Das Lexikon der Großstadtmythen

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Das Lexikon der Großstadtmythen

Beitragvon susa » Sonntag 4. Juni 2006, 18:03

Nun, ist das Buch jemanden bekannt?
Bernd Harder deckt auf wirklich amüsante Art und Weiße die ganzen düsteren Legenden auf, mit dene wir uns rumschlagen und von denen wir ganz sicher wissen, dass sie wahr sind, weil dem Freund eines Freundes etwas bestimmtes zugestossen ist. :P
Es geht um Esoterik (beispielsweiße Feng Shui, das eigentlich für Grabstättenordnungen verwendet wurde oder auch Astrologie), Gesellschaftsmythen (LSD auf Klebebildern und oder Anschläge mit Aidsspritzen), Ausserirdisches (das Bermuda- Dreieck, an dem so gar nichts unheimliches dran ist), Medien (Alles wo "Nach einer wahren Begebenheit" draufsteht sollte man offensichtlich mit Misstrauen betrachten :P), Medizin (endlich jemand der klarstellt was für ein Blödsinn Bachblüten und Homöopathie doch sind!), Prominente und so weiter und so fort..
Ach ja, Bigfoot und die Alligatoren in der Kanalisation haben auch ihren Auftritt, ebenso wie die Area 51 und Nessie. :mrgreen:
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Beitragvon Gwenhwyfar » Sonntag 4. Juni 2006, 21:01

Viel Potential für Ammenmärchen also. :mrgreen:
Ich kenne das Buch nicht, würde mich aber freuen, wenn Du hier mal posten könntest (am liebsten wäre mir ausführlich *hüstel*), was der Autor über die Bach-Blüten-Therapie schreibt. Habe bei Erkundigungen darüber leider immer nur an "negativen" Kritiken "eine Wirkung ist nicht nachgewiesen" und nur einmal (!) "für trockene Alkoholiker nicht geeignet" gefunden. :aehm Vor einem halben Jahr probierte ich sie aus, und fand sie irgendwie vom innerlichen Gefühl her bedenklich. :rolleyes:
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Beitragvon susa » Sonntag 4. Juni 2006, 21:56

Ich machs mal auszugsweiße, sonst müsst ich drei Seiten abtippen:

Mit Blüten, die am Ufer eines Baches gepflückt werden, hat die Bach- Blüten- Therapie nichts zu tun. Sie ist nach dem englischen Arzt und Homöopathen Dr. Edward Bach benannt, der sich um 1930 aus seiner Londoner Praxis zurückzog und in der Abgeschiedenheit der unberührten walisischen Landschaft nach "seelisch wirksamen Pflanzen" als Allheilmittel gegen "energetische Schocks" auf feinstofflicher Ebene suchte- bei körperlichen, seelischen und psychosomatischen Krankeheiten[...].

In der Tat lassen sich weder die Pflanzenauswahl noch die rituelle Herstellung der Blütenessenzen wissenschaftlich begründen. Die Mittel werden aus Pflanzen hergestellt, wie sie zu Dr. Bachs Lebzeiten in dessen unmittelbaren Wohnumfeld wuchsen. Und zwar nach einem nahezu alchimistischen Verfahren, bei dem es mitnichtem um die Extrahierung von Wirkstoffen im üblichen Sinn geht: die Blüten werden an einem sonnigen Morgen vor neun Uhr gepflückt (malerisch, oder? :P), in eine Schale mit Quellwasser eingelegt und mit einem Zweig derselben Pflanze wieder herausgefischt. Während dieser Zeit soll das Quellwasser "Heilenergie" aus den Blüten aufnehmen. (alles klar :aehm). Schließlich wird die Flüssigkeit mit der gleichen Menge Alkohol versetzt und dann im Verhältnis 1:240 mit Wasser verdünnt. Das ergibt die Bach- Blüten- essenzen. Zum Einnehmen gibt man drei Tropfgen in ein Wasserglas.
Das Münchner "Forum Kritische Psychologie" hat eine Prämie in Höhe von 5000 Euro für denjenigen ausgeschrieben, der nach Entfernen der Etiketten von zehn beliebig ausgewählten Bach- Blüten- Fläschchen die darin enthaltenen Essenzen korrekt benennen kann- unter Zuhilfenahme jedes beliebigen Analyseverfahrens. Bis heute wurde das Geld von niemanden eingefordert.
Das verwundert nicht, denn die Mittel enthalten erwiesenermassen kein einziges Molekül irgendeiner Wirksubstanz.
Laut Dr. Bach ist das auch gar nicht notwendig. Denn Krankheiten waren für den englischen Arzt eine Folge des "Konfliktes zwischen spirituellen Selbst und Persönlichkeit". Das heißt: Auslöser von Krankheiten sind letztendlich Charakterschwächen. Bevor eine Krankehit sich im Körper zeigt, hat sie sich seelisch vorbereitet, etwa durch Stolz, Habgier, Egoismus, Unsicherheit, Verzweiflung, Übereifer oder Hass. Genau 38 negative Gemütszustände diagnostizierte Bach[...] zugleich kreirte er in seinen letzten Lebensjahren 38 pflanzliche Substanzen als Heilmittel.[...]

Die Bach- Blüten- Therapie beruht als nicht auf pharamakologisch wirsamen Substanzen, sondern auf der "geistigen Kraft der Pflanzen.

[...]Ernst zu nehmende Dokumentationen und Untersuchungen fehlen, etwaige positive Effekte der Mittel beruhen auf Erwarung und Suggestion. Zur Selbsthilfe bei harmlosen Stimmungsschwankungen mögen Bach- Blüten akzeptabel sein. Wer bei schweren Erkrankungen auf die Blütenmittel vertraut, bringt sich in Gefahr. Mittlerweile steht die Bach- Blütentherapie in erbitterter Konkurrenz zu einer Unzahl eigenständiger Blüten- Systeme, von "Österreichischen Alpneblütenmitteln" über "Green- Man- Tree- Essenz" bis hin zu "Hawaii- Flowers".


Ich halte von sowas ja generell gar nichts. :aehm
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Beitragvon Gwenhwyfar » Montag 5. Juni 2006, 11:05

Dankeschön. Leider wußte ich das alles schon. :mrgreen:
Schade, ich dachte, es gäbe genauere wissenschaftliche Untersuchungen bezüglich "schädlicher Inhaltsstoffe".
Ich persönlich empfand gerade die hochkonzentrierte Alkohollösung (glaube, es ist Brandy), welche man sich in Wasser tröpfelt, ziemlich bedenklich. Leider fand ich nie etwas bezüglich Bach-Blüten und Kinder.
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Beitragvon Levia » Sonntag 18. Juni 2006, 11:24

Ich hab das "Lexikon der Großstadtmythen" und fand es toll als ich es gelesen hab, hatte es mir auch auf deine Empfehlung hin gekauft, Susa, glaub ich..
Mag diese Art von Büchern, hab mich des öfteren in den Ammenmärchen wiedererkannt, also, dass auch ich an sie geglaubt hab oder die Geschichte sogar an mir vorbeigezogen ist, zB die Geschichte mit der AIDS Spritze.. Die hat bei mir damals in der Schule eine Runde gedreht..
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Beitragvon susa » Sonntag 18. Juni 2006, 13:19

Levia hat geschrieben: zB die Geschichte mit der AIDS Spritze.. Die hat bei mir damals in der Schule eine Runde gedreht..


Yep, die wurde in meinem Bekanntenkreis auch als wahre Geschichte gehandelt. :P

Es gibt übrigens ein weiteres Buch dieser Art, nämlich Wussten Sie das auch schon von Mitchell Symons. Das ist die Fortsetzung von ..tataaa.. Wussten Sie schon, wobei ich diesen Band nicht kenne. Ist unheimlich amüsant zu lesen finde, mit so nutzlosen Wissen wie:
*ein neugeborenes Kanguruh passt auf einen Teelöffel
*der längste im Körper eines Menschen nachgewiesene Bandwurm maß 33 Meter
*Mitsubishi brachte den Pajero 4WD auf den Markt, ohne sich darüber zu informieren dass dies das spanische Wort für W*chser ist
*König Ludwig XIV badete in seinem ganzen Leben nur dreimal
*Die Firma Nike drehte einen Werbespot für Wanderschuhe in Kenia und setzte dafür Männer vom Stamm der Sanburu ein. Einen von ihnen konnte man- in seiner Sprache Maa- sagen hören: Die will ich nicht. Gebt mir große Schuhe.
*Wenn man ihnen einen Stift zum Ausprobieren gibt, schreiben 97% aller Menschen als Erstes ihren Namen
*Der Name Wendy wurde für das Buch Peter Pan erfunden

Sind nur lauter so Kleinigkeiten, dann noch Zitate oder auch amüsanten Fakten zu irgendwelchen persönlichkeiten, aber ich mag diese Art von Informationen einfach. :sweet
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