Herr der Fliegen (William Golding)

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

Moderator: Gwenhwyfar

Jules Verne?

Beitragvon stephy » Mittwoch 10. Juli 2002, 05:08

Also noch während ich damals "Herr der Fliegen" las, sind mir sehr viele Parallelen zu Jules Vernes Roman "Zwei Jahre Ferien" aufgefallen. Kennt jemand von Euch das Buch?
Ich bin schließlich in die Bücherei gegangen (weil mir das keine Ruhe mehr gelassen hat) und hab Entstehungszeiten der Bücher verglichen. Und siehe da; Verne war zuerst da! Ehrlich gesagt hab ich mir das gleich gedacht... ;)

"Herr der Fliegen" ist kein schlechter Roman. Mir hat er ganz gut gefallen, wobei ich ja schon durch Verne verwöhnt worden bin und deshalb meine Euphorie stark abgeschwächt wurde. Aber ist kein schlechtes Buch, schlecht ist "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin --- und genau DAS muß ich in ein paar Stunden in der Schule lesen! :evil:

Gruß!
stephy
... die gleich tot in Ohnmacht fällt
Benutzeravatar
stephy
Literaturkritiker
 
Beiträge: 1040
Registriert: Montag 26. Februar 2001, 01:01
Wohnort: Nürtingen

Beitragvon Veit » Mittwoch 10. Juli 2002, 06:32

Hm...Also ich las das Buch vor 3 Jahren. Lang lang ist's her, von einer Verfilmung weiß ich gar nichts.


Ich litt die meiste Zeit mit dem armen "Piggy", der immerzu aufgezogen wurde von seinen Kameraden, dabei trug er die Brille um Feuer zu machen.

Ansonsten sehe ich das so wie Gwen es vorzüglich beschrieben hat. Es geht nicht um die Katastrophe, um den Absturz oder was auch immer, das ist nur der gerade nötige Rahmen in den die eigentlich Message gebettet ist, um die es Golding geht. Es geht um die Kinder, wie sie sich verhalten auf einer Insel ganz ohne Erwachsene.....und was sie schließlich für ein "Gesellschaftssystem"(Ich nenn's mal so, denn sie sind die einzigen die die Insel bevölkern) aufbauen ist erschreckend. Aber natürlich Goldings ganz persönliche Ansicht, vielleicht würden die Kinder auch in alle Ewigkeit Käsekästchen am Strand spielen...aber das glaube ich weniger. Aber das Ende auf dem Schiff finde ich auch grandios, wie dieser Offizier oder General (keine Ahnung von den Authoritäten) auf diese verwahlosten Kinder blickt.

So, ich muß zur Arbeit (heute bis 21 Uhr *heul*) und reich die Muschel mal weiter an andere :wink:
~*Tor! du suchst, was hienieder nicht zu finden ist. Aber ich habe sie gehabt, ich habe das Herz gefühlt, die große Seele, in deren Gegenwart ich mir schien mehr zu sein, als ich war, weil ich alles war, was ich sein konnte (J.W.G.D.L.D.J.W.)*~
Benutzeravatar
Veit
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 49
Registriert: Donnerstag 8. März 2001, 01:01
Wohnort: Marburg an der Lahn

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Mittwoch 10. Juli 2002, 08:22

Ich hab zu dem Buch schon alles gesagt und wiederhol mich nicht nochmal.. Im Nachhinein fand ich die Sprache recht abtörnend, hat mir nicht so gefallen.
@stephy, jep, ich kenn "Zwei Jahre Ferien".. :mrgreen:
Mir ist damals genauso die Parallele aufgefallen. Bei Jules Verne verläuft das ganze aber vergleichsweise harmloser.
~*~ Der Zauber existiert ... ~* ~
Benutzeravatar
Ginny-Rose_Carter
Moderatorin und Forumsinventar
 
Beiträge: 1149
Registriert: Mittwoch 26. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Köln

stimmt

Beitragvon stephy » Mittwoch 10. Juli 2002, 12:46

Stimmt, Ginny, aber wenn wir schon mal bei der Sprache sind: Jules Vernes Buch ist ein "bißerl" besser... ;) Was meinst Du?

Gruß,
stephy
... die gleich tot in Ohnmacht fällt
Benutzeravatar
stephy
Literaturkritiker
 
Beiträge: 1040
Registriert: Montag 26. Februar 2001, 01:01
Wohnort: Nürtingen

Beitragvon Gwenhwyfar » Mittwoch 10. Juli 2002, 14:41

Tja, wie schnell man seine Meinung ändern kann...um "Drei Jahre Ferien" ging es doch auch schon bei "Lieblingsbücher", oder? :roll:

Ich halte das Buch immernoch für poetisch.
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Mittwoch 10. Juli 2002, 14:52

Genau Stephy.. Allerdings habe ich nie das Original vom "Herrn(n) der Fliegen" gelesen und weiss nicht obs nur an der Übersetzung lag. Es ist eben recht altmodisch übersetzt und diese Sprache mag ich so gerne. Das sind nur Kleinigkeiten, aber sie verhindern bei mir z.B., dass ich ein Buch das mich ansonsten fasziniert (wie bei Golding eben) zu meinen Lieblingsbüchern zählen kann. Ich kanns weiterempfehlen und sehr gut finden, auch mehrmals lesen, aber etwas Distanz bleibt.

Das hab aber früher schon gesagt, ist also nix neues.

Umgekehrt genauso, wenn ich ein Buch sehr gerne lesen und toll finde, und mir dann der Schluss nicht ganz gefällt.

Dafür, dass es ja auch schon alte Wälzer sind finde ich, dass man Jules Verne aber sehr gut lesen kann.

Vom Inhalt her gefiel es mir schon besser, dass es bei Verne nicht so dramatisch wurde. Das Buch von Golding ist aber eben wohl eher als Parabel zu betrachten und bei Verne gehts mehr um das Abenteuer und daher ist alles nicht so krass ... glaub ich. :mrgreen:
~*~ Der Zauber existiert ... ~* ~
Benutzeravatar
Ginny-Rose_Carter
Moderatorin und Forumsinventar
 
Beiträge: 1149
Registriert: Mittwoch 26. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Köln

Beitragvon LittleJanna » Donnerstag 11. Juli 2002, 13:58

So, ich habe gestern nacht noch "The Hole" durchgelesen (was ich hier mal irgendwann erwähnt habe). Zitat vom Klappentext:

Der Roman hat in England Kultstatus und wird von der Kritik als moderne Version von "Herr der Fliegen" bezeichnet.

Wollte euch nur sagen, dass ihr unbedingt die Finger davon lassen solltet :wink: Ein schlechteres Buch habe ich schon lange nicht mehr gelesen, die Story ist total vorhersehbar und es baut sich absolut keine Spannung auf. Nur für den Fall, dass jemandem dieses Buch in die Hände fallen sollte.

Whispering voices in my head, sounds like they're calling my name...

Bild
Benutzeravatar
LittleJanna
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 18
Registriert: Samstag 9. Juni 2001, 00:01
Wohnort: Gütersloh oder München ;-)

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Donnerstag 11. Juli 2002, 14:02

@Little Janna ... Jetzt hast Du mich aber neugierig gemacht ob es wirklich so schlecht ist ... :mrgreen:
~*~ Der Zauber existiert ... ~* ~
Benutzeravatar
Ginny-Rose_Carter
Moderatorin und Forumsinventar
 
Beiträge: 1149
Registriert: Mittwoch 26. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Köln

Beitragvon Gwenhwyfar » Donnerstag 11. Juli 2002, 14:06

Ganz ehrlich, Janna - ich sah den Film. Daher wundert es mich, was die Parallele zu "Herr der Fliegen" sein soll.
Immerhin ging es in der Handlung um eine "Intrige", und daß die Jugendlichen auf sich gestellt waren, entsprang nicht dem Zufall oder einem wirklichen Unglück.
Jedoch kann die Verfilmung auch sehr vom Buch abweichen - aber durchgeblättert hab ich schon mal in einer Buchhandlung, eigentlich kamen mir einige Stellen bekannt vor.
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon LittleJanna » Donnerstag 11. Juli 2002, 14:19

@Ginny
Ich kanns dir ja schenken

@gwenhwyfar
Den Film werde ich mir demnächst auch irgendwann mal angucken, ich hab mir das Buch auch nur gekauft, weil niemand mit in den Film wollte.
Ich denke, die Parallele besteht darin, dass in beiden Geschichten eine Gruppe von der Außenwelt abgeschnitten ist und dort langsam durchdreht. Aber das war auch alles. Das Ende habe ich allerdings nicht verstanden, weil die Erzählerin im Anhang irgendwie als schizophren beschrieben wird und der Schluss deshalb keinen Sinn mehr ergibt. Wie war es denn im Film?

Whispering voices in my head, sounds like they're calling my name...

Bild
Benutzeravatar
LittleJanna
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 18
Registriert: Samstag 9. Juni 2001, 00:01
Wohnort: Gütersloh oder München ;-)

Beitragvon Gwenhwyfar » Donnerstag 11. Juli 2002, 14:56

Achtung Spoiler! :P
Also, im Film "The Hole" ist das Ende überraschend, was nicht heißt, daß es gut war...die Hauptperson, dieses etwas unscheinbare Mädchen, torkelt am Anfang aus dem unterirdischen Loch raus und erzählt ihre Version der Geschichte, in der ein Freund von ihr, der mit ihr und den anderen Eingeschlossenen angeblich ein Experiment machen wollte, einfach die Leute aus diesem "Verließ" nicht mehr rausholte. Ihre Geschichte hat ein Happy End, welches aber nicht der Realität entspricht. Daher gehen Ärzte davon aus, sie stehe unter Schock und braucht einen Psychater.
Durch die ihr zugewiesene Psychaterin kommt die wahre Geschichte heraus, die eskalierte...und zwar nur, weil das Mädchen in einen Jungen der Schule verliebt war und durch eine Extrem-Situation sein Herz gewinnen wollte, was ihr benahe gelang, auch wenn sie über Leichen ging.
In dieser Handlung ist das Ab-/Ausgeschlossen sein von der Gesellschaft nicht mit den Erfahrungen und Ereignissen von "Herr der Fliegen" vergleichbar. Dann bei Goldings Roman entwickelt sich alles zufällig und ohne Absicht - in dieser Geschichte ist es ein abgeklärtes Spiel, welches seine Bahnen verliert - denn die Hauptperson besaß die ganze Zeit über die Schlüssel zum Rauskommen aus dem Loch, wo sie waren.
Einzige Ähnlichkeit für mich (die ich für einen direkten Vergleich wirklich zu gering halte), ist das ungewollte böse Verlaufen einer fast harmlos begonnenen Sache.

Ich denke eher, der Vergleich wurde gebracht, auch wenn er fast an den Haaren herbeigezogen ist, weil man das Buch so besser verkaufen konnte. :P
Zuletzt geändert von Gwenhwyfar am Donnerstag 10. Februar 2005, 22:43, insgesamt 1-mal geändert.
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

Beitragvon LittleJanna » Donnerstag 11. Juli 2002, 15:22

Gut, das Buch ist dann doch um einiges anders!
Achtung, noch ein Mega-Spoiler (falls jemand doch noch das Buch lesen möchte :wink:):
In dem Buch ist nämlich das Mädchen (die Erzählerin, Liz) der kluge Kopf, die immer vorrausdenkt und letztlich alle befreit. Das ganze Buch wird sozusagen von ihr niedergeschrieben, deshalb wechseln die Erzählungen der Ereignisse im Loch ständig mit irgendwelchen Hintergrund-Geschichten, die sich lange vorher ereignet haben. In diesen Hintergrundgeschichten geht es um ein Mädchen (Lisa), das mal die Freundin von dem Kerl (Martyn) war, der sie in das Loch gesperrt und nicht mehr befreit hat. Der Anhang der Buches ist wie eine Textanalyse geschrieben und interpretiert die Ereignisse. Es wird angenommen, dass Liz und Lisa ein und dieselbe Person sind, wegen vielen parallelen Erlebnissen und den fast gleichen Namen. Im Loch erkennt Liz nämlich nebenbei, dass dieser Martyn sie die ganze Zeit belauschen kann und blufft deshalb, dass sie jemandem von dem Loch erzählt hat und dass sie am nächsten Tag gerettet werden. Dadurch wollen sie erreichen, dass Martyn die Tür öffnet, da er sonst wegen versuchten Mordes angeklagt werden kann. Stattdessen öffnet Lisa die Tür und lässt sie raus, weshalb ich allerdings das Ende nicht verstehe. Angeblich sollen ja Lisa und Liz die gleichen Personen gewesen sein, wer also hat sie gerettet? Die Beziehung zu einem Jungen aus dem Loch ist dabei eher nebensächlich und sie haben sich vorher nie wirklich gekannt. Außerdem fehlt im Film auch eine Person, die im Buch mit im Loch eingeschlossen ist. Wie ich gerade gesehen habe, ist das Buch aber nicht nach dem Film geschrieben worden, sondern das Buch wurde verfilmt (da war ich mir erst nicht so sicher).
Da ist es ein kleines Experiment, das nach drei Tagen zuende sein sollte, aber weitaus länger dauerte als geplant. Da das Essen und Wasser immer knapper wird, gibt es Streit und "Schlägereien" darum, bis letztlich alle ausrasten. Diese Eskalation der Situation soll wohl die Parallele zu "Herr der Fliegen" darstellen.

Das Filmende finde ich aber absolut bescheuert :(

Whispering voices in my head, sounds like they're calling my name...

Bild
Benutzeravatar
LittleJanna
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 18
Registriert: Samstag 9. Juni 2001, 00:01
Wohnort: Gütersloh oder München ;-)

Beitragvon Gwenhwyfar » Donnerstag 11. Juli 2002, 16:03

Ja, so steht es in den Kinoblättern, aber wie schon erwähnt, der Typ, der alle einschloß wird als Schuldiger dargestellt, bis das Blatt sich wendet und die eigentliche Schuldige gezeigt wird - mir gefiel der Film auch nicht so besonders. Hatte mir besseres vorgestellt, da in allen Kritiken, die ich las, nichts verraten und nur angedeutet wurde. Somit ging ich mit größeren Erwartungen in den Film.
Aber, um beim Thema zu bleiben, in der Verfilmung ist nichts vom Goldingschen Zeigefinger zu finden, es geht eher um Intrigen und enttäuschte, abgewiesene Mädchenherzen. :roll:
...those were the days...der Rest ist sunshine.
Bild
"Mädchen - großer Gott. Sie können einen verrückt machen, wirklich."~H.C.~
Benutzeravatar
Gwenhwyfar
Moderatorin
 
Beiträge: 785
Registriert: Freitag 7. Dezember 2001, 01:01
Wohnort: Hamburg

der herr der fliegen

Beitragvon sweetangel16 » Dienstag 26. November 2002, 21:18

Das ist aber meißtens so, das die Kinofilme sich darauf festlegen eher Intrigen in ihre Geschichten einzubringen als sich auf dem wessentlichen, dass das Buch vorher hergibt , zu spezialliesieren.
Ich denke, wenn es nicht so wäre, würde ein Grossteil der Bevölkerung nicht mehr daran interessiert sein ihn zu sehen
sweetangel16
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch 24. Juli 2002, 13:11
Wohnort: Duisburg im schönem NRW, beim Melo um die Ecke

Beitragvon MisterQ » Dienstag 26. November 2002, 21:43

Wollte nur mal sagen, dass ich das Buch auch gelesen habe. Bin gerade vor zwei Wochen damit fertig geworden.
Da ich aber die letzten 6 Seiten dieses Threads nicht gelesen habe, möchte ich mich erstmal nicht so umfangreich äußern, denn Wiederholungen sind zu erwarten.
Mir hat dass Buch gefallen, etwas Besonderes war es aber absolut nicht...
Expect The Unexpected, Observe The Invisible, Don´t Despair Of Words...This Is 'Q' speaking
Benutzeravatar
MisterQ
Des Lesens mächtig
 
Beiträge: 21
Registriert: Dienstag 30. Januar 2001, 01:01
Wohnort: Deutschland, Hannover

VorherigeNächste

Zurück zu Klassiker

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron