"Ilias" und "Odysee" von Homer

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

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"Ilias" und "Odysee" von Homer

Beitragvon Esprit » Dienstag 18. Mai 2004, 14:58

Kennt sich jemand mit diesen beiden Werken aus?
Die würden mich jedenfalls mal interessieren,aber welches sollte man zuerst lesen?
und haben die beiden was mit "Troja",dem aktuellen Film zu tun?Oder bin ich da jetzt auf nem total falschen Dampfer?
zur Zeit interessiert mich die griechische Mythologie,aber bis auf einige Namen hab ich keine Ahnung davon...
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Beitragvon Fänger » Dienstag 18. Mai 2004, 15:16

Hach, meine Lieblingssagen!

Also, die Ilias spielt vor der Odyssee, solltest Du also vorher lesen.
Der Film Troja basiert auf der Ilias, weicht aber manchmal davon ab - im Film spielen zB keine Götter mit, die in der Sage eine ganz wesentliche Rolle spielen.

Die Odyssee berichtet von der Heimfahrt des Odysseus, die aber zu einer "Odyssee" wird. :wink:

@ Esprit: In der griechischen Mythologie kenne ich mich ein wenig aus. wenn Du also Fragen hast, gerne.
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Dienstag 18. Mai 2004, 15:18

"Troja" basiert auf der "Illias. Ilias bzw Ilion ist nur ein anderer Name für Troja, den Homer verwendet. Es gibt allerdings schon ein paar Unterschiede zum Film was den Inhalt betrifft, da wurde natürlich manches "hollywoodgemäß" zurechtgedreht (was ich nicht schlimm finde).
Die "Odyssee" wurde soweit ich weiß später geschrieben und ist das mM nach interessantere Werk - darin geht's um die Irrfahrten des Odysseus (ein bisschen wie bei Sindbad).

Ups, der Fänger war schneller ...
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Beitragvon Esprit » Dienstag 18. Mai 2004, 17:10

:-P danke euch beiden für die Antwort,also werd ich mir die mal zulegen..
@Fänger:Woher kennst du dich da so gut aus?
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Beitragvon Fänger » Dienstag 18. Mai 2004, 21:53

Esprit hat geschrieben:@Fänger:Woher kennst du dich da so gut aus?


Hab mich da schon früh für interessiert. Irgendwann habe ich mal die Jugendausgabe von Schwabs Sammlung der griechischen Sagen bekommen und hab das Buch verschlungen. Ich fand das immer so interessant, weil die Götter so menschlich dargestellt wurden. Und das ist bis heute so geblieben.
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Beitragvon Fänger » Mittwoch 26. Mai 2004, 09:26

Ach ja... Im Spiegel vom letzten Montag war ein Bericht über die Ilias. Nach neuesten Forschungen hat es nicht nur Troja gegeben - das war ja dank Schliemann eh klar - sondern auch der Krieg hat wohl statt gefunden. Allerdings nicht um eine Frau, sondern um Machtansprüche und Handelsgewinne. :wink:
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Beitragvon aubrey » Mittwoch 26. Mai 2004, 13:22

hab mir heut ein dickes buch über die troja ausstellung mit tausenden von bildern ausgeliehen und außerdem noch die ilias...ist ja ganz schön dick..hätte ich gar nicht gedacht.. :roll:
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Beitragvon torsten » Montag 12. Juli 2004, 19:00

@Esprit, Barney und Gwenhwyfar:

Falls ihr mehr über Ilias bzw. eine interessante Neuinterpretation des Themas lesen wollt, dann sei euch das neueste Epos aus der Feder des Meisterautors Dan Simmons ans Herz gelegt. Titel: "Ilium". Ganz wie man es von diesem genialen Schriftsteller gewohnt ist, variiert Simmons die Ilias-Sage auf eine ganz eigenständige Art und Weise und verlegt die Handlung - man höre und staune! - in die Zukunft. Habe bereits die ersten 100 Seiten "angelesen" und finde den Roman Klasse. Nachfolgend für euch noch das Titelbild und eine Kritik:
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Früher war Thomas Hockenberry Experte für Homer - seine Ilias und die Odyssee. Dann starb er. Doch wider Erwarten war das nicht das Ende, sondern ein Neuanfang: Er wurde wiedergeboren und kam auf den Olymp, zu den Göttern, und wurde als Scholastiker eingesetzt, um den trojanischen Krieg zu überwachen und detailliert über ihn zu berichten. Die Götter waren beinahe so, wie er sie sich vorgestellt hatte: Drei Meter groß, leuchtend, überirdisch schön – und grausam. Die Scholastiker um ihn herum wurden beim geringsten Fehler vernichtet; sie alle wie er wiedergeborene Homer-Experten aus den verschiedensten Zeitepochen.
Gleichzeitig, in einer fremden Zeitepoche, tausende von Jahren in der Zukunft (von unserer Gegenwart aus gesehen), machen sich Ada, Harman und Hannah, Forscher, bereit, eine Reise auf den Mars anzutreten. Die Welt ist fürwahr seltsam geworden: Saurier beherrschen die nicht durch Technik abgeriegelten Gegenden der Erde.
Inzwischen jedoch muss Hockenberry eine fatale Entdeckung machen: Er wurde nicht etwa in die Zeit des trojanischen Krieges zurückversetzt, sondern Jahrtausende in die Zukunft – immer weniger versteht er, warum sich die Beschreibung Homers manchmal so genau mit den Geschehnissen deckt - und manchmal so radikal abweicht. Doch er befindet sich auch in schrecklicher Gefahr: Aphrodite selbst hat ihm den Auftrag gegeben, Athene zu ermorden…

Die mystische Geschichte, die Simmons um den trojanischen Krieg zu spinnen weiß weist ein Sammelsurium an verschiedenen Ideen und Fakten auf: Die „Götter“ schützen sich mit Schutzschilden, „qten“ durch Zeit und Raum und erscheinen dadurch plötzlich auf dem Schlachtfeld, ihre Waffen zerschneiden die Menschen wie das Messer die Butter und sie können Geschosse ablenken und Schwerter aufhalten.
Gleichzeitig baut er eine surrealistische, schwer verständliche Welt um Ada, Harman und Hannah auf, die sich wie der Leser in ihrer Welt orientieren müssen – dabei jedoch einen beachtlichen Vorsprung haben. Leider mangelt es dem Roman größtenteils an Spannung, die durch die langsame Entwicklung der Geschichte ebenso gehemmt wird wie durch die träge Erzählweise, die mit einer gewissen Apathie des Hauptcharakters einhergeht. Auch das surrealistische Szenario macht das Werk schwer verdaulich.
Der Schreibstil an sich hingegen ist schön detailliert, und der Autor wirft mit dem hervorragend recherchierten Wissen über Homer und seine Schilderung der Ilias nur so um sich. Die Gliederung überzeugt durch Überschreiben der Kapitel mit dem aktuellen Schauplatz und strikter Trennung der beiden Hauptschauplätze in den einzelnen Kapiteln. Auch die visuelle Gestaltung weis zu überzeugen.
Diese positiven Merkmale stecken jedoch lediglich einen guten Rahmen ab, der der Geschichte zwar Halt bietet, sie jedoch nicht zu ersetzen vermag. Wer mit surrealistischen, eher trägen Erzählungen etwas anfangen kann oder sich eine solche Homer-Adaption zu Gemüte ziehen will, dem sei das Buch ans Herz gelegt, allen anderen dringend davon abgeraten.
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Beitragvon Gwenhwyfar » Montag 12. Juli 2004, 21:21

Danke für den Tipp, Torsten. :sweet
Werde mich nach dem Buch umsehen, wenn der alte Homer bereist wurde. :P
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Beitragvon Barney G. » Montag 12. Juli 2004, 22:21

Ja, hab' von dem Buch schon gehört. Ist mir aber im Moment "etwas zu schwere" Kost. Dafür muß man Zeit, vor allem aber Muße haben.
Trotzdem Danke für den Tip.
Kannst ja mal posten, wenn Du weiter gelesen hast.
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Beitragvon biberrulez » Donnerstag 12. Oktober 2006, 18:52

Auch wenn dieser Thread jetzt schon ein Weilchen brach liegt, möchte ich dennoch mal einen Beitrag leisten.
Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich sowohl die Ilias als auch die Odyssee gelesen und war restlos begeistert. Jeder, der sich ein bißchen mit Literatur beschäftigt, kommt an diesen Texten nicht vorbei. Man kann sie zweifellos als das Fundament der Literaturgeschichte beschreiben. Die Wirkung, die diese Worte nach tausenden von Jahren noch immer auf den Leser ausüben und die archetypische Kraft der Geschichten sind kaum in Worte zu fassen. :greenjump:

Wenn man aber schon die Ilias und die Odyssee lesen will, dann sollte man sich an den homerischen Text halten und sämtliche Nacherzählungen (deren Zahl sind leider Legion) links liegen lassen. Zwar gibt es zahlreiche Übersetzungen, aber ich persönlich denke, dass man mit der klassischen Übertragung von Johann Heinrich Voß am besten bedient ist. Zunächst ist, zugegebenermaßen, etwas Geduld erforderlich, bis man sich auf die Sprache und Satzstruktur eingestellt hat. (Das hat bei mir etwas gedauert.) Außerdem zerrt die Aufzählung der beteiligten Schiffe im 2. Gesang auch etwas an den Nerven – aber durchhalten!!! Denn sobald man mit dem Text einigermaßen warm geworden ist, lässt einen die Geschichte nicht mehr los und nach der Ilias will man sofort mit der Odyssee beginnen; und die ist noch besser.

Ich jedenfalls war nach der Lektüre so begeistert, dass ich mehr von antiken Mythen lesen wollte. :lernen2: Am besten greift man da zum Klassiker: Gustav Schwab – Sagen des klassichen Altertums (auch darin findet man Prosafassungen der Ilias bzw. Odyssee). Aber man sollte darauf achten, dass man eine vollständige Ausgabe bekommt und nicht nur eine Auswahl. (Auf der Web-Seite des Gutenberg Projektes kann man nachschauen, was alles enthalten sein sollte.) :eyes:

Abschließend sollte noch auf zwei Dinge hingewiesen werden:
1. Die „homerische Frage“: Ob es Homer als Person, der die Ilias und die Odyssee schrieb, wirklich gab, ist äußerst umstritten. Es gibt da die verschiedensten Theorien, aber wer sich dafür interessiert findet im Netz sicher genügend Informationsmaterial.
2. Landläufig heißt es, Heinrich Schliemann habe Troja entdeckt. Auch das sollte man nicht so ohne weiteres hinnehmen. Die Forschung vertritt da keinen Konsens und ständig tauchen neue Thesen und Theorien auf. Fakt ist, dass Schliemann die Überreste einer Stadt entdeckt hat, aber ob es sich dabei um Troja handelt ist äußerst fraglich.

In diesem Sinne freue ich mich für alle, die die erste Lektüre dieser antiken Epen noch vor sich haben. Sie sind ein Vergnügen sondergleichen und absolut fesselnd. Diese Texte sind völlig zurecht Klassiker – ohne Abstriche.
:monstereyeroll_lightgreen:
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