Frankenstein (Mary Shelley)

Zum Gruseln

Moderator: Esprit

Beitragvon Gwenhwyfar » Dienstag 5. November 2002, 15:09

Durch den Erfolg ihres Frankenstein Romans widmete sie sich fortan der Schriftstellerei. Von ihren späteren Werken ist The Last Man hervorzuheben. Der 1844 erschienene Roman handelt vom Untergang der Menschheit im 21. Jahrhundert. Mary hatte nach dem Tod ihres Mannes nicht wieder geheiratet. Sie starb 1851 in London.

Na, das Buch war wohl doch schon zu Shelleys Lebzeiten ein Erfolg. :P

Eine Definition von Klassiker:
Klassiker [bei der röm. Einteilung der Bürger nach ihrem Vermögen waren die classici die Angehörigen der reichsten Gruppe], als vorbildlich anerkannter Schriftsteller, dann großer anerkannter Meister in Künsten oder Wiss. überhaupt.

Zu Mary Shelleys geringer Bekanntheit und "Frankenstein":
Worum es mir hier allerdings vor allem geht: dass Mary Shelley es rein literarisch (fiktional) geschafft hat, einen Menschen (nämlich den Dr. Frankenstein) "in die Welt zu setzen": dass aus reiner Druckerschwärze eine Figur entstand, die über Jahrhunderte im Gedächtnis der Menschheit blieb, und zwar derart erfolgreich, dass sie sich verselbstständigte: viele werden wohl Frankenstein "kennen", aber nicht wissen, dass er von Mary Shelley erfunden wurde.

Es mag laut Ernst Bloch das höhere Ziel eines Genies sein, seinen Namen in die Ewigkeit einzumeißeln, also etwas zu schaffen, was das Genie lange Zeit, wenn nicht gar "für die Ewigkeit" überdauert.
Aber ist das nicht eine fatale Hoffnung?:
schaffen das nur ganz wenige, nämlich nur die wahrhaft Großen,
"haben" ja nicht mal diese was davon: sie sind längst tot, nur ihr Werk überlebt; und wenn ihr Werk erst postum berühmt wird, haben sie im Leben nie etwas davon erfahren;
und vor allem aber: wie steht´s mit eben jenen AutorInneN, deren Figuren erfolgreicher sind als ihre Schöpfer, ja bei denen die Figuren derart erfolgreich waren, dass sie ihre Schöpfer vergessen machten?
Und dennoch: ist nicht Letzteres das Größte, was einem Autor überhaupt gelingen kann?:
Mit Druckerschwärze Figuren (eigene Kinder) "in die Welt setzen", die sich verselbstständigen, tatsächlich Menschen bzw. geradezu Archetypen werden - und unsterblich werden: nicht wie Ahasver, der ewige Jude, der vom Antisemitismus verurteilt war, ewig durch die Weltgeschichte wandern zu müssen, sondern im positiven Sinne, dass sie ewig "wandern" dürfen.
Sollte ein Autor (natürlich nur zu Lebzeiten) stolz darauf sein, wenn seine Figur "für alle Zeit" weltberühmt wird, er aber dahinter verschwindet?
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Beitragvon stephy » Dienstag 5. November 2002, 15:31

@ anakin

Diese Menschen, die alle "Frankenstein" kennen, aber nicht wissen, von wem das Buch geschrieben wurde, behaupten allerdings auch nicht, sie hätten es gelesen... ;) Das wollte ich damit sagen; sie kennen den Klassiker nicht, aber sie kennen Frankenstein aus Filmen oder einfach aus Sätzen in unserem Alltagsgebrauch ("Der sieht aus wie Frankenstein!" <--- ein falscher Ausdruck, wie wir wissen, aber alltäglich). Das hat allerdings herzhaft wenig mit dem Roman zutun. Es hat was mit dem Begriff "Frankenstein" zutun.

Das Buch war nicht wirklich ein Flop, eher im Gegenteil. Ich weiß noch fern, daß Shelley bei einer Theateraufführung von "Frankenstein" dabei war und zutiefst gerührt auch ein paar Worte darüber verloren hat. Ich weiß allerdings nicht mehr genau, was sie sagte, das müßte ich nachschlagen... ;)
Die Faszination des Buches wurde natürlich auch sobald wie möglich im Fernsehen und Kino umgesetzt. Wen wundert's? Die Problematik in "Frankenstein" ist allgemein bekannt und weit verbreitet. Das Ding hat Potential, vermarktet zu werden. Und vergessen ist plötzlich der Name Mary Shelley.

Gwen hat wunderschöne Zitate gebracht: Eigentlich ist genau das doch das Schönste für einen Autor; sein Werk bleibt ewig in Erinnerung. Die Figuren überleben den Autor. Hätte sie es anders gewollt?
Und die Leute lesen immer noch den Klassiker. Sie lesen ihn mit Abneidung oder mit Begeisterung - aber darauf kommt es doch gar nicht an. Wichtig ist, daß er gelesen wird und das wird er; heute wie gestern, vorgestern wie vor drei Tagen.

Der Erfolg des Buches ist nicht allein auf Filme zurückzuführen, das wäre zu einfach.
Zum Einen ist da die Tatsache, daß der Roman das Thema "Horror" und "Wissenschaft" verknüpft. Meines Wissens nach gab es sowas vor "Frankenstein" noch nicht. Zumindest nicht in dieser Form. Außerdem ist es vielleicht gerade dadurch ein zeitloses Werk geworden; die Thematik ist Gegenwart, sie war schon früher Gegenwart und was wird sie in der Zukunft sein?
Ein wichtiger Punkt sind natürlich die Filme, die uns immer wieder in Erinnerung bringen, daß es da mal einen Roman gab... Aber die Filme hätte es nie gegeben, wenn es nicht das Buch gegeben hätte. Das Buch und seinen Inhalt. ;) Es ist ein ewiger Kreislauf...

Im Horrorgenre kann man dieses Werk allerdings nicht mehr wegdenken. Zusammen mit "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" und "Dracula" ist es ein Meilenstein, ein Mythos. Wenn ich mich recht entsinne, hat das sogar Stephen King in "Danse Macabre" gesagt... ;)

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Beitragvon Meat » Mittwoch 6. November 2002, 09:27

Also ich hab den Film (mit de Niro als Frankensteins Monster) gesehen, und war doch ziemlich begeistert, was mich veranlasste das Buch zu kaufen und zu lesen. Vor allem den Anfang fand ich sehr atmosphärisch und unheimlich.
Aber von Shelley Roman war ich doch etwas enttäuscht. Ich kann mir nicht helfen, aber manche Szenen erscheinen mir einfach stümperhaft. Z.B. die ganze Erschaffung des Monsters. Also von der Geschichte, auch wenn sie im Roman etwas anders dargestellt ist bin ich nach wie vor begeistert, von Mary Shelly und ihrem Schreibstil halte ich allerdings kaum etwas.
Einen Großen Anteil an der Popularität hat sicher auch ein gewisser Boris Karloff :wink:
Da fand ich Dracula wirklich besser, vor allem wenn man sich mit dem Mythos an sich beschäftigt. Hätte Stoker Frankenstein geschrieben, dann... (lassen wir das!).
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Beitragvon stephy » Mittwoch 6. November 2002, 13:45

Teilweise stümperhaft fand ich Shelleys Roman nun wirklich nicht... Aber macht nichts, ich sag ja; ist halt Geschmacksache. Wenn Stoker "Frankenstein" geschrieben hätte... Das ist für mich eine neue Horrorversion... :twisted: Ich mag Stoker gar nicht... :roll: <-- auch wieder Geschmacksache. ;)

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Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 6. November 2002, 13:54

Manchmal denke ich, es liegt einfach an unserer heutigen Zeit, daß richtiges Erzählen nicht gemocht wird. Gleich heißt es "sinnloses Schwafeln" usw.
Übrigens, habt Ihr das Buch in einer Übersetzung oder im Original gelesen? Spielt nämlich auch eine Rolle, wenn man dem Stil nichts abgewinnen kann.
Bram Stoker...ähm...seinen Roman finde ich, trotz all der Tagebuchaufzeichnungen, Aufnahmen usw. - also persönlichen Zeugnissen - sehr oberflächlich, besonders die Charaktere. Es ist einfach ein Buch, aus dem man filmisch oder am Theater etwas machen kann, als schriftliches Werk jedoch ist es mittelmäßig.
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Beitragvon anakin » Mittwoch 6. November 2002, 14:17

Meat hat geschrieben:Also von der Geschichte, auch wenn sie im Roman etwas anders dargestellt ist bin ich nach wie vor begeistert, von Mary Shelly und ihrem Schreibstil halte ich allerdings kaum etwas

So ist brav :wink:
Wo soll ich unterschreiben ?


Bram Stoker (der seltsamerwesie immer als Vergleich angeführt wird) ist aber auch kein brilianter Schriftsteller ..ich könnte ja sagen 'sogar noch schlechter als, Shelley'..aber dann werde ich vermutlich gesteinigt :?
Allerdings muß ich zugeben, das mir 'Dracula' wesendlich besser gefällt als 'Frankenstein', als wirklich gutes Buch würde ich jedoch keins von beiden einordnen.


Und, Stephy, es ist eben keine Geschmacksfrage, wie jemand mit der Sprache umgeht. Warum meinst du vergeben z.B. Deutschlehrer Noten für sowas ?
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Beitragvon stephy » Mittwoch 6. November 2002, 19:02

Äh, Anakin, das ist nun mal die Sprache des 19. Jahrhunderts gewesen. Dieses "Schwafeln" hatten sie alle drauf, Poe, die Russen (Tolstoi, Dostojewski, Gogol etc.), Bram Stoker, Robert Lois Stevenson... Alle haben sie "schwülstig" geschrieben. Natürlich ist Stil und Sprache Geschmacksache, ich hab noch kein Argument von Dir gehört, das eindeutige Gegenbeweise bringt. :roll:
Du kannst die Noten, die man in der Schule für Sprache und Grammatik kriegt, doch wohl wirklich nicht mit Klassikern wie "Frankenstein" vergleichen! Sonst hätte Goethe eine 6 gekriegt, schon allein wegen der Orthographie... ähm... :roll:

Es gibt immer Menschen, denen ein Buch gefällt und es gibt immer welche, denen kein Buch gefällt - wo liegt jetzt hier das Problem? Es ist definitiv Geschmacksache, denn mir gefällt "Frankenstein" unheimlich gut und ich glaube, ich habe wirklich schon eine Menge Bücher in meinem Leben gelesen und weiß so in etwa, was mir an diesem Roman besonders gefällt. ;) Ich würde es aber niemals wagen, meinen Geschmack auf die Menschheit zu übertragen und einfach zu behaupten, nur ich allein würde ein gutes Buch erkennen... - Weil das totaler Schwachsinn ist. Der Eine mag Shakespeare, der andere nicht. Der Eine mag Tolstoi, der andere nicht. Der eine mag Rowling, der andere nicht. Der eine mag King, der andere nicht... So kann man ewig weitermachen.
Literatur ist und bleibt rein subjektiv. Und ich hab jetzt schon mehrmals angeführt, warum ich denke, daß "Frankenstein" ein gutes Buch ist - auch stilistisch gesehen gefällt mir der Roman ausgesprochen gut, was ich von vielen anderen Büchern nicht behaupten kann. Er gehört zu meinen Lieblingsromanen und ich kann sehr wohl auch beurteilen, welche Romane ich für mich persönlich als Meilensteine bezeichne und welche nicht. Ich kann verstehen, warum man heutzutage noch das Buch liest... hihi... Ich kann auch verstehen, daß damals Bücher meistens aus Monologen bestanden haben... Andere nicht.

Und ich leide ganz bestimmt nicht an Geschmacksverirrung.

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Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 6. November 2002, 19:17

Ach Stephy...
Leider kann ich über die stilistischen Mittel nicht mitdiskutieren, da ich das Buch noch nicht las, aber ich habe es hier auf englisch und werde dies bald nachholen - dann setzt's was, Anakin und Co. :mrgreen:
Zuletzt geändert von Gwenhwyfar am Freitag 11. Februar 2005, 21:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon stephy » Mittwoch 6. November 2002, 20:26

hihi, Gwen... :mrgreen:

Das Buch habe ich übrigens auch nur auf Deutsch gelesen (ich würde eine englisches Buch niemals im Leben kapieren... Dazu bin ich zu blöd... ähm... :roll: ), und mir hat der Stil gefallen... ;)
Ich glaub auch nicht, daß hier irgendeiner die Weisheit gepachtet hat und für sich beanspruchen kann, er hätte am meisten Ahnung von der Materie. Und genau diesen Eindruck hab ich manchmal von anakins Postings... :( Weil er halt behauptet, daß er wisse, was ein gutes Buch ist... und es kommt mir so vor, als würde er noch dazusagen wollen; und ihr alle wißt es halt nicht. Und das stimmt mich traurig, weil doch alles Geschmacksache ist. Wie alles im Leben auch. Kein Gaumen ist wie der Andere und für den Einen ist manches Zucker, was für den anderen Pfeffer ist... :roll:

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Beitragvon anakin » Mittwoch 6. November 2002, 20:28

Hmm, Stephy, du hast mich offenbar mißverstanden.
Es ist ja garncith so, das ich etwas gegen einen ausführlichen Schreibstill habe, ganz im Gegenteil. Und es ist schon garnicht so, das ich meinen Geschnack als den einzig wahren und richtigen ansehe, oh Gott.

Aber es gibt halt einen unterschied zwischen 'ausführlich' und 'langweilig' , zwischen 'interesant-fesseln' und 'nichtssgen-schwaffelnd'

Ich denke sehr wohl, das man den Still, also wie jemand mit der Sprache umgeht, sehr wohl frei von persönlichem Geschmack beurteilen kann. Manchmal ist es auch so, das jemand sich sehr gut ausdrückt, aber eben zu viel schreibt, die Geschichte quasi zu Boden schmückt.

Nimm das Beispiel Tolkien : 'Herr der Ringe' ist eine gute Geschichte, abe r opjetiv gesehen , nich besonder schön geschrieben. Seitenlange ausschweifungen über Neben- und vor Geschichten , gearade an denn Punken wo es gilt, die eigendliche Handlung voran zu bringen.
Außerdem hatte Tolkien einen, für einen Sprachlehrer und -forscher(?), gearade zu erschreckend kleinen Wortschatz. Wenn immer jemand den Mund aufmacht tut er 'crien' wenn immer sich jemand bewegt tut er 'walken' ....
Und dann eben die seitenlangen Abschweifungen, die meiner Meinung nach der Atmosphere und dem 'in-der Geschichte-drinn-sein' eher schaden als nutzen ( obwohl Tolkien sicherlich lezteres in Sinn hatte )

Wie gesagt ein ausführlicher-inhaltsvoller Still ist eine Sache bloße Rhetorik um der Rhetorik Willen, ist eine andere.

Lass mich zum Unterschied von Still und Geschmack ein Beispiel aus der Musik nehmen ( leigt mir besser :wink: ) :
Eddie Van Hallen ist ein sehr guter Gitarrist, das kann niemand bestreiten. Ich würde das auch niemals leugnen. Trozdem kann
ich persönlichnicht viel damit anfangen, ich mag 'sparsame' Gitaristen wie Keith Richards oder meinetwegen Brian Adams, weiß aber auch das diese nicht wirklich gut sind und das so manche rFreund von 'richtigen' Musikern darüber die Nase rümpft. Andererseits gibts wieder Gitaristen, die nur minutenlang herumdudeln und dabei nichts wirklich gutes hervor bringen.
Hmm, tja...man kann also sagen, die Shelly 'dudelt' zuviel herum, statt sich auf den 'Song' ( die Geschichte ) zu konzentrieren , während ...was weiß ich...Victor Hugo meinetwegen.....sehr gut 'spielt', auch wenn er gerne mal abschweifen tut.
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Beitragvon stephy » Mittwoch 6. November 2002, 20:44

Ja, anakin, aber ist eben nicht genau dieses "Mögen von Herumgedudele" Geschmacksache? Wie erklärst Du Dir dann, daß wir uns hier im Kingforum befinden, wo doch allgemein bekannt ist, daß auch der werte Herr King ein mordsmäßiger "Schwafler" und "Dudler" ist... :?:
Und wie erklärst Du Dir, daß ich Shelley für eine sehr gute Schriftstellerin halte - sprachlich wie stilistisch wie von der Handlung ihrer Geschichten her? Wie erklärst Du Dir, daß viele Menschen russische Literatur lesen und die russischen Werke zur Weltliteratur zählen, wo doch bekannt ist, daß z.B. der Dostojewski einen "naiven Stil" hat? :?:
Es ist letzten Endes halt doch Geschmacksache, ob ich "Schwaflerei" mag oder nicht. Ich kann ja einen Roman nicht wie eine Matheaufgabe betrachten; nach Niveau- und Unterhaltungsgrad gliedern und dann abwägen, was fehlt und was da ist.
In der Musik ist es ähnlich, aber nicht gleich; Nirvana gefällt mir sehr gut, mit Metallica fang ich gar nichts an - obwohl ich genau weiß, daß handwerklich Metallica um einiges mehr auf dem Kasten hat als Nirvana. Jetzt; warum ziehe ich Nirvana vor?
Gerade in der Literatur kann man einfach nicht sagen, wer einen guten Stil und hat und wer nicht. Von dem her kann man's auch gar nicht mit Musik vergleichen; denn da gibt es Griffe und Tonarten, die kann man oder man kann sie nicht. Einen Satz auf die Reihe bringen, können alle Autoren. Aber ob mir der Satz auch gefällt, ist wieder eine andere Sache. Und vor allem ist genau das eine rein persönliche Sache.

Jetzt würde mich natürlich brennend interessieren, von welchen Autoren aus dem 19. Jahrhundert Du überhaupt etwas hältst, lieber anakin. Den muß ich mir dann sofort reinziehen... höhö :D

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Beitragvon stephy » Mittwoch 6. November 2002, 20:52

Ach so, hab was vergessen... ;)

Aber es gibt halt einen unterschied zwischen 'ausführlich' und 'langweilig' , zwischen 'interesant-fesseln' und 'nichtssgen-schwaffelnd'


Und wer bestimmt, was "ausführlich", "langweilig", "interessant-fesselnd" und "nichtssagend-schwafelnd" ist? Der Eine findet doch etwas ganz was Anderes langweilig als der Andere! Der Eine weiß, daß er gerade Schwaflerei liest (daß man die erkennt, ist klar, will ich auch gar nicht bestreiten) und genießt es - der Andere liest "Schwaflerei" nicht allzulang und legt das Buch weg.
Wer bestimmt, was gut und was schlecht ist, wenn nicht jeder für sich selbst?

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Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 6. November 2002, 21:08

Ich denke eher, Anakin wollte mit seinen Musikbeispielen klarstellen, daß er seiner Meinung nach ein anspruchvolles Werk erkennen kann, und dies nicht an seinem Geschmack festmacht. Nach seiner Argumentation kann ich es auch sehr gut nachvollziehen, denn ich rechtfertige mich ähnlich, was KUNST und GESCHMACK betrifft. :P
Jetzt bleibt eine Sache offen: Ihr meint beide dasselbe auf eine gewisse Art und Weise, dennoch beurteilt Ihr Shelleys Werk unterschiedlich. Wollen wir uns nicht auf Geschmackssache einigen? :mrgreen:
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Beitragvon stephy » Mittwoch 6. November 2002, 21:37

Musik kann man meiner Meinung nach leichter in "anspruchslos" und "anspruchsvoll" eingliedern, weil es gewisse Riffe und Techniken gibt, die man entweder spielen kann oder nicht. Wer am Meisten beherrscht, ist der bessere Gitarrenspieler. Aber er ist nicht gleich der leidenschaftlichere und gefühlvollere... ;)

Ich plädiere ebenfalls auf Geschmacksache. Red' ja schon die ganze Zeit davon. Letzten Endes ist es wirklich Geschmacksache, ob ich etwas mag oder nicht. Anspruchsvolle und nicht-anspruchsvolle Sachen sind genauso Geschmacksache wie alles andere im Leben auch... :wink:

Gruß,
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Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 27. November 2002, 13:58

Mir ist noch etwas zum Thema "Mary Shelleys Schreibstil" eingefallen: Habt Ihr alle das Buch auf Deutsch gelesen? Und wenn ja, von welchem Übersetzer? Sind es verschiedene, könnte das ein Grund der verschiedenen Beurteilungen dazu sein.
Ich habe z. B. mindestens 4 Übersetzungen von Tennysons "Lady of Shalott" gelesen, und es gab erhebliche Unterschiede...am schlimmsten fand ich eine aus dem Jahre 1890, die von allen am weitesten vom Original abwich.

Zum Vergleich:
(Original)
She left the web, she left the loom,
She made three paces thro' the room,
She saw the water-lily bloom,
She saw the helmet and the plume,
She look'd down to Camelot,
Out flew the web and floated wide;
The mirror crack'd from side to side;
'The curse is come upon me!' cried
The Lady of Shalott.


(Übersetzung aus dem Internet)
Vergessen waren Tuch und Mühn,
Man sah sie hin zum Fenster gehn,
Sie sah die Wasserlilien blühn,
Seine Feder im Sonnenlicht glühn,
Sie schaute hinab nach Camelot.
Das Tuch flog weit aus dem Gemach,
Ihr gelber Spiegel klirrend brach,
Der Fluch, er ist gekommen, sprach
Die Lady von Shalott.


(Übersetzung aus einem Kunstbuch)
Sie stand vom Webstuhl auf - aschfahl,
Sie trat drei Schritte durch den Saal,
Sie sah die Wasserlilie blühn,
Silbern sah sie den Helm erglühn,
Sie sah hinab auf Camelot,
Der Webstuhl flog hinaus gar weit,
Der Spiegel barst von Seit' zu Seit',
'Der Fluch, er trifft auch mich nun,' schreit
Die Lady of Shalott.


Soviel dazu. :mrgreen:
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