Russische Literatur

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

Moderator: Gwenhwyfar

Beitragvon stephy » Montag 19. Mai 2003, 20:47

Ich hab nicht gesagt, daß Tolstoi nicht tiefenpsychologisch sein kann, Esprit... ;) Im Gegenteil; er kann es auch sein, aber er wird das nie zum Hauptanliegen seiner Werke machen - wie man es jetzt bei Dostojewski findet. Da findet das Meiste von den Romanen in den Menschen selbst statt. Innenleben wird bei ihm ganz groß geschrieben. Die Handlung wird auf die Psyche selbst verlegt. Bei Tolstoi gibt es mehr äußere Handlung. Natürlich ist er auch hintergründig, hab ich ihm ja nicht abgestritten, aber ich würde sagen, er ist rein vom Schreibstil her mehr der Schriftsteller, da ich Dosis Stil (ist rein persönlich) für ab und zu sehr naiv und kindlich halte... Ein begnadeter Erzähler ist der Gute meiner Meinung nach nicht, dafür ist es umso mehr Tolstoi. Also ich weiß nicht, ich hab beim Lesen sofort die Unterschiede bemerkt... Keine Ahnung, warum... Die Sprache ist meiner Meinung nach völlig unterschiedlich.
Ich weiß nicht mehr, auf was genau die Literaturwissenschaftler bei den Beiden achten, aber ich weiß noch, daß ich mal gelesen hab (in der Dostojewski-Biographie wird es erwähnt), daß man Beide nicht mögen könne... Aber ich müßte den genauen Wortlaut und die genauen Bezüge natürlich nachschlagen, hab das nicht mehr im Kopf... :( Ich seh's auch nicht so, ich finde beide sehr gut...
Und: Du hast den Film "Die Brüder Karamasow" gesehen, Esprit, Du hast aber nicht das Buch gelesen und das ist sehr, sehr dick... ;) Hat mehr Handlung wie "Schuld und Sühne", das stimmt, aber es ist auch enorm dick, was wahrscheinlich auf die Tiefe zurückzuführen ist, die Dostojewski wieder eingebaut hat...
Jemand hat mal gesagt, daß Dosi ein Philosoph wäre, kein Schriftsteller - und Tolstoi kein Philosoph sondern ein Schriftsteller... Dem würde ich voll und ganz zustimmen. Meiner Meinung nach kann "Die Brüder Karamasow" auch gar kein Werk von Tolstoi sein... Weil er sich zwar auch mit den Grundproblematiken beschäftigt, genau wie sein Gegenspieler Dostojewski, aber er doch immer dann einen Schlußstrich zieht, wenn die Handlung hauptsächlich aufs Innenleben der Personen verlegt werden könnte... Zumindest sehe ich das so, ist natürlich Ansichtssache... :)
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Beitragvon Esprit » Dienstag 20. Mai 2003, 13:19

Hab mal im Buch der 1000 Bücher nachgeschlagen,da steht,Tolstoi hebt in seinen Werken die Nichtigkeit unserer Existenz hervor,während Dostojeski
sich zum christlichen Glauben bekehrt hat (er war zum Tode verurteilt und wurde doch noch begnadigt) und diese Wandlung in seinen Romanen zum Ausdruck bringt....
Jedenfalls bin ich echt neugierig auf "Die Brüder Karamasow" als Buch... :-P
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Beitragvon stephy » Dienstag 20. Mai 2003, 16:39

Laß es uns in Angriff nehmen, Esprit! :P
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Beitragvon aubrey » Dienstag 29. Juli 2003, 16:28

so, wie versprochen jetzt was zu anna karenina.

[SPOILER AHEAD]


das buch las sich am anfang und am ende (jeweils die ersten und die letzten 200 seiten) super, aber zwischendrin war es ziemlich zäh. die story entwickelte sich ziemlich langsam, und das ganze drumherum war auch nicht unbedingt für die geschichte notwendig. annas selbstmord, lewins erkenntnis..das alles hätte man auch früher haben können, denn diese wichtigen geschehnisse wurden ja innerhalb weniger seiten abgehandelt, während unwichtigen (IMHO) politischen diskussionen viel zu viel raum gegebem wurde...da hab ich teilweise auch paar seiten übersprungen :oops:

mir hat die geschichte um anna aber doch ziemlich gut gefallen. irgendwie kann man sich schon in sie hinein versetzen..ich meine, wer war noch nicht grundlos eifersüchtig? also ich kann ein lied davon singen :roll:

natürlcih ist der letzte schritt schon ziemlich extrem, aber da muss man wohl die historischen gegebenheiten dazu rechnen. anna wäre ja völlig ruiniert gewesen, wenn sie sich nach karenin auch noch von wronskij getrennt hätte.

nicht in ordnung fand ich, dass sie sich eigenetlich nur umgebracht hat, um wronskij weh zu tun, sie bereut es ja auch im letzten moment.

ich stelle es mir furchtbar vor, wenn sich ein mensch wegen mir umbringen würde, weil ich nicht so reagiert habe, wie die person das gern gehabt hätte.
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Beitragvon stephy » Dienstag 29. Juli 2003, 16:48

natürlcih ist der letzte schritt schon ziemlich extrem, aber da muss man wohl die historischen gegebenheiten dazu rechnen.


Eben und deshalb war das Politische, das in diesem Buch steckt, ja eigentlich auch unter anderem auch wichtig. Ich find's gut, daß man viel Drumherum erfährt, weil man so Einblick in das Leben damals bekommt. Man erfährt, mit was sich die Reichen beschäftigt haben, man erfährt aber auch (nur nicht soviel), wie die Armen alles gesehen haben. Das finde ich doch recht interessant... ;)
Besonders Lewins Erkenntnis fand ich beeindruckend... Ich glaube, ich muß das Buch demnächst nochmal lesen. Ist wie mit "Schuld und Sühne"; da steht auch eine ganze Menge drumherum drinnen und wenn ich ehrlich bin; dieses Drumherum hat mir geholfen, viele Standpunkte zu überdenken und neu anzupacken.
Aber das ist natürlich nicht jedermanns Sache, ist klar. :)

Grüßle!
schdephy
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Beitragvon Esprit » Dienstag 29. Juli 2003, 17:27

Ich fand die Geschichte von Lewin bei Anna Karenina auch sehr interressant,es heisst ja ,dass Tolstoi sich selbst mit seiner Sinn-bzw.Gottessuche in Lewin darstellte...
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Beitragvon theklaus » Dienstag 29. Juli 2003, 20:20

@stephy

schdep-hy ????

oder

schdefi

:wink:
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Beitragvon Marlies » Samstag 18. Oktober 2003, 17:51

*aushol*
Meine Vermieterin, bei der ich seit fast 2 Monaten ein Zimmer bewohne, ist Deutsch- und Französisch-Lehrerin. In praktisch jedem Raum stapeln sich Unmengen von Bücher - fast nur Klassiker. Ich stand schon oft vor ihren Bücherregalen und stellte fest, wie wenig berühmte Literatur ich eigentlich gelesen habe. Die Lust drauf wäre nämlich vorhanden. Als ich dann im Forum herumstöberte und mir den "Klassiker"-Thread ausgiebig zu Gemüte führte, flitzte ich mehrere Male zwischen PC und Regalen hin und her. Immer wenn ihr einen Klassiker erwähnt habt, sah ich nach - und wurde immer fündig (was übrigens nicht schwierig war, da alles alphabetisch nach Autoren geordnet ist).
Diese Frau hat einfach alles! Noch dazu häufig schöne alte gebundene Ausgaben, oft auch verschiedensprachig.
Unnötig zu sagen, dass ich am liebsten zugegriffen hätte, aber ich traute mich irgendwie nicht zu fragen - obwohl ich mich gut mit meiner Vermieterin verstehe. Ich dachte nur, dass sie ihre Schätze bestimmt nicht gerne verleiht. Und heimlich in ihrer Abwesenheit mich bedienen wollte ich auch nicht.
Heute ergab sich ein kurzer "Smalltalk" über Bücher im Allgemeinen, und plötzlich bot sie mir von sich aus an, dass ich mir jederzeit Bücher ausleihen könne.
Aaaaaaaaaaaaaaaaahhhhh! :bounce: Wo soll ich bloß anfangen??
Ich stürze mich vermutlich gleich auf einen schweren Brocken: Dostojewski's "Schuld und Sühne". :sweet
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Beitragvon stephy » Samstag 18. Oktober 2003, 18:17

Eine sehr gute Wahl, Marlies! Darf ich Dir dazu gratulieren??? :P Ich wünsch' Dir viel, viel Spaß beim Lesen!!! Und Du hast wirklich ne tolle Vermieterin!!!! :)
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Beitragvon tiff´any » Samstag 18. Oktober 2003, 18:55

:thumbs: schuld und sühne ist sehr gut!!!!! aber ich lese zur zeit den medicus (bgb) :lol2: auch ein klassiker in der literatur
Sobald du dir vertraust, weißt du zu leben.
(goethe)
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Beitragvon Marlies » Samstag 18. Oktober 2003, 18:55

Danke, stephy, natürlich bist du nicht ganz unschuldig an meiner Wahl - ich muss deiner Dosi-Verrücktheit mal auf den Grund gehen und gucken, ob auch ich was damit anfangen kann. :P
Meine Vermieterin hat sämtliche Dostojewski-Werke, und auch von Tolstoj scheint alles dazu sein (deswegen liebäugle ich auch bereits mit "Anna Karenina"). Der Schwerpunkt liegt natürlich auf deutscher und französischer Literatur (wohl auch berufsbedingt) und auch die großen Philosophen haben ihre Spuren hinterlassen. Was ich am häufigsten gesehen habe, sind verschiedene "Faust"-Ausgaben. Riesige Wälzer, gebunden, im Kartonschuber.

Wahrlich, ihr dürft mich beneiden. :mrgreen:
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Beitragvon Marlies » Sonntag 26. Oktober 2003, 23:18

So, ich beweg mich bei "Schuld und Sühne" jetzt im Bereich der 500. Seite und bin sehr angetan. :sweet Am Anfang hat es etwas gedauert bis ich reingefunden habe bzw. mich an Dostojewskis Schreibstil gewöhnt hatte, aber jetzt bin ich so richtig drin versunken. Interessant auch, auf welch andere Weise hier mit Wörtern wie "hypochondrisch" und "kaltblütig" umgegangen wird, und schlichtweg genial wie Dosi schon im Voraus Gedankenmuster entwirft, die sich bei mir noch nicht mal ansatzweise stellen - und doch trifft er meistens genau den Punkt, auf den ich in meinen Überlegungen (wäre ich Raskolnikow) bestimmt gekommen wäre. Aber Dosi ist schneller. :P Und Porfiri, der ist ein ganz Gefinkelter, das wird noch richtig spannend. :mrgreen:
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Beitragvon stephy » Sonntag 26. Oktober 2003, 23:30

Jaa, Dosi vor! :P

"Schuld und Sühne" ist irgendwie ein Buch, das man immer wieder lesen kann. Es verbergen sich in diesem Roman so viele Dinge, die kann man auf Anhieb gar nicht alle rausfiltern. Ich werd's bestimmt noch öfter lesen! Meiner Meinung nach ist der Roman auch viel besser als "Die Brüder Karamasow" - da zieht sich alles stellenweise extrem in die Länge und bei "Schuld und Sühne" kam es mir gar nicht so lange vor... hach... schwelg... :P
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Beitragvon Marlies » Dienstag 4. November 2003, 20:58

Mit "Schuld und Sühne" wurde ich vor 2 Tagen fertig - hat mir echt sehr gut gefallen. :sweet Irgendwie hatte ich einen anderen Schluss erwartet, was aber dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch tut.
Gestern habe ich mit dem "Fänger im Roggen" angefangen, welcher sich sehr flüssig liest (na ja, im Vergleich zu Dostojewski auf jeden Fall :mrgreen:), und anschließend widme ich mich entweder dem "Schimmelreiter", "Anna Karenina" oder "Mrs. Dalloway". Die Auswahl hier ist ja groß genug. :sweet

Hat schon jemand letztgenanntes Buch von Virginia Woolf gelesen? Ich möchte es nicht unbedingt deshalb lesen, weil ich so scharf darauf bin, sondern gewissermaßen als "Einstimmung" für "The Hours", welchen ich als DVD bekommen werde.
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Beitragvon Esprit » Samstag 29. November 2003, 19:33

Bei Bertelsmann gibts so ne schöne "Dr.Schiwago"-Ausgabe im Schuber,ich kann mich nur vage an den Film,den ich als Kind mal gesehn hab ,erinnern,soll aber einer der schönsten Klassiker überhaupt sein.Hat das jemand mal von euch gelesen und wenn ja,lohnt das sich ,den anzuschaffen?(für meine Klassikersammlung :roll: )
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