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Moderator: Ginny-Rose_Carter

Beitragvon Odetta » Freitag 7. September 2007, 06:46

Ein "Bestseller" sagt ja auch nichts über das Buch an sich aus. Noch soviele Leute können ein schlechtes Buch nicht "gutlesen". Ich frag mich gerade in letzter Zeit immer öfter, wie entschieden wird, welches Buch zum Bestseller gepuscht wird und welches nicht.
Das mag vom Autor nicht konstruiert sein, aber vom Verlag sehr wohl.
Und das Etikett "Bestseller" ist schnell auf so einen Buchdeckel aufgeklebt.
Und damit wird der Masse suggeriert, es lesen/kaufen zu müssen.
Klar ist es jedem Autor zu wünschen mit seinem Buch einen Hit zu landen, und von diesem Geld leben zu können.
Aber ich lese lieber ein wirklich gutes Buch, das vielleicht nur wenige Leute kennen, als einen miesen Bestseller, bei dem ich weiß, dass der Verkauf nur Strategie des Verlags war.
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Beitragvon biberrulez » Freitag 7. September 2007, 12:06

Odetta hat geschrieben:Ich frag mich gerade in letzter Zeit immer öfter, wie entschieden wird, welches Buch zum Bestseller gepuscht wird und welches nicht.

Da geht es mir ähnlich. Es ist geradezu offensichtlich, dass immer mal wieder ein Buch auf den Markt geworfen, dann regelrecht gepusht wird und sich dann auch nur daraus der Erfolg erklärt. Das betrifft zum Beispiel Harry Potter. Über die Qualität dieser Bücher kann ich nicht streiten, da ich keines gelesen habe, aber soviele Leute können sich nicht die ganze Zeit irren. (Wie sagt doch eine schöne Sentenz von Abraham Lincoln? You can fool some of the people all of the time, and all of the people some of the time, but you can not fool all of the people all of the time.) Aber ich lasse mich zu der Behauptung hinreisen, dass sich jedes andere handwerklich ausgereifte Buch ("Abarat" von Barker oder "Tintenherz" von Funke) auf diese Weise zum Phänomen hätte pushen lassen können.

Etwas befremdlich finde ich auch den Erfolg der Sendung Lesen! von Elke Heidenreich. Ich sehe die auch gern, aber eher weil ich die Begeisterung mag, mit der sie von Büchern spricht. Bisher habe ich noch keine ihrer Empfehlungen berücksichtigt. Aber was die auch bespricht, landet in den Bestsellerlisten! Können die Leute nicht selber ihre Bücher suchen? Dabei sitzen im Publikum immer so Leute, die mit ausdrucksloser Miene und leicht schief gelegtem Kopf seicht klatschen, als hätten sie eh schon alles gelesen!

Aber was wirklich nervt, sind die von Odetta erwähnten Aufkleber. Oft genug erscheint ein Buch und wird schon mit solchen Stickern versehen, bevor auch nur das erste Exemplar verkauft ist! :nonono2:

Sinn dieses ganzes Beitrags: Ich glaube, dass selbst das beste Buch der Welt (mal abstrakt betrachtet) heute kaum eine Chance ohne Sticker oder Medienrummel hätte.
"Er oder sie muss sich fragen, ob sein oder ihr Stilgefühl es ihm oder ihr erlaubt, so zu schreiben."
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Beitragvon stephy » Freitag 7. September 2007, 13:00

Dieses Sprichwort "so viele Leute können sich nicht irren" erinnert mich immer ein wenig an unsere Manipulationsgesellschaft, denn die haben wir irgendwo auch; "Harry Potter" - den biber als Beispiel angeführt hat - wird zum Bestseller gemacht, das geschieht aber nicht nach dem ersten Buch, nee, Frau Rowling mußte erst ein paar der Reihe vorher schon herausgebracht haben. Dann wirds plötzlich und ohne Manipulation der Medien zum Bestseller? Nein! Da wurde dann (weiß nicht mehr ab welchem Band das war) kräftig die Medientrommel gewirbelt und schon klappts auch mit dem nötigen Marktumsatz.
Ich hab jetzt nichts gegen "Harry Potter", aber ich finde, hier sieht man ganz deutlich, was Medien alles bewirken können. Haben wir bei Dan Brown auch. Ich bin da eher der gegenteilige Leser; merk ich, daß mir ein Buch überall wohin ich gehe förmlich ins Gesicht springt, daß ich noch nicht mal an einem Buchladen vorbei laufen kann, ohne es zu sehen, dann entwickle ich keine Neugier sondern eher eine Abneigung.

Vielleicht aber hab ich nur was gegen Bestseller. :P

Schreiben ist für mich eine Kunst, die um ihrerselbst Willen betrieben werden sollte. Nicht, um Kohle damit zu machen und groß rauszukommen.
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Freitag 7. September 2007, 14:18

Soweit ich weiß, lief das mit Harry Potter zumindest in England zunächst ohne Medienrummel, der ganze Wirbel kam erst nach dem Erfolg, das Buch wurde also nicht von Beginn an gepusht, sondern durch Mundpropaganda erfolgreich, auch wenn allgemein das Gegenteil verbreitet wird. Dazu gabs mal ein paar interessante Artikel und Diskussionen in Autoreforen, die ich leider gerad enicht zur Hand habe ... in der Zeit stand so was:
Die Medien waren es hierzulande nicht, sie hinkten erst hinterher, als Time Harry Potter aufs Cover gesetzt hatte. "Die Buchhändler haben es sehr empfohlen", sagt die Buchhändlerin. "Mir hat's mein Freund geliehen", erzählt der Junge. "Es war die alte Mund-zu-Mund-Propaganda", vermutet der Verlagsvertreter. Alle schütteln sie glücklich-verständnislos den Kopf.
Klar gabs nach dem 3. Band einen riesigen Werberummel, aber der Erfolg war schon vorher da. Natürlich nicht SO sensationell, aber eben überdurchschnittlich, ohne dass dafür besonders geworben wurde ... zumindest ist das mein Wissensstand.
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Beitragvon stephy » Freitag 7. September 2007, 18:23

Ginny; es ist ja eigentlich egal, welches Beispiel man hierzu nimmt. Dann streichen wir "Harry Potter" und sagen gleich Dan Brown. ;)
... die gleich tot in Ohnmacht fällt
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Freitag 7. September 2007, 21:33

Bei Dan Brown kenne ich mich weniger aus.
Ich will nur verhindern, dass man den Medien und ihrem Hype bei Harry Potter zu großen Einbfluss zuschreibt. ;-)

Sigrid Löffler hat das in einem aktuellen Essay recht gut ausgedrückt:

"Dabei ist «Harry Potter» ursprünglich ein naturwüchsiger, kein marktgemachter Bucherfolg gewesen. Von Anfang an war er ein Liebling der Leser und nicht das Produkt kalkulierten Bestseller-Engineerings. Die ersten Leser haben das Buch auf ganz altmodische Weise ins Herz geschlossen und weiterempfohlen, per Mundfunk, bald aber auch auf Fan-Websites. Erst dann wurden die Markt-Strategen aufmerksam und nahmen sich der Sache an."
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Beitragvon stephy » Samstag 8. September 2007, 22:53

Ginny: Einen Medienhype nach den Veröffentlichungen der Bücher und nachdem sie in Leserkreisen bekannt geworden sind, ist ja auch in Ordnung. Aber trotzdem; die Macht des Hypes kann man ja immer noch sehen und die Medien haben Harry Potter einfach noch mehr bekannt gemacht, als er ohnehin schon war. ;) Nicht umsonst sind die Kinofilme und Fanartikel entstanden, denk ich mal.

Aber ich glaube, die Diskussion wird sich im Sande verlaufen, weil andreas sich nicht mehr meldet. :(
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Beitragvon Odetta » Montag 10. September 2007, 09:04

biberrulez hat geschrieben:Können die Leute nicht selber ihre Bücher suchen?

Das wär ja viel zu mühsam! Kritiken, Hitlisten, Bestsellerlisten sind für Leute die selber nicht wissen was sie gut finden. (auch in der Musik) Aber wenn sie einen aktuellen Bestseller lesen, dann können sie sich selber auf die Schulter klopfen, weil sie einen ach so guten Geschmack haben. :aehm
Was Elke Heidenreich betrifft, ich hab auch schon das ein oder andere Buch gekauft/gelesen, weil sie es in der Sendung besprochen hat. Ich mag ihre Begeisterung und ihre Liebe zu guten Geschichten. (wenn ich an Reich-Ranicki denke grrraut mir :orange: )
Ich glaube sie nimmt die Auswahl sehr ernst, und stellt kein Buch unüberlegt vor. Dass aber eine einzige Sendung und eine einzige Kritikerin solchen Einfluss auf die Verkaufzahlen hat, find ich auch merkwürdig.

@ Harry Potter - Hype
Kann sein, dass er in England schon vorher ein Erfolg war. (Erfolg zurecht, es ist eine schöne/kreative Geschichte) Aber ich weiß nicht, ober er es über die Grenzen hinweg geschafft hätte. Wahrscheinlich hätte er sich nie dermaßen entwickelt, wenn die Medien ihn nicht aufgegriffen und weltweit vermarktet hätten. Was aber auch an den Verfilmungen liegt, die als jährlicher Fix-Punkt à la Herr der Ringe inszeniert wurden.
Aber ich lasse mich zu der Behauptung hinreisen, dass sich jedes andere handwerklich ausgereifte Buch ("Abarat" von Barker oder "Tintenherz" von Funke) auf diese Weise zum Phänomen hätte pushen lassen können.

Da stimm ich Biber zu! Abarat ist durchaus auf dem gleichen Level wie HP.
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