Aussnahmen.
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