Lovecraft

Zum Gruseln

Moderator: Esprit

Beitragvon Geschrammel » Mittwoch 13. August 2008, 11:56

Lovecraft war und ist genial. Seine Geschichten sind total ausgefeilt durchkonstruiert, sie wirken jedenfalls keineswegs als habe er einfach darauf losgeschrieben.
Gelegentlich kommt im Internet auch die Frage auf, ob Lovecraft zur Literatur zu zählen wäre. Diese Frage lässt sich mit einem gesunden Menschenverstand nur mit "JA NATÜRLICH" beantworten, und dazu muss man kein E.T.A Hoffmann oder Poe sein, da Lovecraft seine Geschichten eben sehr auf die Wirkung hin ausgelegt hat. Für mich ist er DER bedeutenste Schriftsteller des 20 Jhd. .

Anfangs hatte ich einen Vergleich mit Stephen King gelesen. Dieser ist meiner Meinung nach so nicht durchführbar, da beide Schriftsteller doch in einer etwas anderen Liga schreiben/geschrieben haben. Das wäre, als wenn ich Goethe mit Richard Laymon vergleichen wollen würde. Keine Frage King ist gut, aber Lovecraft ist genial und vielleicht schon von daher weniger massentauglich.

Lese übrigends gerade "Schatten aus der Zeit".
Geschrammel
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 17
Registriert: Dienstag 3. April 2007, 11:28

Lovecraft war ein Alien ...

Beitragvon Alexander Boehm » Montag 29. November 2010, 23:54

...absonderlich, verkannt, exzentrisch, isoliert. Er lebte in seinen Welten und starb arm und ruhmlos.

Der Vergleich mit Stephen King ist nicht in literarischer Hinsicht zu suchen, denn die beiden unterscheiden sich voneinander wie Edgar Allen Poe und Clive Barker. Ihr jeweiliger Einfluss auf die phantastische Literatur ihrer Epoche jedoch, lässt sich sehr wohl gegenüberstellen bzw vergleichen: beide prägten zu ihrer Zeit sehr viele Autoren, ermutigten sie vielleicht sogar mit dem Schreiben zu beginnen.

Wo King in die Vollen geht, entwirft Lovecraft seine Geschichten oftmals mit geplanter, architektonischer Genauigkeit. Lovecrafts größte Errungenschaft bzw Schöpfung, waren seine Monster, die einen starken Kontrast boten zu den Schauergespenstern der damaligen Zeit, die oft durch irgendeinen Akt der Rache ihren Mörder bestrafen konnten oder sich Gehör verschafften.

Für Lovecraft war die Welt ein Grab, das Universum eine Schlangengrube voll unsäglicher, unbekannter und vernichtender Grauen, die, sich vorzustellen, einen Menschen in den Wahnsinn treiben können. Sein Schreibstil, der erstmals Horror mit der Science Fiction vermischte und der "Angst vor dem Unbekannten" ein neues Gesicht verlieh, bedeutete einen Wendepunkt für die phantastische Literatur, die isch bis Dato meist an traditionelle, bekannte Schemata hielt.

Er schrieb einige sehr interessante Essays, in denen er seine Art, an eine Kurzgeschichte heranzugehen, genau beschrieb, als würde er Kochrezepte weiterempfehlen, wie zum Beispiel "Anmerkungen zum Schreiben unheimlicher Erzählungen" oder "Einige Anmerkungen zu interplanetarischen Erzählungen".

Möchte man jetzt verstehen, in welchem literarischen Kontext Lovecraft verstanden werden kann, ist es hilfreich, sich "durch die Epochen zu lesen", um die Tragweite seiner revolutionären Literatur erahnen zu können. Man könnte beispielsweise folgende Geschichten nacheinander lesen und jede für sich wirken lassen.

"Metzengerstein" von "Edgar Allen Poe" (1832)
"Das Gespenst von Canterville" von "Oskar Wilde" (1887)
"Träume im Hexenhaus" in "Das Ding auf der Schwelle" von Howard Philips Lovecraft" (1927)
"Spätschicht" in "Nachtschicht" von "Stephen King" (1978)
"Rohkopf Rex" in "Das 3. Buch des Blutes" von "Clive Barker" (1984)
"Der große Liebhaber" in "Lovedeath" von "Dan Simmons" (1993)

Klaro, da gibt es noch Unmengen an Autoren "dazwischen", ich finde jedoch, dass die Entwicklung des Horrors und der Phantastik in der Literatur durch die genannte Auswahl sehr deutlich wird. Dafür spricht auch, dass die jeweiligen Autoren voneinander sagten, den jeweils vorherigen als "Vorbild" und "Inspiration" empfunden zu haben.

Ansonsten gilt für Lovecraft: LESEN! Immer wieder:-))
Alexander Boehm
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 2
Registriert: Donnerstag 25. November 2010, 09:21
Wohnort: Marburg Lahn

King´s Hommage an Lovecraft

Beitragvon Alexander Boehm » Dienstag 30. November 2010, 02:56

@forsakingmax schrieb: Wo kommt das denn bitte vor?

"Briefe aus Jerusalem" orientiert sich in Stil, Sprache und Thematik bewusst an Lovecrafts Erzählungen. Diese Geschichte ist auch ziemlich einzigartig für King, der meist sofort im Geschehen ist mit dem Plot seiner Geschichten und - bis auf Ausnahmen - auch keine Tagebucheinträge als Erzählung verwendet, so wie es schon Bram Stoker getan hat bei "Dracula".
Alexander Boehm
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 2
Registriert: Donnerstag 25. November 2010, 09:21
Wohnort: Marburg Lahn

Re: Lovecraft

Beitragvon bigben » Samstag 20. Dezember 2014, 19:53

Hi, ich habe demnächst vor , mich mit Lovecraft zu beschäftigen.
Welches Buch von ihm ist ein absolutes Muss (bzw.das "beste"(für den Anfang))?
Gibt es eine art Reihenfolge, die man einhalten sollte?
Lg
bigben
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 22
Registriert: Montag 11. August 2014, 12:00

Vorherige

Zurück zu Horror

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron