Die Geschwister Brontë

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

Moderator: Gwenhwyfar

Die Geschwister Brontë

Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 11. Januar 2006, 11:16

BildBildBild

stephy - 13.09.2002 hat geschrieben:"David Copperfield" hab ich auch gelesen... Ist ein goldiges Buch, irgendwie... ;) Wenn man mit dem typischen Helden-Schema kein Problem hat, dann kommt man damit klar... :D
John Irving liebt ja dieses Buch. Und er redet in seinen Büchern fast ausschließlich von Dickens Romanen... In "Gottes Werk und Teufels Beitrag" erwähnt er auch Jane Eyre (das kriegt die Mädchenabteilung vorgelesen... :D)... ;)

Griasle!
stephy


Gwenhwyfar - 15.09.2002 hat geschrieben:So, werde demnächst "Sturmhöhe" lesen. :P

Als Vorgeschmack ein paar Bildchen aus der Verfilmung mit L.Olivier und M. Oberon.
*schmacht*


stephy - 15.09.2002 hat geschrieben:Um was geht's denn in "Sturmhöhe"? Und von wem ist das?


Ginny-Rose_Carter - 15.09.2002 hat geschrieben:"Sturmhöhe" ist von Emily Bronte, eine der drei Bronte-Schwestern - hab Dir neulich "Jane Eyre" von Charlotte empfohlen.
In "Sturmhöhe" wird die Geschichte von Heathcliff und Cathy erzählt. Cathy ist eine reiche Gutsherrentochter, Heathcliff ein Findelkind das ihr Vater an Kindess Statt annimmt. Er liebt Cathy, aber sie heiratet einen anderen und als Heathcliff Jahre später zurückkommt wird er zum eifersüchtigen Rächer und ricthtet ein Werk der Zerstörung an ...

Naja, das die sehr grobe Zusammenfassung. Hat damals für sehr viel Wirbel gesorgt das Buch. :sweet


Gwenhwyfar- 15.09.2002 hat geschrieben:Mir gefällt statt dieser Kurz-Kurz-Beschreibung eher eine Rezension aus dem Internet:

Als ich dieses Buch, das erste Mal gelesen habe, geschah es eher aus Zufall und ich muss gestehen, beim ersten Mal hat es mir auch gar nicht gefallen, im Gegenteil ich fand es eher langweilig. Aber dann ca. 2 Jahre später las ich es zum 2. Mal und ab da war ich hoffnunglso verliebt in dieses Buch. Ich glaube man kann dieses Buch nicht nur einfach lesen, man muss es fühlen.
Für mich war aber nicht Heathcliff der eigentliche Bösewicht, sondern Cathrine. Sie hat sie beide getrennt, obwohl sie wusste, welche Wirkung, das haben würde. Trotzdem ist die Leidenschaft mit der Heathcliff seine Cathrine liebt, schon beängstigend. Er liebt sie so sehr, dass es schon an Hass grenzt, denn er gibt ihr die Schuld, dass er solche seiner Meinung nach, hässlichen Gefühle wie Liebe und Zärtlichkeit empfindet, wenn auch nur für eine Person, Cathrine. Und noch etwas, was sehr ungewöhnlich ist, war die Reaktion von Heathcliff als er vom Tod Cathrines erfährt, er wünscht ihr nicht ein schönes Leben im Jenseits und sie solle in Frieden ruhen, sondern er verwünscht sie, dafür, dass sie ihn allein lässt. Und für mich waren seine Worte eine der schönsten Liebeserklärungen, die es gibt.

"Ich kann nicht leben ohne meine Liebe,
ich kann nicht leben ohne mein Leben."

Ich empfehle jedem, der ein etwas romantisches-düsteres Gemüt vorzuweisen hat und jedem, der es auch mal mag, wenn die Geschichte schlecht ausgeht, dieses Buch.


Auch wenn alle drei Schwestern schrieben, ist ihr Werk doch sehr unterschiedlich. "Jane Eyre" sorgte bei seiner Veröffentlichung auch für einen Skandal, weil es um die Liebe eines Herrn zu seiner Hausangestellten geht. Das war im viktorianischen England mehr als "unstandesgemäß", für viele Zeitgenossen stellte es Unmoral dar.
In "Sturmhöhe" sind es auch die äußeren Umstände und herrschenden Standesunterschiede, welche Einfluß haben, aber sie werden von Emily Bronté eher als Bühne oder dramatischen Effekt benutzt. Dieser Roman handelt ganz allein von der zerstörerischen Haß-Liebe zwischen Heathcliff und Cathrine; der Macht der Leidenschaft.


Elbeino - 15.09.2002 hat geschrieben:
Und noch etwas, was sehr ungewöhnlich ist, war die Reaktion von Heathcliff als er vom Tod Cathrines erfährt, er wünscht ihr nicht ein schönes Leben im Jenseits und sie solle in Frieden ruhen, sondern er verwünscht sie, dafür, dass sie ihn allein lässt


Der Mann muss echt verrückt sein.
Ich weiss, es ist nur ein charakter in einem Buch. Aber ich weiss auch, dass es auch wirklich solche Leute gibt.
Die Frau hat sich doch nicht die Hände gerieben und grinsend gedacht "so. jetzt lass ich ihn mal allein. hehehe"
Da kann sie doch nix für.
Ich würde nie im Traum daran denken, meiner Frau solche Vorwürfe zu machen, oder sie gar verwünschen (Gott beware). Nee nee nee :schuettel: <-- Jaa, ich weiss. Aber es gibt halt keinen weissen Kopfschüttel-Smiley


Gwenhwyfar - 16.09.2002 hat geschrieben:@ Elbeino
"Sturmhöhe" handelt ja auch von Haß-Liebe - ansich schon eine Art Paradoxon, derartiges würde ich niemals versuchen, logisch zu erklären oder nachzuvollziehen.
Es gibt übrigens eine französische Verfilmung über das Leben der Brontés.
"Die Geschwister Bronté" mit Isabelle Hubert und Isabella Adjani in den Hauptrollen. (Die dritte Schwester - Anne - besaß nicht so viel Talent wie die beiden anderen, daher hat sie keine große Bedeutung alleinstehend.)


Gwenhwyfar - 19.09.2002 hat geschrieben:So, habe mir heute "Die Sturmhöhe" gekauft.:bounce:
Wird gleich nach "David Copperfield" gelesen. :P


Gwenhwyfar - 23.10.2002 hat geschrieben:Ich bin gerade bei Sturmhöhe, bis jetzt sehr schön. :sweet


Gwenhwyfar - 30.10.2002 hat geschrieben:Bin gerade in der Mitte von Sturmhöhe, Catherine ist gestorben und Heathcliff verfluchte sie. :eek7:


Gwenhwyfar - 06.11.2002 hat geschrieben:So, habe Sturmhöhe durch.
Wow, man glaubt immer nicht, wie modern Autoren aus längst vergangenen Epochen sein können. In diesem Buch ist die Komponente Gott und "christliches Handeln" sehr unbedeutend dargestellt, es geht sogar so weit, daß der einzig Bibeltreue eine der ekelhaftesten Personen des Buches ist. Dieser Aspekt gefällt mir, denn manche sehr guten Bücher sind fast unlesbar durch dieses Gottgeschwafel.
Und es geht um sehr unchristliche Tugenden wie Rache, rasende Liebe, unterschwellige Erotik, Besessenheit, Wahnsinn. Noch kürzer gefaßt: Mir gefiel das Buch sehr gut, die Handlung ist mitreißend und die Figuren kann man sich bildlich vorstellen. :sweet Auch wird keine Schwarzmalerei betrieben, niemand ist nur gut und unschuldig sowie nur schlecht und schuldig.
Zum Inhalt mag ich lieber nicht viel sagen, sonst verrate ich zuviel. Was mich sehr störte, ist, daß in meiner Ausgabe ein Anhang war, der eine Zeittafel zeigte, auf welcher alle Personen mit Geburtsdatum, Sterbedatum und Ehedatum stehen - das hat viel kaputt gemacht von der mir unbekannten Handlung, weil ich so schon von bestimmten Ehen und Kindern wußte. :aehm


Esprit - 13.02.2003 hat geschrieben:Ich les jetzt "Sturmhöhe" von Emily Bronte.......


Esprit - 16.02.2003 hat geschrieben:Wurde ja hier schon gesagt:"Sturmhöhe" von Emily Bronte ist echt toll,richtig schön düster..........Ich werde immer mehr zum Fan von "Alten" Büchern :love:


Esprit - 24.04.2003 hat geschrieben:Les als nächstes "Jane Eyre" von Charlotte Bronte,hab ich mir mal gekauft,als ich "Gottes Werk und Teufels Beitrag"las,da wurde es immer erwähnt.........


Ginny-Rose_Carter - 24.04.2003 hat geschrieben:Also, "Jane Eyre" möchte ich auch mal wieder lesen, gehört zu den etwa 20 schönsten Büchern die ich kenne.


Esprit - 25.04.2003 hat geschrieben:"Jane Eyre" gefällt mir bis jetzt sehr gut,ist auch sehr schön geschrieben...


Gwenhwyfar - 02.05.2003 hat geschrieben:*lach* Hab auch neulich "Jane Eyre" gelesen. Leider gefiel es mir nicht im Ganzen. :rolleyes: Aber es liest sich schnell; ich fand es spannend, obwohl ich es als Film kannte. :sweet:
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Levia » Mittwoch 11. Januar 2006, 13:03

So, Gwen, du willst ja wissen welcher Handlungsstrang mich bei "Jane Eyre" störte: Diese ganze Geschichte mit St. John..
Ich finde es klingt so erzwungen, Jane verläßt ihren Edward Rochester und nun muss sie ja irgendwo hin, also findet sie um fünf Ecken verwandte Personen und er will mit ihr nach Indien (?)..
Hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht diesen Teil zu lesen; St. John fand ich unsympathisch und die Cousinen, mit denen man diese Geschichte noch etwas belebter hätte machen können verschwinden direkt wieder..
Dennoch mag ich das Buch, vor allem den Anfang find ich toll, bis ihr Rochester seine Liebe gesteht, danach flacht es meiner Meinung nach ab..
Benutzeravatar
Levia
Leseratte
 
Beiträge: 485
Registriert: Montag 28. Juni 2004, 16:39
Wohnort: Tampere, Finnland

Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 11. Januar 2006, 18:18

Jaaaa! Ich habe ihn gehaßt, von ganzer Seele. Seine Auffassungen von Liebe, Pflicht und sinnvollem Leben - einfach zum Kotzen. Er macht Jane einen Heiratsantrag, weil sie sich als Frau eines Missionars im schwülen Klima des dreckigen Indiens eignen solle. :aehm
Konstruiert und unglaubwürdig erschien mir auch Janes zufälliges Finden ihrer Verwandtschaft.

Auch ich finde, das Buch schwächelt allgemein zum Ende hin. Nach dem sehr plastischen und starken Beginn (voll anklagender Sozialkritik) bei Janes Tante sowie dem Internatsaufenthalt, nach der Schauerromanepisode auf dem Herrensitz von Mr Rochester, kurz nach all dem, was man als Leser regelrecht begierig verschlingt und das zum Mitfiebern, Mitleiden anregt, kommt ein derartiger Mist.
Das Ende dann, als Jane zu Rochester zurückkehrt, zeigt in meinen Augen, wie die Autorin den Mut verlor, ihr heikles Teilthema (viktorianische Hausangestellte verliebt sich in ihren Herrn und der erwiedert diese Liebe sogar) abzuschließen. Aschenputtel bekommt den Prinzen zwar, aber einen lädierten, den es pflegen darf.
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Levia » Mittwoch 11. Januar 2006, 19:10

Da schließ ich mich dir doch mal komplett an!
Irgendwie hat die Gute den Faden verloren, indem sie Jane Herrn Rochester verlassen ließ.. Ich habs aber auch nicht nachvollziehen können, warum Jane überhaupt weggehen wollte, Moral is schön und gut, aber in dem Fall fand ich es etwas abgedreht..
Die Verwandtschaft hätte man wirklich sehr gerne weglassen können, da sie so oberflächlich war hat sie Jane auch nicht geholfen, auch ihr plötzlicher Reichtum am Ende.. :roll: Es kam zum Ende hin zu viel, was den Anfang kaputt gemacht hat.. Obwohl der wirklich brilliant ist!
...but it all ends up in tears...
Benutzeravatar
Levia
Leseratte
 
Beiträge: 485
Registriert: Montag 28. Juni 2004, 16:39
Wohnort: Tampere, Finnland

Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 11. Januar 2006, 22:16

Mich würde interessieren, was die anderen sagen, welche auch das Buch gelesen haben. :P

Von Anne Bronte las ich übrigens nichts, ihr(e) Roman(e) soll(en) nicht an die der Schwestern heranreichen.
Mein Favorit ist und bleibt das düstere Wuthering Heights. :love:
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Levia » Mittwoch 11. Januar 2006, 22:40

Oh, das hab ich mir aus der Bücherei ausgeliehen, weiss aber noch nicht, ob ich dazu komme es zu lesen..
Findest du es besser als "Jane Eyre"?
...but it all ends up in tears...
Benutzeravatar
Levia
Leseratte
 
Beiträge: 485
Registriert: Montag 28. Juni 2004, 16:39
Wohnort: Tampere, Finnland

Beitragvon Gwenhwyfar » Donnerstag 12. Januar 2006, 11:46

Zu den Spoilern, ich habe gewisse Handlungsverläufe des Romans geschwärzt, für alle, die ihn nicht kennen. Läßt man diese Stellen beim Lesen aus, sind dennoch alle Texte inhaltlich verständlich.

Viel besser! Es liest sich wie ein Prosa-Gedicht, die Stimmung ist sehr düster. Mir gefiel besonders, daß es - im Gegensatz zu Jane Eyre - nicht "viktorianisch" wirkt. Man verflucht Gott, die Hauptpersonen werden von einer Leidenschaft getragen, die ich gerade für die Entstehungszeit sehr ungewöhnlich finde.
Sicher wissen einige, daß sich Kate Bushs Lied Wuthering Heights darauf bezieht. Sie singt es aus der Position Catherines, [spoiler]welche als Geist über die Hügel und Moore irrlichternd nach Heathcliff ruft.[/spoiler]

Out on the wiley, windy moors
We’d roll and fall in green.
You had a temper like my jealousy:
Too hot, too greedy.
How could you leave me,
When I needed to possess you?
I hated you. I loved you, too.
Bad dreams in the night.
They told me I was going to lose the fight,
Leave behind my wuthering, wuthering
Wuthering heights.
Heathcliff, it’s me--cathy.
Come home. I’m so cold!
Let me in-a-your window.
Ooh, it gets dark! it gets lonely,
On the other side from you.
I pine a lot. I find the lot
Falls through without you.
I’m coming back, love.
Cruel heathcliff, my one dream,
My only master.
Too long I roam in the night.
I’m coming back to his side, to put it right.
I’m coming home to wuthering, wuthering,
Wuthering heights,
Heathcliff, it’s me--cathy.
Come home. I’m so cold!
Let me in-a-your window.
Ooh! let me have it.
Let me grab your soul away.
Ooh! let me have it.
Let me grab your soul away.
You know it’s me--cathy!
Heathcliff, it’s me--cathy.
Come home. I’m so cold!
Let me in-a-your window.
Heathcliff, it’s me--cathy.
Come home. I’m so cold!

entnommen http://www.lyricsfreak.com

Unter Wikipedia ist außerdem zu finden:
"Sturmhöhe" ist eines der wohl umstrittensten Werke des 19. Jahrhunderts. Oft steht die Aussage im Raum, dass man sich mit keiner Person wirklich identifizieren könne, da keine der handelnden Figuren in irgendeiner Weiße voll und ganz sympathisch sei, sie stößen eher ab, als das sie anziehen. Außerdem könne man mit keiner Figur wirklich mitfühlen, man empfinde zwar hin und wieder Mitleid, das aber durch die zu verurteilenden Taten wieder zunichte gemacht werde. Insgesamt scheint sich die Lesergruppe in zwei Lager zu spalten: Die eine hält es für ein Meisterwerk und Kulturgut des viktorianischen Zeitalters, die andere jedoch für ein Buch, dessen Ruf besser ist, als verdient.


Interpretation
Der Roman gilt unbestritten als ein Meisterwerk der englischen Romanliteratur, er hat gleichzeitig recht unterschiedliche Deutungen erfahren. Er steht weder in der Tradition des historischen Romans Walter Scotts, noch der des realistischen psychologischen und gesellschaftlichen Romans etwa Jane Austens, sondern ist ein Werk ganz eigener Art. Nicht nur die modern anmutende und an Joseph Conrad erinnernde Erzähltechnik weisen auf das 20. Jahrhundert voraus.
Die gegensätzlichen Deutungen entzünden sich meistens an der Hauptfigur des Romans Heathcliff. Man hat in ihm lange ein Monster oder einen satanischen Charakter sehen wollen, und dies scheint durch seine Handlungen gerechtfertigt. Eine andere modernere Deutung sieht in Heathcliff, dem Findling aus den Slums Liverpools, einen Rächer der Enterbten und einen sozialen Rebellen gegen die kapitalistische Gesellschaft und die Unterdrückung des Arbeiters durch die herrschende Klasse, der dann selber auch in die Rolle des Unterdrückers schlüpft.(...)Diese Deutungen werden dem komplexen Charakter des Romans aber nicht wirklich gerecht.
Heathcliff Charakter und Handlungen sind geprägt durch Gegensätzlichkeiten und Widersprüche. Er ist ein Findling und Fremdling aus den Slums Liverpools, wahrscheinlich ein Zigeuner, zugleich erscheint er aber auch als die Verkörperung der wilden Moorlandschaft des entlegenen Yorkshire (Heathcliff bedeutet Heidklippe), und so erlebt ihn Lockwood bei seinem Besuch in Wuthering Heights, als Heathcliffs Hundemeute sich auf ihn stürzt.. Nelly Dean sagt von Heathcliff, er sei als Kind fromm wie ein Lamm gewesen, die Schikanierung durch Hindley erträgt er mit Geduld, aber der erwachsene und gewandelte Heathcliff zeigt sich erschreckend brutal und gefühllos auch gegen den eigenen Sohn und die Verwandtschaft, die er quält, nötigt, betrügt und zum Teil in den Tod treibt. Dabei erscheint er in der Schilderung Nelly Deans, die für ihn eine gewisse Sympathie zeigt, nicht nur als Täter und Peiniger, sondern in zunehmendem Maße als Opfer und Gejagter einer unsichtbaren Macht. Er verwandelt sich, wie übrigens auch Cathy, im Verlauf der Geschichte mehrmals, [spoiler]am überraschendsten am Schluss, wo er, wie es scheint, im Zustand der Ekstase in den Tod geht.[/spoiler]
Man wird Heathcliff vielleicht am ehesten gerecht, wenn man in ihm nicht nur ein Individuum, sondern zugleich die Verkörperung elementaren Naturgewalten sieht ebenso wie Wuthering Heights, mit dem Heathcliff in dem Roman eine Einheit bildet. [spoiler]Die mit Edgar verheiratete[/spoiler] Cathy sagt [spoiler]vor ihrem Tod[/spoiler]: „Ich bin Heathcliff“. Zwischen ihr und Heathcliff, so glauben beide, besteht eine unzerstörbare Einheit, und in dieser Einheit liegt vielleicht der Schlüssel zum Verständnis des Romans. Diese Beziehung wird nicht als eine sexuelle dargestellt, sie ist erwachsen aus der Seelenverwandtschaft der wilden Kinder im gemeinsamen Erleben der ungebändigten Natur von Wuthering Heights, dem gemeinsamen Kampf gegen die Unterdrückung durch Hinley und der Verachtung der verfeinerten Lebensform auf Thrushcross Grange. Durch [spoiler]ihre Heirat mit Edgar und[/spoiler] die abfälligen Worte über Heathcliff hat Cathy Verrat begangen und dieses Band zerrissen und damit gleichsam ein ewiges Naturgesetz verletzt. So sehen es Heathcliff und auch Cathy im Nachhinein, vielleicht sogar die Autorin Emily Brontë. Die schreckliche Rache Heathcliffs an den Familien Earnshaws und Linton nach dem Tode Cathys ist deshalb mehr als die persönliche Rache eines Gekränkten, sondern ein Unheil, das durch die Verletzung der natürlichen Ordnung entsteht. Heathcliff erscheint immer auch als der Gehetzte und Gejagte, [spoiler]die verstorbene Cathy bestimmt als Geistererscheinung sein Handeln mit, so erzählt er selber (Kap. 29), und dass diese Erscheinungen nicht seiner Phantasie entspringen, sondern - im Sinne der fiktiven Realität des Romans – „real“ sind, bezeugen die Erlebnisse des Rationalisten Lockwood, im 3. Kapitel, als ihm Cathy als Geist erscheint.[/spoiler] Das Eindringen der Verstorbenen in die Welt der Lebenden ist ebenso wie Heathcliffs Versuch der Grabschändung ein Motiv des in England des frühen 19. Jahrhunderts beliebten Schauerromans (the Gothic novel), aber in diesem Werk weist es eher auf den Magischen Realismus des 20. Jahrhunderts voraus.
Die Wandlung Heathcliffs [spoiler]vor seinem Tode[/spoiler] passt zu dieser Deutung. Die Liebe zwischen Hareton und der jungen Catherine erinnert Heathcliff und den Leser an seine Beziehung zu Cathy, sie lässt die harmonische Einheit, die durch den Verrat Cathys zerstört worden war, erneut aufleben und besänftigt gewissermaßen die Rachegeister. Spekulativ, aber denkbar ist die Möglichkeit, dass es so auch zu einer Versöhnung [spoiler]mit dem Geist der verstorbenen Cathy[/spoiler] kommt. [spoiler]Zusammen mit Edgar findet Heathcliff seine letzte Ruhestätte im Grabe neben Cathy. Die Toten, sagt Nelly Dean von ihnen, sind zur Ruhe gekommen.[/spoiler]
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon susa » Donnerstag 12. Januar 2006, 12:08

Euer Gespräch macht mich schon langsam neugierig, bei meinem 50-Bücher-Schatz (:P) ist unter anderem auch "Sturmhöhe" dabei. Habs vor kurzem schon aus dem Regal genommen, aber dann ist mir ein anderes Buch dazwischen gerutscht.. allerdings nach euren Ausführungen sollte ich meine Prioritäten noch mal neu setzen. :mrgreen:
I didn´t ask to be a princess, but if the crown fits... Bild

Ändere die Welt; sie braucht es.
Bertolt Brecht
Benutzeravatar
susa
Leseratte
 
Beiträge: 474
Registriert: Mittwoch 19. Februar 2003, 15:34
Wohnort: Wien/Österreich

Beitragvon Gwenhwyfar » Donnerstag 12. Januar 2006, 12:45

Ich weiß, daß Marlies ebenfalls vor etwa zwei Jahren Stumhöhe las. Ihr gefiel der Roman sehr. :casanova: Also hopp, Susa. :P
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon susa » Donnerstag 12. Januar 2006, 16:15

Gwenhwyfar hat geschrieben:Ich weiß, daß Marlies ebenfalls vor etwa zwei Jahren Stumhöhe las. Ihr gefiel der Roman sehr. :casanova:


Das glaub ich gerne, immerhin heißt Marlies im Drachenspiel ja auch Heathcliff. :P
I didn´t ask to be a princess, but if the crown fits... Bild

Ändere die Welt; sie braucht es.
Bertolt Brecht
Benutzeravatar
susa
Leseratte
 
Beiträge: 474
Registriert: Mittwoch 19. Februar 2003, 15:34
Wohnort: Wien/Österreich

Beitragvon susa » Dienstag 7. Februar 2006, 19:53

Hab vor geraumer Zeit mit Sturmhöhe angefangen, allerdings muss ich gestehen das es mich gar nicht gefesselt hat und ich bereits nach wenigen Seiten die meisten Haptpersonen als langweilig und durchaus stereotyp empfunden habe. Hab jetzt einige andere Bücher dazwischen gelesen..vielleicht ist mir ja irgendwann so langweilig das ich auf Sturmhöhe zurückkomme. :P
I didn´t ask to be a princess, but if the crown fits... Bild

Ändere die Welt; sie braucht es.
Bertolt Brecht
Benutzeravatar
susa
Leseratte
 
Beiträge: 474
Registriert: Mittwoch 19. Februar 2003, 15:34
Wohnort: Wien/Österreich

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Dienstag 7. Februar 2006, 20:05

susa hat geschrieben:Hab vor geraumer Zeit mit Sturmhöhe angefangen, allerdings muss ich gestehen das es mich gar nicht gefesselt hat und ich bereits nach wenigen Seiten die meisten Haptpersonen als langweilig und durchaus stereotyp empfunden habe.
Das ging mir beim ersten Mal bei "Sturmhöhe" ähnlich. Ich kannte bereits die Verfilmung mit Laurence Olivier, die mir immer schon sehr gefallen hatte, und erwartet wohl, dass mich das Buch noch mehr umhauen würde. War aber nicht der Fall bzw nicht in dem erwarteten Maß. Das war bei einem erneuten Anlauf aber anders. Trotzdem ist "Jane Eyre" mein Favorit.

Dafür hab ich den letzten Satz aus "Sturmhöhe" in meine Favoritensammlung von Buchzitaten aufgenommen.
~*~ Der Zauber existiert ... ~* ~
Benutzeravatar
Ginny-Rose_Carter
Moderatorin und Forumsinventar
 
Beiträge: 1149
Registriert: Mittwoch 26. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Köln

Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 8. Februar 2006, 09:49

Man braucht etwas Zeit, um sich reinzufinden. Die Verschachtelung der Erzählperspektiven erscheint anfänglich auch eher seltsam. Danach fesselt der Roman aber umso mehr. Finde ich zumindest. :P
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Mittwoch 31. Januar 2007, 17:53

Ich hab gestern das weniger bekannte "Agnes Grey" von Anne Bronte ausgelesen. In allen Belangen unspektakulärer als die Werke ihrer Schwestern, aber dennoch ein lesenswertes Buch, mit feiner Ironie und intensiven Emotionen.
Es geht um eine junge Frau aus armen Verhältnissen, die als Gouvernante arbeitet und zunächst bei einer arroganten Familie mit schrecklichen Kindern landet und anschließend ihr Glück bei einer vornehmen Familie mit älteren Kindern, die fast erwachsen sind, versucht. Sie fühlt sich dort immer noch einsam, kommt aber besser klar als zuvor und verliebt sich in den Hilfspfarrer des Dorfes, traut sich jedoch nicht, ihre Gefühle zu zeigen ...
Benutzeravatar
Ginny-Rose_Carter
Moderatorin und Forumsinventar
 
Beiträge: 1149
Registriert: Mittwoch 26. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Köln

Beitragvon Gwenhwyfar » Donnerstag 1. Februar 2007, 11:04

Die Inhaltsangabe klingt wie eine Reißbrettfassung des schrifstellerischen Werkes der Charlotte Bronte. :aehm Ich mag sie einfach nicht so besonders. Ihr Werk will ich nicht als schlecht verdammen, aber für überschätzt halte ich sie schon.
Arme, was ein kleiner Beitrag von Dir mit mir mach. :mrgreen:
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Nächste

Zurück zu Klassiker

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron