American Psycho (Bret Easton Ellis)

Da kommt Spannung auf

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American Psycho (Bret Easton Ellis)

Beitragvon Arterial » Mittwoch 2. April 2003, 12:27

Hallo zusammen! :bekloppt:

Ich habe vor einiger Zeit das Buch "American Psycho" gelesen. Habe mich beim Bücherkauf hauptsächlich auf das Feedback anderer Leser verlassen, die von diesem Buch hellauf begeistert waren. Ich las es auch bis zum Ende, und das Prinzip der Geschichte ist keineswegs schlecht. Was mich am Buch allerdings gestört hat war, dass es sich irgendwie gelesen hat wie eine Gebrauchsanleitung für ein Haushaltsgerät. Alles war trocken und irgendwie ausdrucks- und farblos in einer "Linie" geschrieben, und lediglich die "Abschlacht-Szenarien" waren EXTREM detailliert geschildert. Was sich allerdings zwischen diesen Szenen abspielte, wirkte irgendwie steril - teils unverständlich und irgendwie (falls ich mir anmaßen darf das zu sagen:) lieblos geschrieben. Ich hatte oft den Eindruck, als hätte Ellis beim Schreiben dieses Buches immer nur "irgendwas" geschrieben, um gefüllten Raum zwischen den einzelnen Morden im Buch zu haben. Fast wirkte es so, als hätte ihm das schreiben des restlichen Buches (mit Ausnahme der Mord-Szenen) nicht viel bedeutet oder keinen Spass gemacht.

Gut, mag sein, das Buch hat sicher einige schockierende und provokante Szenen drin, aber eine gute Geschichte lebt nunmal nicht einzig und alleine von bestialischen Morden. Es muss eine gewisse Stimmung vermittelt werden, und das ist meiner Meinung nach bei American Psycho nicht der Fall. Mit Ausnahme der tatsächlichen "Psycho-Szenen" (die brutalen also), kam irgendwie keine Stimmung auf. Es las sich teilweise wie ein 2-Seiten Aufsatz eines viertklässlers. Umgebungen, Personen und Gefühle wurden nur dann beschrieben, wenn dabei gerade irgendjemand abgeschlachtet wurde. War dies nicht der Fall, las sich das ganze irgendwie taub und farblos.

Wenn ich mich mit Leuten über das Buch unterhalten habe, und diese Kritikpunkte einbrachte, dann kamen immer die selben Argumente retour:

"Ja schon, aber das Buch ist schockierend"
"Ja schon, aber das Buch provoziert"

Schock und Provokation..sicher zwei Aspekte, die in derartigen Büchern nicht fehl am Platz sind, und die American Psycho auch besitzt, aber nur wegen Schock und Provokation, sehe ich nicht über einen total schwachen und emotionslosen Schreibstil hinweg...

Wenn eine Geschichte SEITENLANG so heruntergerattert wie folgendermassen verläuft (Was bei American Psycho der Fall ist), dann zweifle ich daran, dass der Author an was anderem als an dem Beschreiben der Mordszenen interesse hatte:

"Ich lief die Straße entlang, ging in den Supermarkt, stahl eine Dose schinken, lief weiter die Straße entlang, ging in die Halle eines Hotels, stellte mich in ein Eck, stopfte mir den Schinken in den Mund, ging hinaus, kotzte den Schinken auf ein Les Miserables Plakat, ging weiter, zog einen Passanten an mich heran, rülpse ihm ins Gesicht, lief die Straße weiter entlang..."

(ist kein Wörtliches Zitat, aber die Szene an sich gibt es im Buch wirklich, und sie wird auch ähnlich (lächerlich) rasant und undetailliert beschrieben)

Mordszenen widerrum werden in einer noch nie dagewesenen Detailliertheit beschrieben. Da opfert der Author dann plötzlich gerne eine halbe Seite der detaillierten farbenfrohen Beschreibung von zerfetzten Gesichtern oder herausquellenden Eingeweiden.

Ich will hier natürlich nicht den Moralapostel markieren, oder eine Anti-Gewalt Diskussion anfangen, zumal ich ziemlich viele Bücher "härteren Kalibers" gelesen habe und lesen, aber mir geht es einfach darum, dass American Psycho ein BESTSELLER wurde, und ich offen gesagt keine Ahnung habe warum. Ich fand auch nichts von der so hoch angepriesenen Gesellschaftssatire oder Kritik in diesem Buch:

ein reicher Yuppie arbeitet an der Wallstreet - umgeben von teuren Marken, vornehmen Restaurants und teuren Zigarren, und in seiner "Freizeit" bringt er Leute um. Was hat da bitte das eine mit dem anderen zu tun? Gut, das Augenmerk lag auf der Lebensleere, die er durch sadistische Morde ausfüllt, aber in der Geschichte wurde diese Lebensleere lediglich in einem Satz erwähnt, und zweitens kommt weder ein Grund für diese Lebensleere zum Vorschein, noch irgendein Bezug vom einen zum anderen (Snob-Leben / Massenmörder).

Wer kann meine Ansicht teilen? Ich verstehe den großen Erfolg von American Psycho im Grunde garnicht. Alles was ich herauslesen konnte war, dass American Psycho ein halbherzig geschriebenes Buch war, dessen "Kultstatus" anscheinend lediglich von ein paar bestialischen Mordbeschreibungen lebt. Wie seht ihr das?
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Beitragvon stephy » Mittwoch 2. April 2003, 12:46

Du mußt allerdings auch beachten, daß dieser sachliche Gebrauchsanweisung-Schreibstil von Ellis bewußt eingesetzt worden ist. Das heißt; es ist mit Absicht so nüchtern und sachlich und lieblos geschrieben. Er wollte damit den Mörder hervorheben; er wollte damit seinen Charakterzug (eben diese Oberflächlichkeit und das Verschanzen in Nebensächlichkeiten, wie z.B. irgendwelche Cremesorten oder so) verdeutlichen und hervorholen.
Der Schreibstil ist daher meiner Meinung nach nichts weiter als pure Absicht.

Aber ich mag das Buch auch nicht. Hatte beim Lesen immer das Gefühl, Ellis hätte den Roman wirklich nur deshalb geschrieben, um zu schocken. Und das ließ mich irgendwie gähnen... :roll: Außerdem wurde es zum Schluß sehr unrealistisch (man denke dabei mal an die Ratte...)... :bad:
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Beitragvon Esprit » Mittwoch 2. April 2003, 13:39

...auch eins der Bücher,welches ich nach ein paar Seiten weggelegt habe,wahrscheinliuch aber,weil ich den Film vorher gesehn habe und der mir auch nicht gefiel.... :bfriend:
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Beitragvon susa » Mittwoch 2. April 2003, 14:22

Also ICH mag das Buch, wie ich bereits öfter mal betont hab :mrgreen:

Gerade die nüchterne Schreibweise und die Distanz, dieses Kühle macht den Reiz des Buches aus...
Wie seh ich aus?
Was trage ich?
Wie sehen meine Visitenkarten aus(besonders kurios :roll: )?
Wie wirke ich?
Mit wem umgebe ich mich?
Wofür werde ich gehalten?

Diese Oberflächlichkeit, komplettes Desinteresse an den Mitmenschen..ich find das Buch genial :love:
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Beitragvon Esprit » Mittwoch 2. April 2003, 15:34

Irgendwann fang ichs nochmal an,es läuft mir ja nicht mehr weg...
Ist wahrscheinlich so ähnlich wie "Der Minus-Mann",das war vielleicht pervers hoch 3, :eek: ich glaub da ist "American-Psycho " eh das reinste Kinderbuch dagegen.... :mrgreen:
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Beitragvon susa » Mittwoch 2. April 2003, 15:43

Esprit hat geschrieben:"Der Minus-Mann",das war vielleicht pervers hoch 3, :eek:


Dann sollt ich mir das wohl auch mal anschauen :wink:

Also ich kann dir nur raten "American Psycho" nochmal zur Hand zu nehmen..das ists definitiv wert :daumenhoch:
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Beitragvon Esprit » Mittwoch 2. April 2003, 15:46

okai,wenn ich mit bukowski fertig bin,dafür liest du dann den Minus-Mann,das ist nämlich wirklich ander :kotz: -Grenze.... :daumenhoch:
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Beitragvon stephy » Mittwoch 2. April 2003, 19:54

Na ja, ob es das Buch wirklich wert ist... Da scheiden sich die Meinungen... :mrgreen:
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Beitragvon susa » Donnerstag 3. April 2003, 15:02

Esprit hat geschrieben:okai,wenn ich mit bukowski fertig bin,dafür liest du dann den Minus-Mann,das ist nämlich wirklich ander :kotz: -Grenze.... :daumenhoch:


Abgemacht :mrgreen:
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Samstag 5. April 2003, 12:56

Ich fand den Film ziemlich gut. Schön satirisch gemacht.
Die langweiligen Passagen des Buches wurden weggelassen und das tat ihm gut.
in reicher Yuppie arbeitet an der Wallstreet - umgeben von teuren Marken, vornehmen Restaurants und teuren Zigarren, und in seiner "Freizeit" bringt er Leute um. Was hat da bitte das eine mit dem anderen zu tun? Gut, das Augenmerk lag auf der Lebensleere, die er durch sadistische Morde ausfüllt, aber in der Geschichte wurde diese Lebensleere lediglich in einem Satz erwähnt, und zweitens kommt weder ein Grund für diese Lebensleere zum Vorschein, noch irgendein Bezug vom einen zum anderen (Snob-Leben / Massenmörder).

Die Lebensleere wurde absichtlich nicht erwähnt, denke ich. Von wem auch? Vom Ich-Erzähler? Der kann das doch gar nicht objektiv beurteilen.
Vielleicht soll das Buch gerade zeigen dass es manchmal vielleicht keinen Sinn gibt - jemand tut etwas und das Erschreckende ist, dass man nciht erklären kann warum.
Das war doch auch die Aussage der Scream-Filme - Morde an sich sind schon schlimm, aber wenn man wenigstens weiß warum sie begangen wurden hat man ein Motiv und kann es verhindern. Wenn man nicht weiß warum, wenn es keinen triftigen Grund gibt, kann man nichts dagegen tun. Man ist hilflos.
Bateman ist ein anonymer Mensch in einer anonymen Welt der eigentlich glücklich sein könnte, weil er sowohl Geld als auch Erfolg, Ansehen und gutes Aussehen besitzt. Aber es macht ihn nicht glücklich, es hält ihn noch nichtmal davon ab zu morden. Das ist doch Gesellschaftskritik pur! Offenbar ist für Bateman die Gesellschaft so verkorkst, dass er sich mit Morden die Zeit vertreiben muss ...
Und das ganze ist eben satirisch extrem überhöht.
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Beitragvon Esprit » Dienstag 22. April 2003, 19:36

Susa hat geschrieben:Also ICH mag das Buch, wie ich bereits öfter mal betont hab :mrgreen:

Gerade die nüchterne Schreibweise und die Distanz, dieses Kühle macht den Reiz des Buches aus...
Wie seh ich aus?
Was trage ich?
Wie sehen meine Visitenkarten aus(besonders kurios :roll: )?
Wie wirke ich?
Mit wem umgebe ich mich?
Wofür werde ich gehalten?

Diese Oberflächlichkeit, komplettes Desinteresse an den Mitmenschen..ich find das Buch genial :love:


Bin jetzt grad an der Stelle ------------SPOILER-------------------
als Batemann den Penner grundlos niedermetzelt...Ich les das Buch nur
interessehalber,aber ich les es echt nicht gerne,für mich ist das total krank und sinnlos,ich werds zu Ende lesen,damit ichs dann echt in die letzte Ecke des Regals stellen kann (ich mags nicht,wenn ich ungelesene Bücher wegpacke)...Es liegt nicht mal an der Schreibweise,da ist ,wie gesagt ,Minus-mann viel heftiger,(trotzdem war bei Minus-Mann wenigstens noch Handlung dabei)ich finds auch einfach totlangweilig,bin froh,wenn ichs durch hab...... :sleep:
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Re: American Psycho

Beitragvon Esprit » Mittwoch 23. April 2003, 16:41

Arterial hat geschrieben:Hallo zusammen! :bekloppt:

Ich habe vor einiger Zeit das Buch "American Psycho" gelesen. Habe mich beim Bücherkauf hauptsächlich auf das Feedback anderer Leser verlassen, die von diesem Buch hellauf begeistert waren. Ich las es auch bis zum Ende, und das Prinzip der Geschichte ist keineswegs schlecht. Was mich am Buch allerdings gestört hat war, dass es sich irgendwie gelesen hat wie eine Gebrauchsanleitung für ein Haushaltsgerät. Alles war trocken und irgendwie ausdrucks- und farblos in einer "Linie" geschrieben, und lediglich die "Abschlacht-Szenarien" waren EXTREM detailliert geschildert. Was sich allerdings zwischen diesen Szenen abspielte, wirkte irgendwie steril - teils unverständlich und irgendwie (falls ich mir anmaßen darf das zu sagen:) lieblos geschrieben. Ich hatte oft den Eindruck, als hätte Ellis beim Schreiben dieses Buches immer nur "irgendwas" geschrieben, um gefüllten Raum zwischen den einzelnen Morden im Buch zu haben. Fast wirkte es so, als hätte ihm das schreiben des restlichen Buches (mit Ausnahme der Mord-Szenen) nicht viel bedeutet oder keinen Spass gemacht.

Gut, mag sein, das Buch hat sicher einige schockierende und provokante Szenen drin, aber eine gute Geschichte lebt nunmal nicht einzig und alleine von bestialischen Morden. Es muss eine gewisse Stimmung vermittelt werden, und das ist meiner Meinung nach bei American Psycho nicht der Fall. Mit Ausnahme der tatsächlichen "Psycho-Szenen" (die brutalen also), kam irgendwie keine Stimmung auf. Es las sich teilweise wie ein 2-Seiten Aufsatz eines viertklässlers. Umgebungen, Personen und Gefühle wurden nur dann beschrieben, wenn dabei gerade irgendjemand abgeschlachtet wurde. War dies nicht der Fall, las sich das ganze irgendwie taub und farblos.

Wenn ich mich mit Leuten über das Buch unterhalten habe, und diese Kritikpunkte einbrachte, dann kamen immer die selben Argumente retour:

"Ja schon, aber das Buch ist schockierend"
"Ja schon, aber das Buch provoziert"

Schock und Provokation..sicher zwei Aspekte, die in derartigen Büchern nicht fehl am Platz sind, und die American Psycho auch besitzt, aber nur wegen Schock und Provokation, sehe ich nicht über einen total schwachen und emotionslosen Schreibstil hinweg...

Wenn eine Geschichte SEITENLANG so heruntergerattert wie folgendermassen verläuft (Was bei American Psycho der Fall ist), dann zweifle ich daran, dass der Author an was anderem als an dem Beschreiben der Mordszenen interesse hatte:

"Ich lief die Straße entlang, ging in den Supermarkt, stahl eine Dose schinken, lief weiter die Straße entlang, ging in die Halle eines Hotels, stellte mich in ein Eck, stopfte mir den Schinken in den Mund, ging hinaus, kotzte den Schinken auf ein Les Miserables Plakat, ging weiter, zog einen Passanten an mich heran, rülpse ihm ins Gesicht, lief die Straße weiter entlang..."

(ist kein Wörtliches Zitat, aber die Szene an sich gibt es im Buch wirklich, und sie wird auch ähnlich (lächerlich) rasant und undetailliert beschrieben)

Mordszenen widerrum werden in einer noch nie dagewesenen Detailliertheit beschrieben. Da opfert der Author dann plötzlich gerne eine halbe Seite der detaillierten farbenfrohen Beschreibung von zerfetzten Gesichtern oder herausquellenden Eingeweiden.

Ich will hier natürlich nicht den Moralapostel markieren, oder eine Anti-Gewalt Diskussion anfangen, zumal ich ziemlich viele Bücher "härteren Kalibers" gelesen habe und lesen, aber mir geht es einfach darum, dass American Psycho ein BESTSELLER wurde, und ich offen gesagt keine Ahnung habe warum. Ich fand auch nichts von der so hoch angepriesenen Gesellschaftssatire oder Kritik in diesem Buch:

ein reicher Yuppie arbeitet an der Wallstreet - umgeben von teuren Marken, vornehmen Restaurants und teuren Zigarren, und in seiner "Freizeit" bringt er Leute um. Was hat da bitte das eine mit dem anderen zu tun? Gut, das Augenmerk lag auf der Lebensleere, die er durch sadistische Morde ausfüllt, aber in der Geschichte wurde diese Lebensleere lediglich in einem Satz erwähnt, und zweitens kommt weder ein Grund für diese Lebensleere zum Vorschein, noch irgendein Bezug vom einen zum anderen (Snob-Leben / Massenmörder).

Wer kann meine Ansicht teilen? Ich verstehe den großen Erfolg von American Psycho im Grunde garnicht. Alles was ich herauslesen konnte war, dass American Psycho ein halbherzig geschriebenes Buch war, dessen "Kultstatus" anscheinend lediglich von ein paar bestialischen Mordbeschreibungen lebt. Wie seht ihr das?


Ich seh das ganz genauso!Boah ist das krank,diese Mordszenen,ich war jetzt echt kurz vorm :kotz: ...kann auch nicht verstehn,wieso das ein Bestseller war :? und ich muss mich korrigieren:Der Minus-Mann ist da doch wesentlich harmloser....
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Beitragvon stephy » Mittwoch 23. April 2003, 17:57

Esprit und American Psycho... Darüber könnte man schon Bücher schreiben! ;)
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Mittwoch 23. April 2003, 18:00

...kann auch nicht verstehn,wieso das ein Bestseller war
Wahrscheinlich einfach, weil so ein Wirbel darum gemacht wurde. Ein Buch in dem Morde sowohl grausam als auch lapidar beschrieben werden sorgt für allgemeines Interesse ...
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Beitragvon stephy » Mittwoch 23. April 2003, 18:03

Da muß ich Ginny zustimmen. Es hat einfach für Furore gesorgt. Mehr ist sehr wahrscheinlich auch nicht dran.
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