Definition "Klassiker" für dieses Forum

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

Moderator: Gwenhwyfar

Definition "Klassiker" für dieses Forum

Beitragvon Gwenhwyfar » Freitag 11. Februar 2005, 00:47

anakin - 04.11.2002 hat geschrieben:Nun, was soll ich sagen ?
Ein kluger Mensch hat mal gesagt : "Ein Klassiker ist ein Buch, das niemand gelesen hat, aber jeder zu kennen glaubt"

Dafür ist 'Frankenstein' das Paradebeispiel :wink:

Sicherlich gibt es Leute, die das Buch gut finden, was auch ihr gutes Recht ist. Und hier im Forum mag der Prozentsatz ( aus naheliegenden Gründen) etwas höher sein.

Aber Tatsache ist, das ich mit meiner Meinung auch nicht allein stehe .....ätsch.

Ein Klassiker, ja ...ein Meilen- vielleicht sogar ein Grundstein der phantastischen Literatur, ohne Frage.....aber ein 'gutes Buch' ?
Nein....


Gwenhwyfar - 05.11.2002 hat geschrieben:
Ein Klassiker, ja ...ein Meilen- vielleicht sogar ein Grundstein der phantastischen Literatur, ohne Frage.....


Schließen diese Kriterien nicht mit ein, daß das Buch anspruchsvoll und "gut" sein müßte? :engel2: "Gutes Buch" - was genau versteht Ihr darunter? Mir kommt es hier eher vor, als meint Anakin, trotz anderer Erklärung, ein Buch, daß ihm gefällt und Stephy sieht es allgemeiner.
Nun, "Frankenstein" ist anspruchsvoll, tiefgründig, spannend, modern, wegbereitend - wenn einem der Stil nicht gefällt, denke ich auch, dies ist ein subjektives Einschätzen. Ansonsten schließe ich mich Stephy an.

"Ein Klassiker ist ein Buch, das niemand gelesen hat, aber jeder zu kennen glaubt"

*lach* Diesen Spruch halte ich für augenzwinkernd und an eigentlich unwissende, nachplappernde Klugscheißerchen gerichtet. Also, auf den würde ich schon mal gar nicht setzen, was Klassiker betrifft. :sweet
Er zeigt aber auch. wie schwer es ist, diesen Begriff "Klassiker" zu definieren, denn literaturhistorisch gesehen ist die Klassik eine Epoche - so meinen ja wir das zum Beispiel nicht, wenn man sich mal die Liste der Bücher ansieht, die wir unter "Klassiker" gestellt haben. Vielleicht kann man es ganz salopp so ausdrücken: ein Buch, welches über viele/mehrere Zeitströme hinweg beliebt und ansprechend geblieben ist (viele unterschiedliche Generationen begeisterte), welches über die Zeit zum Kulturgut wurde, welches nichts von seinem Reiz verloren hat, welches zeitlos ist.


stephy - 05.11.2002 hat geschrieben:@ Gwen

Vielleicht kann man es ganz salopp so ausdrücken: ein Buch, welches über viele/mehrere Zeitströme hinweg beliebt und ansprechend geblieben ist (viele unterschiedliche Generationen begeisterte), welches über die Zeit zum Kulturgut wurde, welches nichts von seinem Reiz verloren hat, welches zeitlos ist.


Der Satz der Sätze! Ich denke, das sagt alles und ich schließe mich dem vollkommen an.
"Dracula" ist ja auch ein Klassiker, obwohl ich persönlich nicht soviel mit dem Buch anfangen konnte - ich würde aber nie wagen zu behaupten, das Buch sei scheiße. Es hat mir persönlich nicht so gefallen, ein Klassiker bleibt es und wird es auch immer bleiben - und das ist gut so!

"Gutes Buch"... Könnte man wieder einen Thread aufmachen und drüber diskutieren, was ein gutes Buch denn nun wirklich ist... :mrgreen:
Ich halte den Begriff für rein subjektiv. Dem Einen gefällt das, dem Anderen das. Man kann nicht allgemein sagen, was ein gutes Buch ist. Jeder spricht hierbei von seiner ganz persönlichen Meinung.
Meiner Meinung nach.. :)

"Frankenstein" ist zeitlos. Man wird es in hundert Jahren immer noch lesen, wenn Shelley noch länger tot ist als jetzt schon. Es ist einfach schon vom Thema her sehr ansprechend und immer wieder aktuell. Ich denke nicht, daß es Leute gibt, die behaupten, einen Klassiker gelesen zu haben, obwohl das nicht stimmt. Warum sollten sie auch? Verstehe ich nicht so ganz... Aber glaubst Du im Ernst, anakin, daß so der Mythos um "Frankenstein" entstanden ist und auch auf diese Art und Weise das Buch an Popularität gewonnen hat?
Das denke ich echt nicht, denn der Roman hat mächtig was auf der Pfanne... Zumindest jetzt meiner ganz persönlichen Meinung nach...

Und was Shelleys "Popularität" betrifft... Das bedauere ich auch sehr, daß sie niemand kennt, aber andererseits sieht man, daß in erster Linie ihr Werk im Vordergrund steht. Wer kennt heutzutage schon den Autor von "Peter Pan"? Das sind ganz wenige, weil die Werke allein schon mächtig bekannt sind, so groß, daß sie den Namen des Autoren ganz verschlucken. Vom Hörensagen kennt jeder Frankenstein und Peter Pan, aber wer diese Werke geschrieben hat, das wissen wohl eher weniger.
Spricht meiner Meinung nach nicht gegen Shelley, sondern für sie.


Griasle,
stephy


anakin - 05.11.2002 hat geschrieben:
stephy hat geschrieben: Vom Hörensagen kennt jeder Frankenstein und Peter Pan, aber wer diese Werke geschrieben hat, das wissen wohl eher weniger.

..und genau da greift 'meine' Klassiker-Definition wieder, nicht wahr ? :wink:

Und was die Popularität von 'F.' angeht...das ist kaum Shelley´s Verdienst.
Das Buch war zu seiner Zeit ein ziemlicher Flop (was ja btw an irgendetwas liegen muß ) und wurde erst später , unter anderem eben durch die Film-Bearbeitungen, zu dem Klassiker, der es heute ist.


Gwenhwyfar - 05.11.2002 hat geschrieben:Bist Du Dir sicher, was den Erfolg des Buches betrifft? Mhm, kann ja mal jemand recherchieren. :sweet
Und ich denke, man muß einen großen Unterschied zwischen dem Buch "Frankenstein" und dem Filmmythos "Frankenstein" ziehen - dieser hat, bis auf wenige Ausnahmen, fast nichts mit dem eigentlichen Buch zu tun, sondern basiert auf richtige Plüsch-Horrorfilme...eine Sache, die ebenfalls die Dracula-Gestalt betrifft, nur nicht in diesem Ausmaß - was vielleicht daran liegt, daß Vampire faszinierender sind und sich dann doch mehr Leute mit diesem Buch befaßten.
stephy hat folgendes geschrieben::

Vom Hörensagen kennt jeder Frankenstein und Peter Pan, aber wer diese Werke geschrieben hat, das wissen wohl eher weniger.


..und genau da greift 'meine' Klassiker-Definition wieder, nicht wahr ?

"Dein" Satz:
"Ein Klassiker ist ein Buch, das niemand gelesen hat, aber jeder zu kennen glaubt"

Ja, in dem Fall hast Du recht, aber ich meinte mit meiner Interpretation dieses Satzes nicht, daß Du ein Klugscheißer wärst, sondern daß der Satz sich an Klugscheißer richtet. :sweet
Eine allgemeine Definition ist es jedenfalls nicht.


Gwenhwyfar - 05.11.2002 hat geschrieben:Durch den Erfolg ihres Frankenstein Romans widmete sie sich fortan der Schriftstellerei. Von ihren späteren Werken ist The Last Man hervorzuheben. Der 1844 erschienene Roman handelt vom Untergang der Menschheit im 21. Jahrhundert. Mary hatte nach dem Tod ihres Mannes nicht wieder geheiratet. Sie starb 1851 in London.

Na, das Buch war wohl doch schon zu Shelleys Lebzeiten ein Erfolg. :P

Eine Definition von Klassiker:
Klassiker [bei der röm. Einteilung der Bürger nach ihrem Vermögen waren die classici die Angehörigen der reichsten Gruppe], als vorbildlich anerkannter Schriftsteller, dann großer anerkannter Meister in Künsten oder Wiss. überhaupt.

Zu Mary Shelleys geringer Bekanntheit und "Frankenstein":
Worum es mir hier allerdings vor allem geht: dass Mary Shelley es rein literarisch (fiktional) geschafft hat, einen Menschen (nämlich den Dr. Frankenstein) "in die Welt zu setzen": dass aus reiner Druckerschwärze eine Figur entstand, die über Jahrhunderte im Gedächtnis der Menschheit blieb, und zwar derart erfolgreich, dass sie sich verselbstständigte: viele werden wohl Frankenstein "kennen", aber nicht wissen, dass er von Mary Shelley erfunden wurde.

Es mag laut Ernst Bloch das höhere Ziel eines Genies sein, seinen Namen in die Ewigkeit einzumeißeln, also etwas zu schaffen, was das Genie lange Zeit, wenn nicht gar "für die Ewigkeit" überdauert.
Aber ist das nicht eine fatale Hoffnung?:
schaffen das nur ganz wenige, nämlich nur die wahrhaft Großen,
"haben" ja nicht mal diese was davon: sie sind längst tot, nur ihr Werk überlebt; und wenn ihr Werk erst postum berühmt wird, haben sie im Leben nie etwas davon erfahren;
und vor allem aber: wie steht´s mit eben jenen AutorInneN, deren Figuren erfolgreicher sind als ihre Schöpfer, ja bei denen die Figuren derart erfolgreich waren, dass sie ihre Schöpfer vergessen machten?
Und dennoch: ist nicht Letzteres das Größte, was einem Autor überhaupt gelingen kann?:
Mit Druckerschwärze Figuren (eigene Kinder) "in die Welt setzen", die sich verselbstständigen, tatsächlich Menschen bzw. geradezu Archetypen werden - und unsterblich werden: nicht wie Ahasver, der ewige Jude, der vom Antisemitismus verurteilt war, ewig durch die Weltgeschichte wandern zu müssen, sondern im positiven Sinne, dass sie ewig "wandern" dürfen.
Sollte ein Autor (natürlich nur zu Lebzeiten) stolz darauf sein, wenn seine Figur "für alle Zeit" weltberühmt wird, er aber dahinter verschwindet?
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