Der Trotzkopf

Für die Junggebliebenen

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Der Trotzkopf

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Samstag 20. November 2004, 13:35

Bestimmt kennt jeder das Buch vom Hörensagen oder zumindest die gleichnamige Fernsehserie. Gelesen habe ich das Buch schonmal, aber jetzt erst habe ich mir endlich den Sammelband zugelegt.

Die Geschichte ist ein Klassiker unter den Mädchenromanen. Er spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Es geht um die zu Beginn des Buches 16-jährige Ilse Macket, die von ihren Eltern auf ein Internat geschickt wird. Dort sollen dem widerspenstigen Mädchen Anstand und Manieren beigebracht werden. Anfangs findet Ilse dort alles schrecklich und bemüht sich, für so viel Ärger wie möglich zu sorgen. Wider Erwarten beginnt sie sich aber mit der Zeit dort einzuleben und Freundschaften zu schließen ...
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Beitragvon Gwenhwyfar » Montag 22. November 2004, 06:19

Mehrmals gelesen in meiner "Jungmädchenzeit". :mrgreen:
Ich habe von meiner Tante alle ihre alten Bände; sehr interessant ist, daß es zwei verschiedene End-Bände gibt. Muß mal am nachschauen, wie alle hießen. Auf jeden Fall habe ich fünf Bände und ein Schlußband befindet sich darunter, der in den 20ern spielt und ziemlich seltsame Entwicklungen bekannter Figuren zeigt. Und auch Stellen, die ich "komisch" fand. Zum Beispiel sitzt eine Enkelin von Ilse im Café, hat kurze Haare und die Rede ist von einem Bartflaum. :eek13: Die Autorin beschreibt, wie alle Damen sich nach dem "jungen Herren" umsehen, bis festgestellt wird, daß "dieser" Seidenstrümpfe trägt. Darauf zieht die als Dame erkannte Person die Blicke der Herren auf sich. Sehr...eigenwillig...
Von der Reihe gefallen mir eigentlich nur die ersten beiden Bände, der Rest ist so lala.
Auch die Verfilmung sprach mich nicht an, Anja Schüte war mir zu trampelig. :P
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Montag 22. November 2004, 10:11

Wenn ich mich nicht irre, stammen fast alle Bände auch von unterschiedlichen Autorinnen. Den Anfang machte Emmy von Rhoden, danach kam glaube ich ihre Tochter und dann noch ein oder zwei andere. Das macht es noch schwieriger, es als eine zusammenhängende Reihe zu betrachten.

Ich mochte die Verfilmung, auch wenn Anja Schüte in ihrer Rolle als trampeliger Trotzkopf tatsächlich reichlich penetrant ist.

Etwas irritiert war ich auch von der Nellie-Darstellerin. Im Buch erschien sie mir wie ein engelsgleiches Wesen, im Film sieht sie mehr wie ne Magd vom Lande aus. *g*

Von Anfang an überschattet war für mich die Rolle der Lehrerin Fräulein Güssow alias Helga Anders, die bereits mit 38 Jahren nach lebenslangen Depressionen durch Selbstmord/zumindest durch Alkohol und Tabletten verstarb. Meine Mutter hatte mir das bereits als Kind erzählt und ich hatte immer Angst, das Fräulein Güssow würde sich jetzt auch umbringen. Ganz komisch war das.
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Beitragvon Gwenhwyfar » Dienstag 23. November 2004, 11:35

Am bedauerlichsten finde ich jedoch, daß in der Verfilmung nur - in meinen Augen - unattraktive männliche Darsteller mitwirken. Allein Leo und Dr Althoff (?). *schüttel*
Ich kann eigentlich auch gar nicht sagen, warum ich die Bücher so oft las, immerhin ist die Aussage sehr bedenklich, besonders in den ersten beiden Büchern. :P
Ein junges Mädchen, welches nach der Meinung seiner Eltern und der restlichen Umgebung zu "wild" sei und eine eigene Meinung hat (:aehm), wird ins Internat gesteckt, dort zurechtgebogen und gleich danach verkuppelt. Dem Ehemann hat es ebenfalls zu ehren. Kaiserliches Ideal einer gutbürgerlichen Ehefrau. Da bevorzuge ich doch eher Doktors Nesthäkchen, welches immerhin studieren geht. :P

Übrigens, die einzelnen Bände:
Der Trotzkopf 1885 - Emmy von Rhoden
Trotzkopfs Brautzeit ? - Else Wildhagen (wie Ginny schon anmerkte; die Tochter von E.v.Rhoden)
Aus Trotzkopfs Ehe 1895 - Else Wildhagen
Trotzkopf als Großmutter 1905 - Suze LaChapelle Roobol
Trotzkopfs Nachkommen 1930/31 - Else Wildhagen

So habe ich die Reihe, vobei Band vier und fünf nicht zusammenpassen.

Im Internat fand ich eben aber noch mehr. :eek13:
Frau Ilse 1895 - wohl von Else Wildhagen
Trotzkopfs Erlebnisse im Weltkriege 1916 - Marie von Felseneck
Trotzkopf heiratet 1919 - Marie von Felseneck
Ilses Brautzeit ? - Gerda Muth

Puh, was für ein Durcheinander. :mrgreen:
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Dienstag 23. November 2004, 12:22

Jaaa, man merkt, dass noch andere Sitten herrschten zu der Zeit, als das Buch geschrieben wurde.
Von Ilses Mann war ich auch schon als Kind enttäuscht in der Verfilmung ... blond und mit Schnurrbart, wenn ich mich nicht irre. *g*

Frau Ilse
*lach* Der Titel klingt so doof. :mrgreen:
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Beitragvon Gwenhwyfar » Dienstag 23. November 2004, 13:06

Klingt nach Putze. :P
Aber daß ich Internat statt Internet schrieb...*hüstel*

Ganz besonders traurig war für mich immer die Geschichte von Lilly, der Tochter der Burgtheater-Schauspielerin. :frown: Und ebenfalls ein negatives Beispiel für eine unabhängige Frau. Na ja.
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Beitragvon susa » Freitag 4. März 2005, 19:36

Puh, das weckt Kindheitserinnerungen- allerdings furchtbar verschwommene. Ich weiß das ich das Buch als kleines Mädel mehrmals gelesen hab (war neben "Anna die kleine Balletratte" eines meiner Lieblingsbücher :mrgreen:) aber erschlag mich, ich kann mich an fast nichts mehr erinnere. Den FIlm glaube ich auch gesehen zu haben, schlimm ist das mit meinem Gedächtnis, wirklich.

Aber wenigstens bin ich mir sicher nur Teil 1- 3 zu kennen. GLaub ich. :mrgreen:
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Beitragvon Liliana » Sonntag 6. März 2005, 15:47

ui, das habsch mit 8 oder 9 mal gelesen... ich weiß nur, dass ich die bände 1&2 ausm sammelband mochte, die waren recht gut... aber danach das als großmutter mochte ich gar nicht, ich glaub ich fand sie einfach mies geschrieben... aber wie kommt das, dass ein solches buch von verschiedenen autoren reproduziert wird? *wunder* könnt eich gar nich, ich hätte immer das gefühl, dem Original etwas zu stehlen...
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Beitragvon Gwenhwyfar » Samstag 28. Mai 2005, 22:02

Als man ums Jahr 1970 - für eine Fernsehdokumentation zum Thema "Trotzkopf" - einen ehemaligen Zögling jenes Pensionates Möder in Eisenach, das Emmy von Rhodens Backfischgeschichte die Kulisse geliefert hat, vor die Kamera holte und über ihre Jungmädchenzeit räsonieren ließ, vergaß die Dame nicht zu erwähnen, daß am Ort der Handlung die Lektüre der Trotzkopf-Romane streng verboten war. Sooft für eine der Insassinnen ein Geschenkpaket eintraf, mußte dieses vor den Augen der diensthabenden Erzieherin aufgeschnürt und sein Inhalt vorgezeigt werden. Befand sich unter den Näschereien auch ein Exemplar des gewissen Buches, so wurde es kurzerhand beschlagnahmt, unter Verschluß genommen und der Adressatin erst am Tag ihrer Abreise wieder ausgehändigt. Daß bei diesem Konfiskationsverfahren die aus England stammende Miss Wood mehr als andere hervortrat, ist leicht erklärt: Sie kommt in Emmy von Rhodens Roman, zwar in "Miss Lead" umgetauft, aber für jeden Eingeweihten dennoch auf den ersten Blick erkennbar, besonders schlecht weg. [...]

Wie ist die Figur dieser preußischen Gutsbesitzerstochter Ilse Macket, die von ihren Eltern zwecks Disziplinierung ins Pensionat gesteckt wird, entstanden?
Emilie Friedrich geb. Kühne, Tochter eines Leipziger Bankiers, ist mit dem Schriftsteller Dr. Hermann Friedrich-Friedrich verheiratet. Von den drei Mädchenbüchern, die die zweifache Mutter unter dem Pseudonym Emmy von Rhoden in den achtziger Jahren herausbringt, schlägt eines sensationell ein. Es ist ihr letztes, und es erscheint (da die Autorin nur 53 Jahre alt wird) erst postum: "Der Trotzkopf"

Das Kühne an dem Unternehmen: Es ist eine zwar romanhaft verbrämte, aber in den Grundzügen und den Hauptfiguren durchaus realistische Aufarbeitung der Internatszeit ihrer eigenen Tochter Else.

Wie dicht Emmy von Rhoden an der Wirklichkeit bleibt, zeigt schon das Personenregister: Eine bloße Vokalverschiebung muß als Verfremdung ausreichen, aus Else wird Ilse (und aus Ilse einer der Modenamen der Zeit), aus deren engster Freundin Nellie Gladstone (aus der Familie des englischen Premierministers William Gladstone) das Waisenkind Nellie Grey. Nur bei der Benennung des Lehrkörpers wendet die Autorin ein wenig mehr Phantasie auf: Fräulein Möder, die dem betreffenden Institut vorsteht, kehrt im Buch als Fräulein Raimar wieder, die nette Junglehrerin Emma Schwartz als Lotte Güssow, die weniger nette Erzieherin Miss Wood als Miss Lead. Und natürlich verschleiert die Autorin den Schauplatz des Geschehens: Daß das "Städtchen W." in Wirklichkeit Eisenach ist, spricht sich nur an Ort und Stelle herum. In den älteren Adreßbüchern der thüringischen Kreisstadt findet man das "Pensionat Möder" auf einen Griff: Marienstraße 13. Es handelt sich um ein auf einer Anhöhe gelegenes Villenviertel am Stadtrand - ein paar Schritte bergab, und man steht am Ufer des Prinzenteichs mit dem Blick zur Wartburg. Sogar das Gebäude als solches existiert noch - heute ein normales Wohnhaus.


Buchtipp: Die kleinen Helden - Kinderbuchfiguren und ihre Vorbilder von Dietmar Grieser

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Vorwort aus Trotzkopfs Nachkommen:

An meine jungen Leserinnen!
Obschon nun bejahrt, hat der "Trotzkopf" seine Anziehungskraft auf die Backfische (es gibt bis jetzt keinen modernen Ersatz für dieses Wort) noch nicht verloren, denn alljährlich wird er wieder in vielen Bänden nach alle Himmelsrichtungen hin verschickt. Zwar steigen manchmal Zweifel in mir auf, ob es seine lebensvoll blutwarmen Gestalten sind, die noch immer die gleiche Wirkung ausüben, oder ob die heutige Jugend in dem Buche etwa nur das "anno dazumal mit den harmlosen Streichen ihrer unkomplizierten Großmütter", fesselt?! Ja, liebe Leserinnen, zur Zeit eurer Großmütter war es, als der "Trotzkopf" das Licht der Welt erblickte. Und es muss ein guter Stern über der Stunde seines Erscheinens gestanden haben, denn das Glück hat ihn bis jetzt nicht verlassen. Er darf sich stolz mit in die Reihe der meißtgelesenen Bücher stellen - er ist in zehn fremde Sprachen übersetzt worden, und für andere Verfasserinnen wurde er förmlich zu einem Magnet. Es galt immer acht zu geben, dass seine Rechte nicht geschmälert wurden, und einmal sogar hat Göttin Justitia sie bis zur höchsten Instanz in Schutz nehmen müssen. Bekanntlich haben auch Bücher ihre Schicksale...
Unmittelbar nach dem Erscheinen des "Trotzkopf" starb seine Verfasserin - meine Mutter - und da sehr bald stümisch nach einer Fortsetzung verlangt wurde, wandte sich der Verleger an mich. Sehr jung, sehr zögernd schrieb ich den II. Band "Trotzkopfs Brautzeit" und dann noch, weiteren Wünschen aus dem Kreise der Leserinnen nachgebend, den III. Band "Trotzkopfs Ehe". Dem Verlangen nach einer dritten Fortsetzung widerstand ich jedoch in dem Gefühl, dass nun erst mal eine längere Pause eintreten müsse. - Diese "Pause" benützte sehr schnell eine Holländerin, bemächtigte sich der Personen des "Trotzkopf", schuf neue dazu, und ins Deutsche übersetzt, erschien ein Buch von ihr, das sich "Trotzkopf als Großmutter" nennt. Es war sicherlich ganz reizvoll, zu erfahren, wie eine Ausländerin die Schicksale der von einer deutschen Verfasserin erschaffenen Gestalten weiterspann, aber sie hat den "Trotzkopf" vor der Zeit zur Großmutter gemacht, denn erst jetzt hat er diese Würde erreicht.
Zu einem schweren, inhaltsreichen Wort ist dieses "Jetzt" geworden, da eine Umwertung alles Herkömmlichen die völlig neue Einstellung aller Mitlebenden verlangt. Und wenn auch früher schon, wie zu allen Zeiten, zwischen "jung" und "alt" ein Spalt bestand, so hat sich dieser heutzutage zu einer Kluft erweitert, und der durch den gleichmäßgen Schritt langer Jahre dauerhaft festgestampfte Boden ist durch furchtbare Weltgeschehnisse aufgewühlt worden.
Wie nun der alte Trotzkopf sich eine Brücke über diese Kluft schlägt und versucht, auf dem wankenden Grunde Fuß zu fassen, um mit seinen Nachkommen - dem neuen Geschlecht - weiterleben zu können, das hat meine Feder gelockt, Euch, meine lieben Leserinnen, noch zu erzählen.
Dieser neue Band wird nun wohl Trotzkopfs Schwanengesang sein, doch - wer weiß?!
ELSE WILDHAGEN
LEIPZIG, Herbst 1930
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