Eva Herman

Zahlen, Daten, Fakten

Moderator: theklaus

Beitragvon Bangor » Mittwoch 26. September 2007, 08:44

Wahrscheinlich auch falsch verstanden.
Nein, aber möglicherweise gehörte das schon zur Kampangie.

Wir kommen echt noch dahin, dass man die Nazizeit nicht mal mehr erwähnen darf, ohne die "Konsequenzen" tragen zu müssen.

Ich bleibe dabei: So schlimm fand ich die Aussagen nicht.
Bangor
 

Beitragvon stephy » Mittwoch 26. September 2007, 09:02

Bangor hat geschrieben:Nein, aber möglicherweise gehörte das schon zur Kampangie.


Uuuuh, mich schüttelts - klingt nach Verschwörungstheorie! :heartbeat:

Vielleicht gehört die von Dir zitierte Quelle ja zu einer Rechtfertigungs-Kampagne! Schon mal Deine Quelle hinterfragt? ;)

Wir kommen echt noch dahin, dass man die Nazizeit nicht mal mehr erwähnen darf, ohne die "Konsequenzen" tragen zu müssen.

Ich glaube, Du WILLST es nicht verstehen. Gerade in Deutschland (!) hat niemand was dagegen, wenn man sich mit der Nazi-Zeit befaßt - im Gegenteil. Aber es kommt auf die Aussagen an, die man darüber macht! Eva Hermann hat wissentlich (!)... Aber das ist mir jetzt zu blöd, das nochmal zu erwähnen.

Damals, als die Bäume noch grün waren... (etc. pp.) hat Martin Walser indirekt eine Aussage über die Nazi-Zeit gemacht, die falsch verstanden wurde: Er sagte ungefähr, die Deutschen verstecken sich hinter ihrer Nazi-Vergangenheit. Dieser Aussage gebe ich voll und ganz Recht, weil sie begründet ist: Du darfst heutzutage z.B. kaum die Politik Israels kritisieren, denn tust Dus heißt es gleich, Du seist ein Nazi. --- Das meinte Walser damit. Und ich fand, er hatte Recht.

Aber Eva Hermann falsch verstanden? :ohhh: Man sagt es so, wie man es sagt. Man ist entweder der Meinung oder man ist es nicht. Ich kann ihr nach wie vor nicht zustimmen.


Ich bleibe dabei: So schlimm fand ich die Aussagen nicht.

Ich bleibe dabei: Ich fand die Aussage schlimm.

Im Übrigen diskutiere ich erst weiter, wenn das hässliche, überhebliche Akademiker-Wort "Pöbel" nicht mehr fällt. Da reagiere ich als Arbeitertochter einfach allergisch-wütend drauf.
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Beitragvon biberrulez » Mittwoch 26. September 2007, 11:23

stephy hat geschrieben:
Bangor hat geschrieben:Wir kommen echt noch dahin, dass man die Nazizeit nicht mal mehr erwähnen darf, ohne die "Konsequenzen" tragen zu müssen.

Ich glaube, Du WILLST es nicht verstehen. Gerade in Deutschland (!) hat niemand was dagegen, wenn man sich mit der Nazi-Zeit befaßt - im Gegenteil. Aber es kommt auf die Aussagen an, die man darüber macht!

So, Rückendeckung für Bangor! :gumba:
Unabhängig von dem was Eva Hermann gesagt oder intendiert hat. Der Aufruhr wurde ausgelöst, da sie mehr oder weniger die Familienpolitik des Dritten Reichs gelobt hat. Der Aufschrei wurde meiner Meinung nach losgetreten, bevor auch nur irgendeiner darüber nachgedacht hat. Irgendetwas aus der Zeit Hitlers loben? Völliges tabu und in jeder Art und Weise inakzeptabel - das ist der Grundtenor und da braucht man scheinbar nicht darüber nachdenken. Mit ihrer Äußerung wollte Frau Hermann sicherlich auf einen oder mehrere Einzelaspekte aufmerksam machen, ungeachtet dessen, dass Frauen als Gebärmaschinen missbraucht wurden. Selbst diese Formulierung ist schon viel zu subjektiv und aus unserer heutigen Sicht gefärbt.

Ein kritischer Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus findet schon lange nicht mehr statt und auf die Aussagen kommt es schon garnicht an, denn die Position, die man dazu einnehmen kann, ist schon lange vorgegeben.
Schönfärberei findet statt. Mit der selben Vehemenz, mit der sich alle Welt sofort bei Äußerungen wie denen Frau Hermanns empört, stritten die Menschen auch ab, gewusst zu haben, was in den KZs vorging.

Es wäre wirklich angebrachter, sich die Aussagen, die jemand gemacht hat, genau anzusehen (man muss sich ja nicht gleich akribische Quellenkritik betreiben ;-) ) darüber nachzudenken und abzuwarten, stattdessen gleich Hysterie. :nonono2:
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Beitragvon stephy » Mittwoch 26. September 2007, 14:23

biber:

Irgendetwas aus der Zeit Hitlers loben? Völliges tabu und in jeder Art und Weise inakzeptabel - das ist der Grundtenor und da braucht man scheinbar nicht darüber nachdenken.

Das stimmt, es IST auch inakzeptabel, irgendetwas aus Hitlers kranker Zeit zu loben. Diesen Grundtenor gibt es aber nicht, weil man nicht drüber nachdenkt, sondern, weil man SEHR VIEL darüber nachgedacht hat. Dieser Grundtenor ist völlig berechtigt.

Mit ihrer Äußerung wollte Frau Hermann sicherlich auf einen oder mehrere Einzelaspekte aufmerksam machen, ungeachtet dessen, dass Frauen als Gebärmaschinen missbraucht wurden.

Man kann doch nicht Dinge einfach so aus dem Zusammenhang herauspicken, wie es einem gefällt - und daher kann man auch nicht auf Einzelaspekte aufmerksam machen, ohne das große Ganze (eben das, daß Frauen als Gebärmaschinen mißbraucht wurden) auch nur ansatzweise zu erwähnen. Es hätte von ihr eine Bemerkung gereicht, die deutlich macht, daß sie sehr wohl weiß, was das große Ganze der Nazi-Familienpolitik war - und schon hätten sich bedeutend weniger Leute auf sie gestürzt. ;)

Ein kritischer Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus findet schon lange nicht mehr statt und auf die Aussagen kommt es schon garnicht an, denn die Position, die man dazu einnehmen kann, ist schon lange vorgegeben.
Schönfärberei findet statt. Mit der selben Vehemenz, mit der sich alle Welt sofort bei Äußerungen wie denen Frau Hermanns empört, stritten die Menschen auch ab, gewusst zu haben, was in den KZs vorging.

Eben, WEIL es einen kritischen Umgang mit der Nazi-Zeit gab (z.B. die 68er Generation hat ihn verstärkt betrieben und den heutigen Umgang wohl auch mit geprägt), findet eben KEINE Schönfärberei statt: Man sieht die Hintergründe. Z.B. sagt meine Oma manchmal: Aber Hitler hat doch Autobahnen gebaut, der war fortschrittlich eingestellt! ---- die Kehrseite der Medialle ist allerdings die, daß er die in Hinblick auf den Krieg bauen lassen hat (Panzertransporte etc.). Und so geht das weiter. Schönfärberei wäre, wenn man alles schönreden würde, die Nazi-Zeit wird alles andere als schöngeredet.

Mit der selben Vehemenz, mit der sich alle Welt sofort bei Äußerungen wie denen Frau Hermanns empört, stritten die Menschen auch ab, gewusst zu haben, was in den KZs vorging.

Du vergleichst das wirklich allen Ernstes? Kann nicht Dein Ernst sein, oder?
Eine Empörung über eine dumme Aussage von irgendeiner Pseudo-Missionarin-der-klassischen-Rollenverteilung verglichen mit den Scheuklappen der Menschen, die damals behaupteten, von KZs nichts zu wissen? Wo liegt hier der Zusammenhang?
Selbst, wenn es tatsächlich (was ich nicht glaube) VERLEUMDUNG gegenüber Frau Hermann gewesen sein sollte, kann das immer noch nicht mit der Leugnung von Massenmorden verglichen werden. Da liegen mehr als ein paar Welten dazwischen. Die Vehemenz ist eine ganz andere. Die Vehemenz - selbst wenn es VERLEUMDUNG gewesen sein sollte, selbst wenn! - mit der man empört auf solche vermeintlichen Aussagen reagiert, zeigt, daß sich die Menschen gewandelt haben, daß sofort Empörung über positivierten Nationalsozialismus aufkommt. Kein Leugnen mehr. Empörung. Und das ist vom Kern her eine gute Sache. Natürlich muß der Zusammenhang betrachtet werden. Und wozu sind Nachrichten da?

Ich hab das über Frau Hermann z.B. von der Tagesschau gehört. Lügt die etwa? Wenn die lügt, wer sagt dann die Wahrheit?
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Beitragvon Bangor » Mittwoch 26. September 2007, 20:10

Ich wüsste nicht, was "Pöbel" mit "Arbeiterkind" zu tun hat. Was "Pöbel" für mich bedeutet, habe ich gesagt und das kann auch ein Akademiker sein.

Ich finde es schlimm. Da spricht überhaupt mal jemand das Thema "Werte" an und kein Schwein interessiert sich dafür. Man kann mit Frau Herman einer Meinung sein oder auch nicht. Darum geht es auch gar nicht. Aber die Objektivität darf nicht verloren gehen.

Eva Herman äussert sich wie folgt zu dem Thema:

Seit mehr als zwei Wochen wird mir öffentlich vorgeworfen, ich hätte mich über die Familienpolitik im Dritten Reich lobend geäußert.

Dies ist erweislich falsch. Vielmehr habe ich gesagt, dass wir das Bild der Mutter wieder wertschätzen lernen müssen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus und der 68er Bewegung abgeschafft wurde
( Download: Originalzitat als mp3 / Download: Originalzitat als pdf ). Ich habe mich also nie „lobend“ über die Familienpolitik des Dritten Reiches geäußert, sondern ganz im Gegenteil, verabscheue ich rechtsradikales Gedankengut und habe das auch bei jeder Gelegenheit deutlich gemacht.

Obwohl mein Verleger und auch ich mehrfach auf die falsche Darstellung hingewiesen hatten, wurden diese falschen Aussagen bundesweit und über die Grenzen hinaus veröffentlicht.


In den Tagen nach dem 7. September 2007 erschienen in fast allen deutschen und vielen ausländischen Medien Berichte, ich hätte auf der Pressekonferenz am 6. September in Berlin die Familienpolitik des Nationalsozialismus gelobt. Aus dem Mitschnitt der Pressekonferenz
( Download: Originalzitat als mp3 / Download: Originalzitat als pdf ) geht indes das Gegenteil hervor.

Diese falsche Sachverhaltsdarstellung erfolgte zum Teil offenbar wider besseres Wissen durch Sinn entstellende Beschneidung meiner vollständigen Aussagen, deren Sinn dann im Zusammenhang mit einer tendenziösen Bewertung ins Gegenteil verkehrt wurde. Bedauerlicherweise sind entsprechende Meldungen dann auch von einigen Medien der so genannten seriösen Tagespresse ungeprüft übernommen und weiter verbreitet worden.

An dieser Stelle ist jedoch auch folgender Hinweis geboten:
Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass sehr viele Zuschriften schon vor der Veröffentlichung der vollständigen Sachlage den tatsächlichen Hintergrund durchschauten. So gehören meine Familie, meine engsten Freunde und mein Verleger dazu, die immer zu mir hielten.

Quelle

Ein interessanter Bericht dazu hier.

Ihrem Zitat..

„Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war `ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter ,das sind Familien, das ist Zusammenhalt das wurde abgeschafft.“

.. kann ich durchaus folgen und ich denke sie hat recht.

Ich rechne aber auch gar nicht damit, dass überhaupt jemand einen Fehler zugibt. Dazu gehört Rückrat und das erlebe ich sehr selten in der Öffentlichkeit.

So, von meiner Seite wurde nun eigentlich alles gesagt.
Bangor
 

Beitragvon stephy » Mittwoch 26. September 2007, 21:49

Bangor:
Ich mag das Wort "Pöbel" allgemein nicht. Es steht etymologisch gesehen fürs gemeine Volk. Manchmal wünsche ich mir eine zweite Französische Revolution her, damit man solche Wörter einfach mal in den Boden stampft. Die gehören wirklich ins Nirvana katapultiert.

Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde.


Soweit so gut. Alles in Ordnung.
Aber dann:


Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war `ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter ,das sind Familien, das ist Zusammenhalt das wurde abgeschafft

Die bösen 68er. Muß mal mein Freund fragen, ob sie so bös waren, der kommt aus der Zeit. :lol2:
Im Ernst: Mit durchgeknallten hochgefährlichen Politiker meint sie wohl Hitler, richtig? Der hat das deutsche Volk ins Verderben geführt, okay. Stimmt auch alles! Aber dann: "aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt das wurde abgeschafft."
Da hätten wirs. Demnach sagt Frau Hermann sehr wohl, daß es ein Gutes im NS-Zeitalter gab: Werte, Kinder, Mütter, Zusammenhalt ("das, was gut war!"). Oder hab ich das jetzt falsch verstanden (man kanns hinterher immer umdrehen, wenn man möchte)? Sie lobt sehr wohl die NS-Familienpolitik. Das Zitat beweist es doch!

Das Zitat kommt mir übrigens ziemlich wirr vor. Irgendwie herausgerissen. Hat sie das wirklich so gesagt?

Gruß
stephy
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Beitragvon Bangor » Donnerstag 27. September 2007, 20:43

Ja und? Heisst das denn, das es in der Nazizeit überhaupt keine Werte gab?
Also ist alles aus dieser Zeit schlecht?
Na, so einfach kann man es sich natürlich auch machen.

Frag mal Deine Oma oder sonst jemanden aus der Zeit.
Bangor
 

Beitragvon Nimrod » Donnerstag 27. September 2007, 22:00

Genau. Und jede Mainstream-Meinung ist schlecht. Irgendwie dreht ihr euch im Kreis, oder?

Der eine impliziert mit seinen Bemerkungen, selbst wenn Hitler das Penezelin erfunden hätte, wäre Penezelin böse und der andere scheint der Meinung zu sein, was die Mehrheit denkt, vor allem wenn es die BLÖD veröffentlicht hat, muß falsch sein, da es ja die BLÖD veröffentlicht und den verblödeten Pöbel gehirnwaschen hat, also müßte dementsprechend Klimaschutz von vorneherein schlecht sein, da die BLÖD ihre willenlose Leserschaft mit Klimaschutzaufklebern gekennzeichnet hat.

Zum einen bin ich teilweise über den Ton erschrocken, mit dem hier diskutiert wird. Das hat mit Diskussion doch recht wenig zu tun, und noch weniger mit dem Thema.

Mir persönlich ist Eva Herman genauso egal, und es interessiert mich überhaupt nicht, was sie gesagt hat. Meinetwegen kann sie mit Hakenkreutzflagge über den roten Platz in Moskau maschieren, das würde mich genauso tangieren wie die Biographie des komischen Superstar-Vogels. Wen interessiert das?

Eigentlich bin ich ja fast froh, dass sich hier im Forum mal wieder was tut, aber schlagt euch wegen so einer Nichtigkeit doch nicht gleich die Schädel ein.
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Beitragvon biberrulez » Freitag 28. September 2007, 07:03

stephy hat geschrieben:Das stimmt, es IST auch inakzeptabel, irgendetwas aus Hitlers kranker Zeit zu loben.
Bangor hat geschrieben:Also ist alles aus dieser Zeit schlecht?
Na, so einfach kann man es sich natürlich auch machen.
Das ist genau das, was ich mit kritischer Auseinandersetzung bzw. deren Abwesenheit meinte. Die Vorstellung, alles aus und in dieser Zeit (auch die Jahre der Herrschaft Hitlers vor dem Krieg) sei schlecht und verdammenswert, ist eine Schwarzmalerei und Dämonisierung sondergleichen und Beleidigung für jeden vernünftig Denkenden und gleichfalls eine Beleidigung für all jene, die in dieser Zeit gelebt haben. Außerdem ist es genau dieser Tenor, der schließlich dazu führt, dass keine kritische Auseinandersetzung stattfindet. Das Resultat dessen wird sein, dass man irgendwann zweifelt und das kann in niemandes Interesse liegen. Wachsender Rechtsradikalismus wird durch so eine Verteufelung angeheizt, weil selbst noch der dümmste Nazi (und dumm sind sie immerhin alle!) durchschaut, dass das nicht wahr sein kann. :mad3:

stephy hat geschrieben:Man kann doch nicht Dinge einfach so aus dem Zusammenhang herauspicken, wie es einem gefällt - und daher kann man auch nicht auf Einzelaspekte aufmerksam machen, ohne das große Ganze (eben das, daß Frauen als Gebärmaschinen mißbraucht wurden) auch nur ansatzweise zu erwähnen.
Doch kann man! Das ist das Wesen eines Vergleiches, dass man ein Vergleichsmerkmal herauspickt. Zudem hat Eva Hermann die negative Seite nicht unter den Tisch gekehrt.
stephy hat geschrieben:Z.B. sagt meine Oma manchmal: Aber Hitler hat doch Autobahnen gebaut, der war fortschrittlich eingestellt! ---- die Kehrseite der Medialle ist allerdings die, daß er die in Hinblick auf den Krieg bauen lassen hat (Panzertransporte etc.)
Wieder Dämonisierung. Freilich hatte Hitler beim Bau der Autobahnen Truppentransporte im Hinterkopf - und? Benutz einer von euch aus Empörung heute nur Landstraßen? Frauen sollten Kinder kriegen und die sollten Soldaten werden! Richtig, aber dass Babys mit ihrer Geburt noch längst nicht soweit sind, aufs Schlachtfeld geschickt zu werden, sollte man auch immer Bedenken - man kann es sich nicht so einfach machen. :gumba: (Mal davon abgesehen, keine politische Entscheidung, die dem Volk zusagt, wird aus Liebe und Barmherzigkeit getroffen!)

stephy hat geschrieben:
Mit der selben Vehemenz, mit der sich alle Welt sofort bei Äußerungen wie denen Frau Hermanns empört, stritten die Menschen auch ab, gewusst zu haben, was in den KZs vorging.

Du vergleichst das wirklich allen Ernstes? Kann nicht Dein Ernst sein, oder?
Und ob! Es ist die selbe Vehemenz, mit der ein Thema kategorisch als induskutabel vom Tisch gefegt wird.
"Wir wussten davon nichts. Ende der Diskussion!"
"Das können Sie nicht sagen, Frau Hermann. Sie sind entlassen! Ende der Diskussion!"


stephy hat geschrieben:Damals, als die Bäume noch grün waren... (etc. pp.) hat Martin Walser indirekt eine Aussage über die Nazi-Zeit gemacht, die falsch verstanden wurde: Er sagte ungefähr, die Deutschen verstecken sich hinter ihrer Nazi-Vergangenheit.
Die Deutschen verstecken sich nicht hinter ihrer Nazi-Vergangenheit, sondern sie sind darin gefangen. Niemand schützt die Nazi-Zeit vor, um sich dahinter zu verstecken, sondern man kann keine Aussagen treffen, ohne gleich Empörung aufzurufen. Ich erinnere mich noch gut an den Blödsinn des letzten Jahres, als Günther Grass' SS-Zeit ans Licht kam. Dieselbe Empörung, mit der jeder bemüssigt war alles von sich zuweisen, was mit dieser Zeit zu tun hat. Auseinandersetzung? Fehlanzeige!

Selbst wenn Frau Hermann die ihr unterstellte Aussage in dieser Form gebracht hätte, wäre ein anderer Umgang angemessen. Man hätte nachhaken sollen, sich näher zu erklären und dann hätte man ihr auseinandersetzen können... usw usf. Da hätten alle etwas von gehabt. Stattdessen wird immer gleich die Angreiferrolle eingenommen und die Hermann in die Ecke gedrückt. Wer würde da denn nicht in die Defensive gehen? Das ist etwas, was wir sehr gut können: Uns aufplustern, durcheinflattern und gackern wie die Hühner, denen man sagt, der Fuchs sitze vor dem Stall - aber auf die Idee, mal aus dem Fenster zu gucken, kommt niemand.
Nimrod hat geschrieben:Eigentlich bin ich ja fast froh, dass sich hier im Forum mal wieder was tut, aber schlagt euch wegen so einer Nichtigkeit doch nicht gleich die Schädel ein.
:thumbs: Unterschreibe ich!
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Beitragvon Bangor » Freitag 28. September 2007, 09:26

Ist es denn nicht interessanter, wenn Diskussionen mal etwas "direkter" ausfallen? So ernst ist das ja nun auch alles nicht gemeint, zumindest nicht auf beleidigende weise.

...und der andere scheint der Meinung zu sein, was die Mehrheit denkt, vor allem wenn es die BLÖD veröffentlicht hat, muß falsch sein, da es ja die BLÖD veröffentlicht und den verblödeten Pöbel gehirnwaschen hat, also müßte dementsprechend Klimaschutz von vorneherein schlecht sein, da die BLÖD ihre willenlose Leserschaft mit Klimaschutzaufklebern gekennzeichnet hat.
Wie kann man so eingleisig denken? Ich habe lediglich die UNKRITISCHEN Presse-Konsumenten auf´s Korn genommen. Manchmal (wie in diesem Fall) ist das dann der Mainstream. Deswegen habe ich ja nicht die GRUNDSÄTZLICHE Meinung, dass der Mainstream IMMER schlecht ist. Sowas kleinkariertes!

Wenn ich Stephys Argumentation nachvollziehe, dann müssten meine Großeltern ein Ergebnis der Hitler-Politik sein. Mein Vater wäre nämlich nur auf die Welt gekommen, um als Soldat an die Front zu ziehen. Meine Oma wäre ausschließlich zum gebähren da.

Wenn meine Ur-Goßeltern vor mir stünden, müsste ich in ihnen ja ausschließlich Nazis sehen! Denn als sie jung waren gab es keine Werte, keine Liebe, keine Familienstände sondern nur Nazis!?

Das Zitat kommt mir übrigens ziemlich wirr vor. Irgendwie herausgerissen. Hat sie das wirklich so gesagt?
Mit dieser Frage hast Du bewiesen, dass Du gar nicht weisst, worum es hier geht. Du kennst die Stellen nicht einmal, die Du kritisierst. Oder Du kennst nur die in der Presse veröffentlichten Zitate, wie ich es vermutet habe.

Hier kannst Du Dir das Zitat im Original nochmal anhören.
Bangor
 

Beitragvon Odetta » Freitag 28. September 2007, 11:54

Bangor hat geschrieben:Heisst das denn, das es in der Nazizeit überhaupt keine Werte gab?
Also ist alles aus dieser Zeit schlecht?
Frag mal Deine Oma oder sonst jemanden aus der Zeit.

Meine Oma (mütterlicherseits) würde ungläubig und traurig den Kopf schütteln über soviel Schönrederei, wenn sie den Thread lesen würde.

Kann ja sein, dass unsere Großeltern diese Zeit einfach unterschiedlich erlebt haben, so dass wir schließlich zu unterschiedlichen Auffassungen gekommen sind.
Meine Oma gehört nicht zu den Leuten die sagen: "Unter Hitler war nicht alles schlecht","unter Hitler hatte man wenigstens ...". Und ich gehöre auch nicht dazu.
Ja, die NS-Wertevorstellungen waren alle schlecht, unwahr, manipulativ und scheinheilig. "Diese Menschen sind wert-voller als jene", "diese Menschen haben mehr geleistet als andere", von der ganzen Helden-Idiologie wende ich mich entschieden ab. Auf diese Werte kann ich verzichten und weine ihnen auch nicht nach.
Ich bin froh, dass mir meine Familie auch ohne jene Werte viel wert ist!
Ich bin schon ein bisschen geschockt, dass das hier Anlass für soviel Gegenwehr ist.
Es gibt viele Gründe für den wachsende Rechtsradikalismus, aber das mit Sicherheit nicht.
dann müssten meine Großeltern ein Ergebnis der Hitler-Politik sein. Mein Vater wäre nämlich nur auf die Welt gekommen, um als Soldat an die Front zu ziehen. Meine Oma wäre ausschließlich zum gebähren da.

und sie wäre außerdem noch stolz darauf gewesen, für Hitler echte deutsche Kinder gebähren zu dürfen. Und dein Vater wäre stolz darauf gewesen als Soldat einer wert-vollen Sache zu dienen.
Meine Oma hatte auch Familie und Kinder. Das macht sie nicht zum Nazi.
Und deine auch nicht.
Ihre Kinder waren auch ohne Mutterkreuz etwas wert.
Wozu sollten wir also so eine Auszeichnung brauchen?
*I have my books - and my poetry to protect me*
Paul Simon & Art Garfunkel
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Beitragvon stephy » Freitag 28. September 2007, 12:13

Wenn ich Stephys Argumentation nachvollziehe, dann müssten meine Großeltern ein Ergebnis der Hitler-Politik sein. Mein Vater wäre nämlich nur auf die Welt gekommen, um als Soldat an die Front zu ziehen. Meine Oma wäre ausschließlich zum gebähren da.

Ja, das war damals durchaus so gewesen. Zumindest in meiner Familiengeschichte war es so. Mein Opa ist ein Ergebnis der Hitler-Politik durch und durch aufgrund falsch einimpfter Werte. Er war zu jung.
Meine Oma hatte keine Nazis als Eltern, die hatte es besser als mein Opa. Ein Beispiel:

Mein Opa und seine Familie haben die Nazi-Ideologie so eingeimpft bekommen, daß man sie heute noch direkt bei ihm spürt. Von wegen die hatten Werte! Soll mal einer mit meinem Opa heute sprechen, ich wette mit Euch, da kriegt Ihr alle miteinander das kalte Grausen. Den haben se verhunzt mit ihrer Giftideologie von pseudo-Werten! Der wollte sich als Fünfzehnjähriger noch freiwillig für den Krieg melden, zum Glück haben sie ihn wieder heimgeschickt. Der bedauert immer noch, daß seine "Jugend durch den verlorenen Krieg verhunzt worden ist". Zu meiner Mutter hat er früher immer gesagt: "Wenn du mir mit einem Neger nach Hause kommst, enterb ich dich!" - und das hat er Ernst gemeint. Der hat alle Ideale wirklich so eingeimpft gekriegt, das kriegt man aus ihm im Leben nicht mehr raus. Das betrifft alle Ideale wie pseudo-Kameradschaft und Schläge in Schulen und von den Eltern, wenn die Kinder nicht spuren.
Was die Familienwerte betrifft: Als er dann wieder nach Hause geschickt worden ist, sagte seine Mutter: "Schade, daß du im Krieg nicht gefallen bist, dann hätten wir stolz auf dich sein können!"

Soviel dazu. Jetzt sag ich auch nichts mehr, versprochen. Bin zu sehr betroffen und kann daher auch schlecht objektiv diskutieren[/quote]
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Beitragvon Nimrod » Freitag 28. September 2007, 16:29

@ Bangor: Bevor Du hier mit Steinen um dich wirfst, solltest Du dich vieleicht erst einmal vergewissern, ob dein hohes Ross nicht gerade in einem Glashaus steht.

Bangor hat geschrieben:
Was gibt Dir das Recht, zu wissen, daß wir das nachplappern, was wir vorgekaut bekommen haben? Nur, weil wir eine Mainstream-Meinung verfolgen, heißt das automatisch, diese Meinung ist schlecht?
Für mich persönlich, ja. Aus oben erwähnten Gründen.


Sag mir doch mal, wie das sonst zu verstehen ist?
Ich bin natürlich nicht davon ausgegangen, dass du absolut dieser Meinung bist und mir mag meine etwas übertriebene Darstellung aus meinem Vorhergegangenem Post verziehen sein, aber das ist erstens noch kein Grund, mir Kleinkariertheit vorzuwerfen und zweitens schon recht interessant, wenn man vor lauter Äußerungswut nicht einmal mehr weiß, was man da eigentlich schreibt.


Aber zum Thema: Natürlich ist es traurig, wenn man solche Familienmitglieder hat, die die Entnazifizierung irgendwie verschlafen haben und die das Gift aus jener Zeit noch nicht wieder losgeworden sind.

Nichtsdesto Trotz gibt es einige Dinge aus jener Zeit, die gut waren. Und zwar nicht wegen dem Nationalsozialismus, sondern trotz. Das einzig widerliche an den Werten Familie usw. aus dieser Periode sind doch nicht die Werte an sich, sondern die perversen Ziele, die mit der Einimpfung dieser Ziele ereicht werden sollten.

Und ich denke, gerade das ist es, worauf es dabei ankommen sollte. Die guten Dinge nicht unter den Teppich kehren, nur weil die Nazis sie mit ihrer verqueren Logik pervertiert haben, sondern diese Dinge vom Schmutz zu reinigen und sie nur für sich selbst stehend zu betrachten.
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Beitragvon Bangor » Freitag 28. September 2007, 20:03

Sag mir doch mal, wie das sonst zu verstehen ist?
Meine Güte, les Dir den Absatz darüber doch einfach durch. Da erkläre ich es doch groß und breit.

@Stephy
Ich sage nicht, dass die NAZI-WERTE gut waren, sondern die MENSCHLICHEN Werte, die es auch vor der Nazizeit schon gab.

Je mehr man schreibt, umso mehr wird falsch verstanden.
Nun ist auch gut.
Bangor
 

Beitragvon Nimrod » Freitag 28. September 2007, 21:24

Ich denke sehr wohl zu wissen, was du gemeint hast, da ich dir durchaus genug gesunden Menschenverstand zutraue. Was ich damit verdeutlichen wollte war einfach, wie sehr man sich in seiner Darlegung verrennen kann, denn der von mir angesprochene Auszug impliziert etwas anderes.

Aber zurück zumeigentlichen Thema...
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