Michael Jackson - Moonwalk

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Michael Jackson - Moonwalk

Beitragvon kingdom » Samstag 19. November 2005, 00:02

Zur Zeit von Michaels Kindheit lebten die Schwarzen im schon relativ weit entwickelten ‚weißen Amerika’ noch immer am Existenzminimum, und auch Joseph Jackson arbeitete hart, um seine große Familie über die Runden zu bringen. Gerade in jenen Zeiten war Michael als farbiges Kind aus einer Arbeiterfamilie der Umbruchssituation der gesamten amerikanischen Kultur ausgesetzt. Die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen kämpfte um deren Gleichstellung, doch bis zum ‚Civil Rights Act’ aus dem Jahre 1964 bestimmte die Diskriminierung der Farbigen in öffentlichen Einrichtungen, im Schulwesen und am Arbeitsplatz das Land. Das Leben der Farbigen in diesen Zeiten bestand aus dem Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit, und dafür wurden Opfer erbracht. ‚Black Power’ als Schlagwort ihres kulturellen Erbes repräsentierte ihren Kampfgeist. Dieser Tradition und Kultur verhaftet erscheint die Willensstärke Michael Jacksons und seiner Familie nicht verwunderlich, ihr globaler Erfolg jedoch um so mehr. Den Rassenkampf kannten die Jacksons zur Genüge: Innerhalb des Showgeschäftes galt es, sich gegen weiße Künstler durchzusetzen, Michael selbst soll einmal von einem weißen Tankstellenbesitzer, der ihn nicht erkannte, aufgrund seiner Hautfarbe verprügelt worden sein (Jackson, LT., S. 144f), und sogar sein Vater stritt sich mit - weißen - Managern mit rassistischen Argumenten (Taraborrelli, S. 301; Jackson, LT., S. 132). Und auch wenn Michaels reguläre Aufnahme in die Airplays weißer Radiostationen und TV-Musiksender wie MTV als erster schwarzer Künstler bannbrechend war, so geschah dies trotz seiner Weltberühmtheit erst sehr spät, in den 80er Jahren.
Michael Jackson in seiner Person repräsentiert also ein Stück des Rassenkampfes in den Vereinigten Staaten und stand diesbezüglich zeitlebens in einem starken Spannungsfeld. Die spätere Anerkennung seiner Person und Musik in der weißen Kultur brachte ihm jedoch sowohl Gegner in farbigen wie auch weißen Kreisen, nicht zuletzt, da er plötzlich selbst immer hellhäutiger und damit von beiden Seiten beschuldigt wurde, seine Rasse verraten zu wollen. Dass Jackson unter einer Hautkrankheit leidet, die zu einem Pigmentverlust führt, scheint dabei gesellschaftlich gesehen uninteressant. Wichtig ist hier nicht der Mensch, sondern der Erfolg einer diskriminierten Minderheit, der durch seine Weltkarriere propagiert zu werden scheint. Denn immerhin geht es um einen aus den ärmsten Verhältnissen aufgestiegenen schwarzen Jungen, der plötzlich sogar die Reichsten der weißen Gesellschaft übertrumpfte, zum Idol für Generationen aller Rassen und Nationen aufstieg und für den letztendlich der Begriff ‚Megastar’ erfunden werden musste. Die umstrittene Kultfigur des Michael Jackson zeigt, dass wir trotz gesetzlicher Gleichberechtigung auch heute weltweit noch weit entfernt sind von einer vorurteilsfreien Gesellschaft.
Betrachtet man diesen Hintergrund, so erscheint es wohl verwunderlich, dass ein Erfolgs- und Machtmensch wie Michael Jackson, ein Kämpfer und Vorbild, wenn er sich außerhalb seiner Musik äußert, dann nicht wie viele andere seine Machtposition nutzt, um sich politischen Geschehnissen zuzuwenden, sondern sich vielmehr immer wieder öffentlich entblößt, sich als Opfer darstellt, Schwächen zeigt und wie kein anderer seine verlorene Kindheit betrauert. Obwohl seine Situation sicherlich eine einzigartige war und ist, durchlebten auch viele andere Jungstars oder arbeitende Kinder seine Erfahrungen des Verlustes kindlicher Freiräume und Spielmöglichkeiten. Dennoch bleiben die meisten nicht so in ihrer Kindheit verhaftet wie Jackson. Anstatt sich als der Kämpfer darzustellen, der er sein Leben lang offensichtlich war, zieht Michael offensichtlich ein anderes Image vor, was mehr seinen inneren Bedürfnissen entspricht: Immer noch sucht er nach jener unbedingten Form der Liebe, die ihm nie zuteil wurde. Aus dieser Opferhaltung heraus widmet er sich dem Wohle aller Kinder der Welt - die Forderung nach Respekt der Menschen untereinander und Gleichberechtigung von Rassen und Nationen klingt dabei zwar stets an, steht aber nicht all zu sehr im Vordergrund
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