Madame Bovary

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

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Madame Bovary

Beitragvon susa » Montag 21. November 2005, 16:35

Hab am Wochenende "Madame Bovary" gelesen- und es ist irgendwie seltsam wenn man ab Seite 30 (frei geschätzt) die Hauptfigur eines Buches nicht mehr leiden kann und geradezu hofft das es ihr schlecht ergehen wird. :P

Ich hab das Buch in erster Linie gelesen weil es ja zu seiner Zeit so ein Aufreger war- die Kutschenszene ganz besonders- aus heutiger Sicht ist es allerdings sehr zahm, ich kann die Aufregung- selbst wenn ich mir die damalige Zeit vorstelle- nicht ganz nachvollziehen. Na gut, sie betrügt ihren Mann, expliziet wird jedoch nichts gesagt, Flaubert ergeht sich ja nur in unschuldigen Andeutungen und überläßt das meiste ohnehin der Phantasie des Lesers.

Madame Bovary ist sicherlich einer der unsympathischen Charaktere die mir bisher untergekommen sind, eine so unzufriedene, selbstsüchtige und gedankenlose Frau, dann noch so selbstverliebt und verlogen, furchtbar! Amüsant fand ich allerdings den Apotheker- Hivert?- der bringt mit seiner (kirchen-)kritischen haltung wenigstens ein wenig Schwung in die Erzählung. Charles Bovary ist mir zusehr gutmütiger Trottel als das ich ihn ernst nehmen könnte- alles in allem kamen mir einige der Charaktere schon sehr klsicheehaft vor..

Das Buch läßt sich zwar sehr leicht und flüßig lesen, ist auch durchaus unterhaltsam, allerdings bin ich mit den Charakteren nicht wirklich warm geworden...also keine große Begeisterung von meiner Seite. :P
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Beitragvon susa » Mittwoch 23. November 2005, 11:18

Hab eben in einem anderen Buch ("Spiele nicht mit meinem Herzen" von Thea Leitner)einiges über die Affäre von Flaubert mit Louise Colet gelesen.
Nur als Hintergrundinformation: Louse Colet (1819- 1876), enge Freundin von Victor Hugo, war zu ihrer Zeit eine gefeierte und sehr moderne Dichterin und Autorin, gewann viermal den Dichterwettbewerb der Académie Francaise, heute allerdings kennt sie kaum noch wer.
Das ist insofern schade, als das sie keinen geringen Anteil am Entstehen von Madame Bovary hatte- Flaubert und Colet inspireiren sich gegenseitig (bis zu einem ziemlichen traurigen Ende, ich wüßte wirklich gerne warum kreative Menschen- Männer- immer so grausam zu ihren Geliebten sein müssen :aehm)

Weiters- was ich ebenso bisher nicht wusste- beruht der Roman auf einer wahren Geschichte, Delphine Delamare ist das Vorbild: sie hat ihren Mann, einen -Überraschung- Provinzarzt betrogen und in den Ruin gestürzt, bevor sie sich selbst vergiftete.

1856 erschien also Madame Bovary als Fortsetzungsroman, und Flaubert wurde wegen " Verstoß gegen die öffentliche Moral und die Religion" vor Gericht gezerrt, hatte jedoch Glück mit dem Richter und wurde freigesprochen.

Ach ja- jene besagte Kutschenszene kommt nicht von irgendwo, Flaubert schöpft hier aus seinen Erinnerungen an Colet. :mrgreen:
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