Siegfried Lenz

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

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Siegfried Lenz

Beitragvon stephy » Mittwoch 11. Juni 2003, 16:22

Hallöchen!

Ist schon ne Ewigkeit her, seit ich mal wieder einen Thread aufgemacht habe... ;) Und da ich vorhin "Deutschstunde" von Siegfried Lenz ausgelesen hab, dachte ich... das bietet sich doch an... ;)

Aaaallllllsoooooooo... Das Buch ist anfangs sehr zäh und ganz ehrlich; es erfordert Ausdauer und Durchhaltevermögen. Aber es ist gut. Es ist wirklich gut.
In "Deutschstunde" geht es um einen Jungen, der in einer "Irrenanstalt" ist und dort einen Aufsatz zum Thema "Die Freuden der Pflicht" schreiben muß. Allerdings fällt ihm nicht zu wenig sondern zuviel zu diesem Thema ein, weshalb er bei seinem Lehrer ein leeres Blatt abgibt - und prompt zum Direktor bestellt wird. Er bekommt eine Einzelzelle und darf sich ausführlich mit diesem Thema auseinandersetzen, was er auch tut. Er schreibt seine Lebensgeschichte auf, was allmählich zu einer Besessenheit wird. Er schreibt über seinen Vater, der Polizeiposten (in) Rugbüll (irgendwo an der Nordsee muß das liegen) ist und in Zeiten des Dritten Reiches den Auftrag bekommt, ein Malverbot zu überwachen. Dieses Malverbot wird über den Maler Max Ludwig Nansen ausgesprochen, den die Familie schon seit Ewigkeiten kennt und der dem Polizeiposten Rugbüll mal das Leben gerettet hat... Da allerdings der Vater von dem Jungen (der Junge heißt übrigens wie der Autor "Siggi") zu seinen Pflichten steht, entwickelt sich eine Art Konflikt, mit dem der Junge, der beide liebt, erst mal klarkommen muß... Und diese Geschichte, die in der Vergangenheit liegt aber mehr Gegenwart ist, als man vielleicht glauben mag, schreibt "Siggi" auf und prägt sein ganzes Leben.

Sehr gutes Buch. Allerdings ist der Schreibstil wirklich gewöhnungsbedürftig. Ich hatte Anlaufschwierigkeiten, muß ich ehrlich zugeben. Lenz verliert sich gerne in Einzelheiten, er kann alles bis zum Erbrechen beschreiben... Aber nichtsdestotrotz hat das Buch was. Es stimmt sehr nachdenklich.

Griasle,
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Beitragvon Louis » Freitag 13. Juni 2003, 22:41

Wo kann ich das Buch denn kaufen?
Is das so 'ne art Horror? Hört sich ja eher wie 'n Thriller an...Aba Gut!!!
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Freitag 13. Juni 2003, 22:47

Eigentlich ist es eher ein Gesellschaftsdrama, wo es um die Konflikte zwischen Mensch und seiner Umwelt geht ...
Bestellen lässt es sich sicher in jeder Buchhandlung. Ist ein Klassiker, der gerne mal im Deutschunterricht gelesen wird.
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Beitragvon stephy » Freitag 13. Juni 2003, 22:50

Im Deutschunterricht wird das Buch gelesen? Ist es dazu nicht viel zu dick? :?:
Ist wirklich ein Gesellschaftsdrama. Handelt ganz grob gesagt von den "Freuden der Pflicht" und wie das Eine über das Andere hinauswachsen kann... Aber wie gesagt; Lenz ist ein brutaler Schwafler, der verliert sich sehr gerne in Einzelheiten. Ich hätte das Ding fast beiseite gelegt und nicht mehr zur Hand genommen... Bin aber froh, daß ich es dann doch gelesen habe. :)
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Beitragvon Louis » Freitag 13. Juni 2003, 22:51

Gesellschaftsdrama... klar, dass so was in der Schule gelesen wird...
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Beitragvon stephy » Freitag 13. Juni 2003, 22:51

Wieso ist das klar?
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Beitragvon Louis » Freitag 13. Juni 2003, 22:54

*gg*
Ich bin immer noch der Meinung, dass in der Schule King oder Hohlbein gelesen werden sollte...
Auch, wenn die Story interessant klingt, Gesellschaftsdrama? Naja...
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Beitragvon stephy » Freitag 13. Juni 2003, 22:56

Würde Dich sowieso nicht interessieren, handelt nämlich von der Verarbeitung der Hitlerzeit... Und ich finds sehr gut, daß man in der Schule nicht Hohlbein und King liest, sondern "schwierige Literatur". Obwohl ich denke, daß man auch mal zwischendurch einen King oder so lesen könnte, nicht immer "nur schwierige Literatur". Aber unser Grundkurs hat das erst letztens gemacht, weshalb ich mich noch nicht mal in dieser Hinsicht beschwehren könnte... ;)
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Beitragvon Louis » Freitag 13. Juni 2003, 23:05

Hitler... gibt es irgenteine Lektüre aus der Schule die sich nicht um ihn handelt?! *grummel*
Aber ich will nicht vom Thema abweichen...
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Beitragvon stephy » Samstag 14. Juni 2003, 00:09

Ja, die gibt es noch zur Genüge, keine Sorge... ;)
Zum Beispiel die Sachen von Goethe handeln nicht von Hitler. Oder Hölderlin. Oder ganz einfach die Sachen von Poe, Schiller, Mary Shelley... Ach, gibt's doch vieles. Sogar Kafka handelt nicht von Hitler... ;)
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Samstag 14. Juni 2003, 17:42

Ja, eigentlich ist "Deutschstunde" zu lang um in der Schule gelesen zu werden; ich nehme an, es wird dann in Auszügen behandelt.
Obwohl der Grundkurs bei uns auch mal den "Untertan" behandelt hat, auch immerhin um die 500 Seiten ...
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