Zensur? Verbot?

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Zensur? Verbot?

Beitragvon biberrulez » Donnerstag 22. März 2007, 09:18

Schwierig einen passenden Thread oder passenden Thread-Titel zu finden. In die diversen Harry Potter Threads scheint es mir nicht richtig zu passen.
Ich denke mir, dass hier Platz sein soll für Meldungen wie diese (aber nicht nur auf Harry Potter bezogen):
Gymnasium streicht Harry Potter vom Lehrplan

Ich hab keines der Harry Potter Bücher gelesen, interessiere mich nicht dafür und bin ihnen gegenüber mit einer ordentlichen Portion an Vorurteilen aufgeladen. Das ist intolerant, mir aber völlig gleichgültig - wir haben alle Vorurteile gegen bestimmte Dinge, und wer das Gegenteil behauptet, lügt. Dennoch finde ich aber die Entscheidung, Harry Potter vom Lehrplan zu nehmen, äußerst fraglich. Hier der gesamte Artikel.

Um eine Verletzung religiöser Gefühle zu vermeiden, wird ein Harry-Potter-Roman an einem Chemnitzer Gymnasium nicht mehr im Unterricht behandelt. Zwei Elternpaare hätten darauf hingewiesen, dass die Darstellung von Geistern im Widerspruch zur religiösen Erziehung ihrer Kinder stehe, so der Leiter des Johannes-Kepler-Gymnasiums, Stephan Lamm. Um ihre Kinder nicht diesen zwei Welten auszusetzen, baten die Eltern darum, Harry Potter als Unterrichtsstoff zu streichen. Daraufhin habe die Fachlehrerin entschieden, stattdessen das Buch "Rennschwein Rudi Rüssel" im Unterricht zu behandeln.

Ein adäquater Ersatz! :lol2:
Die schulpolitische Sprecherin der Linksfraktion.PDS, Julia Bonk, kritisierte die Entscheidung der Schule als eine Einladung an religiöse Fundamentalisten. Dies sei eine Aufforderung, den Bildungs- und Erziehungsauftrag staatlicher Schulen nach eigenem Gutdünken zu stören. Nach dieser Logik müssten auch Grimms Märchen aus den Schulen verbannt werden, denn dort wimmelte es nur so von Hexen und Fabelwesen.

Stimmt, nocht interessanter wird es dann, wenn Faust seine erste Begegnung mit dem Erdgeist hat; muss dann wohl auch vom Lehrplan genommen werden. :heulsuse: Ich halte diese Entscheidung für äußerst fraglich. Es stehen meines Wissens kaum irgendwelche expliziten Autoren und Titel als Pflicht auf den Lehrplänen und so ist es äußerst lobenswert, dass auch moderne Bücher thematisiert werden. Naja, jetzt ist Rudi Rüssel dran und vielleicht gibt es ja das ein oder andere Elternpaar, das die Meinung vertritt, der Einsatz eines Ferkels als Rennschwein sei kapitalistisch und nicht artgerecht - aber gegen solch eine Ungerechtigkeit und potentielle Verohung der Kinder kann ja auch geklagt werden. :face82:
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Donnerstag 22. März 2007, 11:39

Also, die Begründung ist mal absolut dämlich. Seine religiöse Erziehung von einem Buch mit Märchen- und Fantasygehalt beeinflussen zu lassen halte ich für äußerst schwer. Als wenn Kinder- und Jugendbücher da eine Gefahr wären. Ich hass es, wenn "religoöse Gefühle" als Vorwand benutzt werden, damit schadet man der Religion nur. Ich bin selber religiös und falle nicht in Ohnmacht, wenn ich etwas über Hexen oder Geister oder gar den Teufel lese. Soviel Souveränität muss man doch besitzen.

Erstaunlich finde ich aber, dass Harry Potter überhaupt auf dem Lehrplan stand. <g> Ich bin selber großer Fan, meine Lehrer hätten aber wohl eher auf die altbewährte Weltliteratur zurückgegriffen ... so was wie "Tom Sawyer" etwa. Andererseits nicht schlecht, den Potter mal ein bisschen zu analysieren.
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Beitragvon Odetta » Donnerstag 22. März 2007, 12:28

Völlig daneben diese Ausrede mit der Religion.
Man sollte meinen, die Zeiten wären vorbei, in denen man Bücher aus Angst vor Ketzerei verb(r)annt hat. :roll:
Wurde er echt in den Lehrplan aufgenommen?
Um eine Verletzung religiöser Gefühle zu vermeiden, wird ein Harry-Potter-Roman an einem Chemnitzer Gymnasium nicht mehr im Unterricht behandelt.

"wird nicht mehr behandelt" heißt vielleicht nur, dass es den Lehrern in Wahrheit schon ein bisschen auf den Nerv ging, dass sich die Schüler für keine andere Literatur mehr begeistern konnten.
Ich weiß nicht welche Kriterien ein Buch vorweisen muss, um in den Lehrplan aufgenommen zu werden. Aber wenn ich mich nicht täusche ist das genau festgelegt, oder?
H. Potter ist eine aufregende, fantastische Welt, eine wichtige Leseerfahrung für Kinder, die noch nicht wissen, dass lesen nicht immer ein Zwang ist. Aber hat er genug literarische Qualität um als "Lehrbuch" durchzugehen?
Wie Ginny sagt, meine Lehrer hätten wahrscheinlich auch auf die klassischen Lehrbeispiele zurückgegriffen. GsD hatten wir den richtigen Lehrer, und er konnte uns auch mit dem "langweiligen" Zeug begeistern. :P

Ich bin wirklich kein großer Fan von H.P., aber diese Ausreden finde ich mehr als unfair!
Statt, dass sie froh sind, dass die Kinder freiwillig lesen! Und noch Spass daran haben!
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Beitragvon biberrulez » Donnerstag 22. März 2007, 14:35

Odetta hat geschrieben:Ich weiß nicht welche Kriterien ein Buch vorweisen muss, um in den Lehrplan aufgenommen zu werden. Aber wenn ich mich nicht täusche ist das genau festgelegt, oder?

Ne ne, wie schon gesagt, in nahezu allen Bundesländern ist in den Lehrplänen nicht direkt enthalten, welche Autoren oder Bücher behandelt werden. Im Lehrplan für Thüringer Regelschulen heißt es da zum Beispiel: die Schüler sollen ein Spektrum altersangemessener Werke - auch Jugendliteratur - bedeutender Autoren und Autorinnen kennen. Also nichts von wegen dies wohl und dies auf keinen Fall. Sicherlich gibt es eine gewisse Tradition. Faust gehört nunmal in Bezug auf die deutsche Literaturgeschichte dazu, aber er steht nicht im Lehrplan. Sollte ein Lehrer eine Aversion dagegen haben, müsste er ihn nicht behandeln und dann auf ein anderes Werk der Zeit bzw. dieser Gattung zurückgreifen. Fabeln und Märchen als Bestandteil des Unterrichts könnte man durch Grimms Märchen behandeln, durch Andersen oder den Märchen aus 1001 Nacht. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos.
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Beitragvon Odetta » Donnerstag 22. März 2007, 16:27

Also hat der einzelne Lehrer die letzte Entscheidung, welche Bücher zu welchem Thema/Epoche gelesen werden? Weil wir schon unsere fixen Leselisten hatten.
Also wird H.P. nur bei dieser erwähnten einen Fachlehrerin nicht mehr behandelt, statt dessen Rennschwein Rudi Rüssel. Weiß nicht ob man da gleich von Zensur reden kann. Vielleicht hat besagte Lehrerin eigene Beweggründe, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass 2 Elternpaare, die "darum bitten" ihn wegzulassen, soviel Einfluss auf den Lehrplan haben.
Das mit der Religion kann ja von der Lehrerin nur ein Vorwand sein, sonst müsste sie allen Eltern nachgeben, die an diesem oder jenem Buch was auszusetzen haben. (s. Bsp. Faust, Teufel UUH, Walpurgisnacht, nein nein das kann man keinem Kind/Jugendlichen antun!! :lol2: )
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Beitragvon stephy » Donnerstag 22. März 2007, 23:36

Mein Freund ist Lehrer und der hat mir schon einiges über Unterrichtslektüren erzählt... Z.B: wollte er einmal mit seinen Schülern "Das fliehende Pferd" von Walser behandeln (man muß aber dazu sagen; das ist schon eine Weile her!) - wurde dann zum Rektor zitiert, der das verboten hat, weil nämlich; zu pornographisch! :minieek:
Also durfte er es nicht mehr behandeln. Man muß dazu sagen, daß es sich hierbei um "freiwillige Lektüre" gehandelt hat. Ich glaube, das blieb sogar damals nicht beim Rektor, weil er sich wehrte, sondern kam eine Instanz höher, wo er sich dann vor irgendwelchen Fuzis verantworten musste... :ohhh:

Ein Kollege von ihm hat erst heute erzählt, daß er Probleme hatte, weil er seinen Schülern aus "Kamasutra" vorlas. Also; so can it go! Es gibt wohl oft Leute - teilweise nicht mal die Eltern! - die sich an irgendeiner Lektüre anstoßen. Dabei sollten man meinen, wir leben heutzutage in einer Zeit, in der dies nicht mehr vorkommt. Aber dennoch...

Ich finds einfach lächerlich, deshalb den Potter Harry vom Lehrplan zu streichen - aus religiösen Gründen. Na supi! Dann müssen aber auch in Bayern die Kruzifixe in den Klassenzimmern runter, weil; Atheisten könnten sich hier empören... Ok, ich übertreibe, aber es läuft doch in diese Richtung! Man sollte doch die Kinder nicht eindimensional erziehen, sondern sie mit allen möglichen Mythologien und Sichtweisen bekannt machen. So lernen sie letzten Endes eigenständig zu denken und sich eine Meinung zu bilden.

"Faust" ist hier ja auch ein sehr gutes Beispiel. Aber ich denke, "Faust" wird auch nur in "höheren Klassen" gelesen. Ich kenne auch Eltern, die penibel darauf achten, was ihre Kinder in der Schule beigebracht bekommen - teilweise empören die sich über Dinge, die ich eigentlich ganz gut finde. Zum Beispiel: Der Lehrer behandelt Ägypten, Mythologie usw. Das ist dann nichts, weil es zu grausam für die Kinder ist.
Aber genauso grausam sind doch - ehrlich gesagt - diese ganzen Gute-Nacht-Geschichten, die jeder von uns irgendwann gehört hat. Man denke dabei an den Struwwelpeter (wie schreibt mans? Keine Ahnung...), an die ganzen Grimmschen Märchen (wie ihr bereits angemerkt habt). Und die lesen eben diese Eltern FREIWILLIG ihren Kindern vor!
Also irgendwas stimmt da wohl nicht...

Daß der Potter Harry religiöse Gefühle verletzt... Öhm... Wo denn????? Das würde mich mal interessieren...
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Beitragvon biberrulez » Freitag 23. März 2007, 09:21

Odetta hat geschrieben:Also hat der einzelne Lehrer die letzte Entscheidung, welche Bücher zu welchem Thema/Epoche gelesen werden? Weil wir schon unsere fixen Leselisten hatten.
Genau so ist es! Aber, wie gesagt, es gibt da schon eine gewisse Tradition und ungeschriebene Vorgaben. Außerdem hängt wohl so manche Lektüre von vorrätigen Klassensätzen ab oder davon, wie viel „intelektuelles Wischi-waschi Gelaber“ zur Verfügung steht, auf das man zurückgreifen kann. Die Ausrede „Das steht auf dem Lehrplan“ ist Mittel zum Zweck, um nervige Schülerbeschwerden abzuschmettern. Schiller und Goethe, die Gebrüder Grimm und einige andere Dinge gehören einfach dazu.

stephy hat geschrieben:er wollte einmal mit seinen Schülern "Das fliehende Pferd" von Walser behandeln […] wurde dann zum Rektor zitiert, der das verboten hat, weil nämlich; zu pornographisch!
Ein Vorwurf, den man auch unseren Klassikern machen könnte, auch wenn da nicht immer explizit dasteht, was…also, na… die Dinge die da so… ich muss weg. Nein, mal im ernst, Stephy, du hast doch jüngst erst wieder Faust gelesen. Was ist denn mit den Versen 4128-4143 in der Walpurgisnacht? Die überschreiten schon etwas die subtile, lyrische Erotizität :casanova: (um mal euphemistisch zu werden).

stephy hat geschrieben:Man sollte doch die Kinder nicht eindimensional erziehen, sondern sie mit allen möglichen Mythologien und Sichtweisen bekannt machen.
So sollte es sein, aber viele Eltern besitzen diesen Weitblick nicht. Stattdessen werden die Kinder in Watte gepackt und vor allem Übel abgeschirmt, als könne man somit die Schrecken der Welt kompensieren. Dabei sollen die Sprösslinge doch in der Schule auf das Leben vorbereitet werden und im Leben (zumindest in meinem, obs bei euch anders ist, kann ich schlecht beantworten) verhält es sich nun mal so, dass mir keine gebratenen Hähnchen in den Mund fliegen, wenn ich das Haus verlasse. Sex, Gewalt und Tod werden tabuisiert. Gut, die Stifter sollen ja keine Hardcore-Pornos sehen oder Easton Ellis in der siebten Klasse lesen; wir brauchen hier ja keine Wortklaubereien zu machen, jeder weiß, was gemeint ist. Ein Beispiel, das mich kürzlich verwunderte, war eine amazon-Kundenrezession von „Tintenblut“, in der eine Mutter mitteilte, sie würde ihrem dreizehnjährigen Sohn dieses Buch nicht zum Lesen geben – zu brutal und düster! Das raff ich dann echt nicht, das geht über meinen Horizont. :nonono2:

stephy hat geschrieben:Daß der Potter Harry religiöse Gefühle verletzt... Öhm... Wo denn????? Das würde mich mal interessieren...
Ich bin zwar protestantisch erzogen (klingt so abgehoben; wurde konfirmiert und ging einmal die Woche brav zur Christenlehre), aber heute nur noch U-Boot-Christ. In den letzten Jahren haben einige Dinge meine Gottgläubigkeit untergraben, so dass diese nur noch an einen hauchdünnen Spinnennetztfaden hängt. Ich glaube es verhält sich so, dass Geister nicht in das religiöse Weltbild passen, da die Menschen nach dem Tod entweder in den Himmel kommen und Harfe spielen lernen müssen, oder aber sie kommen in die Hölle und müssen die Sachen machen, die schon im Leben lustig waren. (Nicht so ernst gemeint! :lily:) Geister sind aber Seelen, die nach dem Tod auf der Erde umherirren und dafür gibt es dann keine christliche Erklärung, deswegen: Geistergeschichten=böse!
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Beitragvon stephy » Freitag 23. März 2007, 10:41

biber: Dann wird es wohl so sein, daß die Lehrer bei jungen Schülern selbst die Lektüre bestimmen können und bei älteren der Lehrplan die Richtung vorweist, oder?

Und: Geist passen also nicht ins christliche Weltbild. Soso. Und weil sie nicht reinpassen, muß man also den Potter Harry vom Lehrplan streichen, weil da ja welche drin vorkommen.
Öhm... Bringen diese Eltern ihren Kindern eigentlich nicht bei, daß es sich bei den Potter-Bänden um Literatur handelt und nicht um Wahrheiten/Realitäten/Tatsachen?
Ich glaube, diese Eltern sind einfach zu faul, um sich mit der Literatur ihrer Kind und mit ihren Kindern im Speziellen außeinander zu setzen. Sonst könnten sie ihnen erklären, daß es sich um eine Geschichte handelt und nichts als eine Geschichte usw.

Der einzige Trost: Das sind meisten die Sorte Mütter, die später, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen, am meisten Schwierigkeiten mit ihren Sprößlingen bekommen. Denn irgendwann reicht es denen und dann wird Rebellion betrieben. :P
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Beitragvon Odetta » Freitag 23. März 2007, 12:22

Schon traurig, wenn solche Klein-Geister meinen sie verstehen was von Literatur, die meisten von diesen Eltern wissen ja garnicht wovon sie reden oder täusch ich mich?
Meine Mutter wusste selbst nicht genau, ob sie es gut finden soll, als ich Bukovski gelesen habe. :lol2: Oder ganz einfach Stephen King, ein ewiger Streitpunkt zw. uns... Sie meint, inzwischen müsse ich aus dem alter raus sein. :lol:
Nicht falsch verstehen, ich hab meine Mama lieb, und meine Liebe zu Büchern hab ich von ihr, aber sie hat zu manchen Autoren auch Vorurteile. Ich arbeite aber noch daran, dass sie endlich mal einen King liest! :lol2:
Dann müssen aber auch in Bayern die Kruzifixe in den Klassenzimmern runter, weil; Atheisten könnten sich hier empören... Ok, ich übertreibe, aber es läuft doch in diese Richtung!

Von wegen Übertreibung. Das Thema ist von unseren Herren Politikern ganz heißblütig diskutiert worden! :aehm als hätten die sonst nichts zu tun.
Finde diese Entwicklung traurig. In Zukunft wird man in den Schulen nur mehr das "Nibelungenlied" und "Sound of Music" zu Gesicht bekommen. Grund solide, anständig und christlich!
:nuts:
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Beitragvon stephy » Freitag 23. März 2007, 21:05

Och, das Nibelungenlied ist nicht gerade anständig. :P :lol2:
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Beitragvon Hanna » Samstag 24. März 2007, 13:36

Stimmt, wenn ich dran denke, was siegfried und Brünhild da gemacht haben als sie um den Gürtel gerungen haben
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Beitragvon Marc » Samstag 24. März 2007, 15:54

Und überhaupt die ganze eklige Magie ;)
Tarnkappe, Kraftgürtel, Drachen...iiiiihhhhh, da könnte man ja gleich "Harry Potter" lesen :laugh:
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Beitragvon Odetta » Montag 26. März 2007, 10:38

ihr habt recht! weg mit Nibelungenlied! :lol2:
Dann halt.... Leonce und Lena!
ach ne geht auch nicht! "pipi", "popo" :shocked: so dann fällt mir garnix mehr ein! ist doch alles völlig verdorben! :lol:
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Beitragvon Hanna » Montag 26. März 2007, 17:13

Ich muss immer daran denken, dass meine Mutter sich immer darüber beschwerte, dass in der Schule zuwenig Märchen gelesen werden. Als ich mit ihr eine Diskussion über Dornröschen und die Bedeutung des Kusses für die schlafende Prinzessin anfing, stritt sie meine Interpretation, Vergewaltigung einer Bewusstlosen, ab. Ich denke, die meisten, die Zensur fordern, wollen einfach nicht einsehen, dass man auch oder gerade in der Schule die Literaturauswahl an die Zeit anpassen muss. Vielleicht haben manche Eltern auch einfach nur Angst, dass ihre Kinder über etwas wissen, von dem sie selber keine Ahnung haben.
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Beitragvon biberrulez » Dienstag 27. März 2007, 07:16

stephy hat geschrieben:biber: Dann wird es wohl so sein, daß die Lehrer bei jungen Schülern selbst die Lektüre bestimmen können und bei älteren der Lehrplan die Richtung vorweist, oder?
Nö, der Lehrplan schreibt Ziele des Literaturunterrichts vor, z.B. Kenntnisse über die Gattungstrias Epik, Lyrik und Dramatik. Welche Texte dafür herangezogen werden, liegt im Ermessen des Lehrers. Es gibt keine Vorgaben!!! Nada!!!

stephy hat geschrieben:Öhm... Bringen diese Eltern ihren Kindern eigentlich nicht bei, daß es sich bei den Potter-Bänden um Literatur handelt und nicht um Wahrheiten/Realitäten/Tatsachen?
Und genau da liegt einer der Knackpunkte. Ziel des Literaturunterrichts ist nicht nur das Bekanntmachen mit Texten, sondern auch der verantwortungsbewusste und reflektierte Umgang mit selbigen. Dies den Kindern beizubringen ist nicht zwingend Aufgabe der Eltern, sondern eher der Lehrer, wie soll aber dies vonstatten gehen, wenn von vornherein Texte bewusst ausgespart werden, weil sie Anstoß erregen könnten. Es wäre wirklich sinnvoller gewesen, hätten die entsprechenden Eltern ihren Kindern erklärt, dass es sich um eine erdachte Geschichte handelt, und nicht um die Realität. Diesen Umstand macht sich Literatur ja häufig zu nutzen – sprechende Tiere in Fabeln finden sich im wirklichen selten schließlich auch relativ selten. Die Schule ihrerseits hätte hart bleiben und die Potter-Lektüre verteidigen sollen; das wäre argumentativ kein unlösbares Problem gewesen. Gut, wahrscheinlich um des lieben Friedens willen hat die Schule klein beigegeben, aber ich bin mir nicht sicher, ob ein Gegenkurs letztlich nicht wesentlicher mehr im Sinne der literarischen Erziehung der Schüler gewesen wäre.

Außerdem sind die Eltern naiv, wenn sie glauben, ihre Kinder abschirmen zu können. Nachdem Motto, was ich nicht kenne, gibt’s auch nicht! Ein ähnliches Spiel probieren unsere Katzen hin und wieder: Sehe ich dich nicht, siehst du mich nicht!, aber selbst die begreifen schnell, dass das nicht wirklich klappt.

Außerdem, was kommt als nächstes? Nachdem man im Literaturunterricht „Rennschwein Rudi Rüssel“ behandelt hat und man selig in dem Glauben lebt, der himmlische Vater habe Rudis Rasse zusammen mit dem anderen Viehzeug in seiner ersten (und einzigen?) Arbeitswoche geschaffen, geht man zum Biologieunterricht und da wartet Darwin mitsamt der Evolutionstheorie! Da können die Eltern gleich wieder anmarschieren. :monstereyeroll_lightgreen:

Odetta hat geschrieben:aber sie hat zu manchen Autoren auch Vorurteile.
Wer kann sich davon freisprechen, der werfe den ersten… *räusper* lieber doch nicht! Hätte ich keine Vorurteile, käme ich aus der Buchhandlung gar nicht mehr raus. Meine Vorurteile erlauben es mir, bestimmte Bücher zu ignorieren, weil sie offensichtlich auf einer gewissen Welle mitschwappen, oder weil die Cover wenig verheißungsvoll aussehen etc. Ich z.B. habe Vorurteile gegen diese Bücher, die es meist nur als Taschenbuch gibt, auf denen dann vorne ein stattlicher Kerl und eine knackige Frau sich anschmachten, die Haare wehen im Wind, im Hintergrund ein altes Herrenhaus… ihr wisst, was ich meine. Ich habe Vorurteile gegen Dan Brown, aber noch nie was von ihm gelesen. Ja, selbst die Bücher, gegen die ich keine Vorurteile habe, sind wahrscheinlich viel zu viele, als dass ich sie zu Lebzeiten alle lesen könnte; die Zahl stiege ohne Vorurteile dermaßen an, dass ich in tiefste Depression verfallen müsste. :ohhh:

Hanna hat geschrieben:Als ich mit ihr eine Diskussion über Dornröschen und die Bedeutung des Kusses für die schlafende Prinzessin anfing, stritt sie meine Interpretation, Vergewaltigung einer Bewusstlosen, ab.
Einerseits einleuchtend, andererseits aber vielleicht zuviel des Guten. Vergewaltigung einer Bewusstlosen? Im Rahmen einer Interpretation möglicherweise eine Betrachtung wert, aber ob man das wirklich belegen kann? Dann würde sich jeder, der einen schlafenden Menschen küsst, der Vergewaltigung schuldig machen: In diesem Falle werde ich diesen Beitrag beenden und Anzeige gegen mich erstatten. ;-)
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