Laurins Gürtel

Alles zur Phantastischen Literatur

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Laurins Gürtel

Beitragvon Laurin » Montag 2. Juli 2007, 11:37

Mittlerweile ist „Laurins Gürtel“ auch bei AMAZON und demnächst kann man auch durch SEARCHINSIDE darin stöbern.
Einige sind schon über die Ladentische gegangen. Aus meinem Umkreis erwartet man die Fortsetzung, an der ich bereits arbeite. Ich würde mich freuen auch aus dem Forum einige Meinungen dazu lesen zu können. Das würde mir bei Teil 2 bedeutend weiterhelfen.
Gruß Laurin
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Beitragvon Laurin » Dienstag 17. Juli 2007, 21:25

Um einen kleinen Disput zu meinem Roman anzuregen, habe ich bis zum 20.Juli noch 5 Freiexemplare zur Verfügung.
Dann fahre ich erst mal in den Urlaub. Also, wer möchte, schickt mir seine Adresse per Mail und er wird dann „Laurins Gürtel“ schleunigst erhalten. Der Versand dauert ca. zwei Tage und ist ebenfalls kostenlos.
Also meldet euch schnell. Damit das nicht nach einer Ente aussieht, werde ich die Empfänger hier mit Namen nennen. Natürlich nur, wer genannt werden will. Ich verschicke das Buch in der Reihenfolge der Maileingänge.
Gruß Laurin :hallo:

P.S. Die Bücher werden natürlich signiert sein.

Hier die Mailadresse: info@lutzreiter.de Betreff: LG Disput (bitte angeben)
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Beitragvon Laurin » Mittwoch 18. Juli 2007, 19:36

Die ersten beiden Bücher sind heute an Stephan Pamp und Ronny Geerken gegangen.
Ich wünsche natürlich viel Spaß beim Lesen. :lernen: Gleichfalls hoffe ich auch Kritiken zum Buch zu bekommen. :ohhh:
Gruß Laurin
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Beitragvon Nimrod » Donnerstag 2. August 2007, 07:53

So, die ersten beiden Kapitel hab ich jetzt durch. Liest sich auf jeden Fall schon mal sehr gut. Ich mag Laurins Stil, hat etwas von einem klassischen Märchenerzähler an sich. Wenn ich die Geschichte lese, hab ich immer die Stimme dieses Märchenerzählers im Kopf, der z.B. das Intro von Hui-Buh spricht, wenn ihr wißt, wen ich meine. Da läßt man sich am liebsten mit einer heißen Schokolade vor dem Kamin in einem gemütlichen Sessel nieder, legt die Beine hoch und beginnt zu lesen.
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Beitragvon Holger » Donnerstag 2. August 2007, 09:03

Du meinst Hans Paetsch, oder?
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Beitragvon biberrulez » Donnerstag 2. August 2007, 14:53

Es ist eine undankbare Aufgabe, wenn man von einem Autor ein kostenloses und signiertes Exemplar bekommt und dann noch Kritik üben soll.
Solange sie konstruktiv ist, ist sie aber sicher willkommen und ich möchte mich gleich schon entschuldigen, denn ich bin ein äußerst mäkliger Leser.

Zunächst: Tolles Cover! Das spricht an, macht neugierig und ist wirklich gelungen. Auch der Minimalismus der Widmung gefällt mir. Ausschweifende Reden, in denen mit schwülstigen Phrasen („ohne Eure Liebe und Unterstützung während dieser langen Zeit wäre dieses Buch nie entstanden blablabla“) Hunz und Kunz gedankt wird, finde ich unerträglich. Das knappe Für meine Familie sagt mit wenigen Worten alles!

- Kapitel 1: Die Sage
Der Minimalismus der Widmung findet im ersten Kapitel seine gelungene Fortsetzung. Mit wenigen Worten wird ein Höchstmaß an Information geboten, die Sprache erweckt sicher nicht zufällig Assoziationen an alte Heldenepen. Ich habe dieses Kapitel zweimal gelesen (ist ja auch nicht so lang). Da gibt’s nichts zu meckern - sehr gelungen. Gibt es diese Sage tatsächlich, oder handelt es sich dabei um eine Erfindung? Sollte letzteres der Fall sein, ist vorhergehende Frage natürlich umso schmeichelhafter, denn dass sie irgendeine Lokallegende ist, kann ich mir durchaus vorstellen.

- Kapitel 2: Die Höhle
Hier muss ich leider etwas härter im Urteil werden. Für die nächste Veröffentlichung wäre es angebracht, hin und wieder den Blocksatz durch Silbentrennung aufzulockern. Die vierte Zeile von unten im ersten Absatz verdeutlicht die Notwendigkeit. Die Spatien zwischen den Wörtern fallen zu groß aus. Die Probleme der Silbentrennung beim Blocksatz sind mir bekannt. Man verlagert die Angelegenheit nur nach hinten, aber da muss man eben konsequent bleiben. Desweiteren fand ich die Häufung von fehlenden Kommas, falschen Endungen, verkehrten Zeitformen und hölzernen Formulierungen störend.
@Laurin
Wurde der Text von einem Lektor oder etwas „ähnlichem“ durchgesehen? Ich will Dir die Fehler nicht zum Vorwurf machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man die häufig einfach überliest. Ich möchte einige Beispiele anführen.

S. 9
Es war nicht das erste Mal, dass ein Höhlentourist schlappgemacht hatte.
In dem Kontext, in dem dieser Satz steht, muss der Konjunktiv stehen. „Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Höhlentourist schlappgemacht hätte.“

S. 12
Er riss dem verdutzten Tom das gezückte Messer aus der Hand…
Nicht nur Tom ist hier verdutzt, sondern auch der Leser, der bis zu diesem Zeitpunkt von diesem Messer nichts weiß. ;-)

S. 12
Ein leiser süßer säuselnder Ton…
Besonders an dieser Stelle hab ich die Kommas schmerzlich vermisst.

Es ist wirklich schade, dass sich viele solcher Stellen finden. Sie stören den (meinen) Lesefluss. Ich habe einige dieser Passagen mit zartem Bleistiftanstrich markiert, werde mich aber hüten, hier alles aufzuzählen. So korinthenkackerisch simmer och net. :sweet Zudem habe ich auch häufig genug den Bleistift liegen lassen, weil ich einfach weiterlesen musste, um zu erfahren, wie es weitergeht. Das ist ein gutes Zeichen. Auch während ich dies schreibe, freue ich mich bereits auf das nächste Kapitel. Das ist das Leidwesen bei Kritiken: Die guten Dingen fallen unter den Tisch. Bei amazon lese ich auch nur die schlechten Kritiken, die sind aussagekräftiger als euphorisch-blinde Lobeshymnen. :P Eine Sache noch! Auf Seite 18 [spoiler]zerfällt Tom zu einem Häufchen Asche und der Rubin landet auf diesem.[/spoiler] Auf Seite 19 [spoiler]ist aus dem Häufchen plötzlich ein Knochenberg geworden.[/spoiler]Die Benennungsvarianten sind mir zu verschieden, als dass ich sie akzeptieren könnte.

Trotzalledem ein gelungener Anfang und ich bin gespannt darauf, wie es weitergeht. Laurin, ich hoffe du nimmst die Kritik nicht allzu krumm. Sollte ich demnächst Opfer umfangreicher Spam-Attacken werden, wärst du der Hauptverdächtige. :mexico:

Werde mich dann nach weiteren Kapiteln wieder melden. :hallo:
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Beitragvon Nimrod » Donnerstag 2. August 2007, 22:46

Holger hat geschrieben:Du meinst Hans Paetsch, oder?


Ja. Dank dir, ich wußte seinen Namen nie. Und ich bin wirklich erschüttert, dass er tot ist. Hab ich gar nicht gewußt.

biberrulez hat geschrieben:Gibt es diese Sage tatsächlich, oder handelt es sich dabei um eine Erfindung? Sollte letzteres der Fall sein, ist vorhergehende Frage natürlich umso schmeichelhafter, denn dass sie irgendeine Lokallegende ist, kann ich mir durchaus vorstellen.


Die Legende gibt es schon, und ich denke, dass sie etwas mehr als "nur" eine Lokale ist... schaust Du hier
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Beitragvon biberrulez » Freitag 3. August 2007, 08:42

Danke Nimrod. Ich bin überrascht, nicht nur weil die Legende tatsächlich existiert, sondern auch, da ich sie nicht kenne und dabei ein Faible für mittelhochdeutsche Dichtung habe. :koopa:

Gestern habe ich noch begeistert bis auf Seite 66 weitergelesen. Es liegen Welten zwischen dem zweiten Kapitel "Die Höhle" und den folgenden. Es drängt sich das Gefühl auf, das erste Kapitel sei notwendig gewesen, aber Lutz habe schnell zur Sache kommen wollen. Ab dem Moment, als es Miriam [spoiler]ins Mittelalter verschlägt[/spoiler] wird die Handlung besser und der Erzählfluß geschmeidiger. Miriams Reaktionen finde ich nachvollziehbar und sehr gut gefallen mir die Dialoge. Es ist eine heikle Sache, Figuren so sprechen zu lassen und kann schnell albern werden - aber hier garnicht. Sehr gelungen und vor allem mit einen Prise Humor gewürzt, der zumindest bei mir jedesmal den Nerv trifft. Ich hoffe, so geht es weiter. Auch die Einbindung des Nibelungenliedes und des Hildebrandliedes gefielen mir als intertextuelle Verweise, die zeigen, wo der Roman seine "Vorbilder" hat. Lutz verfällt auch nicht in effekthaschende Beschreibungen und billige Kampfschilderungen. Der Text ist kohärent und hat an den passenden Stellen Handlungswechsel oder führt neue Aspekte ein.
Mein Hauptkritikpunkt bleibt aber die Vielzahl der Kommafehler. (Man könnte großzügig durchgehen lassen, dass den mittelhochdeutschen Schreibern Interpunktion fremd war und es sich um ein Stilmittel in "Laurins Gürtel" handelt ;-) ?)

Zwei Anmerkungen noch:
1. Auf Seite 34 steht: "... doch gleich wirst du zu Hel fahren." Das soll sicherlich zur Hölle heißen, warum dann diese Entstellung? Zumal später auch von Höllentoren die Rede ist.
2. Eine winzige Kleinigkeit: Im Drachenkampf (S.55) ergreift der Ritter das Schild, aber das Schild des Ritters ist zwar ein Ding, aber ein maskulines - also der Schild. :face82:

Bin gespannt und neugierig, wie es weitergeht. :hallo:
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Beitragvon Nimrod » Freitag 3. August 2007, 12:33

Vieleicht wollte er dem Drachen aber auch nur zeigen, hier ist Stop :lol2:

Ich bin jetzt fast durch, meine ausfühliche Kritik kommt dann im Laufe des WEs.
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Beitragvon Laurin » Freitag 3. August 2007, 22:42

Hallo erst mal.
Bin gerade aus meinem Urlaub zurück.
Ich hatte davor noch drei Bücher übrig, die nun aber vergeben sind.
Sie gehen in den nächsten Tagen an: Manuel Ennser, Annie, und Bangor.
Im Moment habe ich die ersten Meinungen zum Buch gelesen und werde mich noch dazu äußern.
Die Hinweise sind aber sehr interessant.
Gruß Laurin :hallo:
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Beitragvon biberrulez » Samstag 4. August 2007, 11:38

So, hab jetzt circa die Hälfte und bin von einigen Storytwists äußerst angetan. Sehr unkonventionell und überraschend - bin sehr gespannt, was daraus wird. Das Buch kann wirklich begeistern. Außerdem weiß Lutz durchaus, dass es "der Schild" heißt, wie er an anderer Stelle beweist. Das darf nach meiner Kritik nicht unbemerkt bleiben. :lookaround: Desweiteren gefällt mir, dass wirklich Kenntnis und Recherche hinter dem Text zu stecken scheint, auch wenn dem Leser dies nicht auf die Nase gebunden wird. Ich vermute, dass er ein Kenner der Heldenepik ist sowie der Geschichte jener Zeit. Zudem ist der Roman nicht visuell geschrieben, sondern er tut das, was ein Text tun sollte: Er erzählt! Und das erfreulicherweise nicht nur chronologisch.
Dennoch will ich noch etwas Kritik üben. Der Stil ist etwas gehoben mittelalterlich, ohne ins peinliche oder schwulstige abzudriften. Umso härter treffen den Leser Stilbrüche, die einen wieder zurück in die Realität reißen. Tut mir leid, das so hart zu formulieren, aber etwaige Testleser haben schlechte Arbeit geleistet.

eine Art Beutel, ähnlich dehnen von Kängurus
:ohhh: Dehnen? Ist leider nicht das einzige Mal derart geschrieben.
Als alles getan war, versammelten sie sich, um den gefallenen Gefährten zu gedenken.
Ich weiß, es mag Kleinkram sein, aber wenn man nicht darauf hinweist, werden solche Fehler wieder gemacht. Ich steh zwar wieder als der Korinthenkacker zum Quadrat da, aber was solls? :minieek: "Gedenken" fordert den Genitiv: Als alles getan war, versammelten sie sich, um der gefallenen Gefährten zu gedenken.Das ist einer der erwähnten Stilbrüche. Selbiges gilt auch für Formulierungen wie folgende:
In der Höhle erschien ein weiterer Drache. Dreimal so groß wie jener, den der Zwerg entführt hatte...
Ich habs ein bisschen mit der Sprache, tut mir leid, aber Texte leben nun mal von ihr. :sweet

Eine Sache fand ich auch fraglich. Als Hildebrand sich dem Zwerg im Nebel nähert, nimmt er sein Schwert zwischen die Zähne. Das kann ich mir bei Rambo mit nem Messer noch vorstellen. Aber wie Hildebrand da mit einem Schwert zwischen den Zähnen durchs Unterholz robbt: :lol2: ! Der muss kräftig zubeißen können und eine bemerkenswerte Nackenmuskulatur haben. Außerdem hätte ich Angst, mir bei dem Versuch die Mundwinkel aufzuschlitzen. ;-)

Wieder hauptsächlich rumgenörgelt. Deswegen nochmal: Das ist alles Kleinkram! Die Geschichte fesselt und ist interessant. Ich lese mit Genuß und Freude und es gibt zahlreiche "berühmte" Autoren, die das nicht vermögen. :sweet
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Beitragvon Laurin » Samstag 4. August 2007, 16:50

@ biberrulez
Es ärgert mich auch, wenn trotz aller Mühe sich immer noch so banale Fehler eingeschlichen haben.
Mittlerweile habe ich die Textdatei neu überarbeitet, sodass der nächste Druck hoffentlich besser ausfällt.
Hildebrands Schwertakrobatik finde ich aber schon machbar. Schließlich sollte er als Waffenmeister eines Königs schon etwas auf dem Kasten haben. Außerdem ist er, wie sich später herausstellen wird, auch mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet.
Deine Kritik sehe ich aber als hilfreich an. Aus meiner Sicht ist mir einiges gar nicht so aufgefallen.
Gruß Laurin
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Beitragvon biberrulez » Sonntag 5. August 2007, 20:35

So, nun bin ich durch und möchte meine abschließende Kritik äußern und mich dabei um größtmögliche Objektivität bemühen. Spoiler lassen sich nicht vermeiden. Zur Warnung: Ich werde nicht unzählige Spoilertasks (oder wie die Dinger heißen) setzen. Wer also die Lektüre noch vor sich hat, sollte lieber fern bleiben. ;-)

Lutz Reiters Roman Laurins Gürtel ähnelt auf dem ersten Blick einem Mischlingshund, der sich aber nach etwas orthographischer Seife und mit einer Ausdrucksbürste durchgekämmt als reinrassiger Prachtkerl entpuppt. Ich bin kein großer Fantasyleser und halte mich eher an die herausragenden Höhepunkte des Genres, aber ein Blick auf den Buchmarkt verdeutlicht recht eindeutig die aktuelle Situation: Ein Herr der Ringe und Harry Potter stigmatisiertes Publikum sucht nach Vergleichbarem und genau dies ist eine Schar semi-talentierter Schreiber bemüht zu liefern: Vergleichbares – mit der Gewissheit, letztlich nichts anderes als gemilderte Plagiate zu sein, ohne wirklich Originelles.
Laurins Gürtel scheint mir aber doch zumindest als Beitrag im wörtlichen Sinne bezeichnet werden zu können, einfach weil es nicht vergleichbar mit erwähnten Werken ist.

Lutz Reiter verdient zum einen Anerkennung, weil er nicht zum 537mal eine mittelalterliche Welt ersinnt und mit spitzohrigen Wesen und linguistischen Albträumen besiedelt. Warum eine mittelalterliche Welt ersinnen, wenn es diese doch tatsächlich gegeben hat? Kurzerhand spielt die Handlung also in keiner anderen Welt als unserer. Aber damit nicht genug: Während die Masse neu entstehender Fantasyliteratur von zeitgenössischen Texten inspiriert ist, steht Laurins Gürtel ganz in der Tradition der mittelalterlichen Heldenepik und spart nicht mit Querverweisen. Und wenn man nun endlich glaubt, den Rahmen der Handlung abgesteckt zu haben, dann kommen die Storytwists, die einen eines besseren belehren. Eine Prise an Erich v. Däniken erinnernde Science-Fiction und fertig ist ein wirklich lesenswerter Roman, der zudem noch eindrücklich beweist, dass Fantasy keine Frage des Seitenumfanges ist.

Wo sind die Haken? Wie schon erwähnt, trüben Kommafehler, Akkusativ/Dativ-Verwechsler, unpassende Zeitformen (Präteritum statt des an vielen Stellen angebrachteren Plusquamperfektes) den Lesegenuss. Auch einige Formulierungen werden übermässig strapaziert: Unzählige Male wird „das Heil in der Flucht gesucht“, „steigen xy-Gefühlsregungen auf“ und „schießen Tränen in die Augen“. Auch weniger Theatralik hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht; etwa, wenn sich die zwei Gürtel wieder vereinigen. Auch von aus den Finger geschleuderten Feuerbällen bin ich kein Freund. Persönlich hätte mir es mehr gefallen, wenn einige Dinge subtiler geschehen wären. Wenn sich die Recken etwa durch die Höhle bewegen, muss es nicht unbedingt eine leuchtende Kugel sein, die von Miriam geschaffen wird, ich fände es interessanter, wenn die Lichtverhältnisse einfacher besser werden würden durch die Macht des Gürtels, ohne gleich eine Leuchtquelle postulieren zu müssen. Aber das mag Geschmackssache sein.

Einige Fragen blieben unbeantwortet (oder ich hab sie überlesen :-(). Was war Laurins Motiv? Einfach nur eine Invasion der Planeten? Warum hat er Kühnhild verschont? Was flüstert Hildebrand ihr nach der Befreiung zu? Und warum – wenn es sich denn um ein Zeitreiseparadoxon handelt – erinnert sich Theo nicht an Miriam in der Gegenwart? Wieso opfert er sich selbst, um ihr den Gürtel zu überlassen – reiner Altruismus? Auf alle Fragen möchte ich gar keine Antwort, das würde den Reiz zerstören, zumal das offene Ende ja optimistisch auf eine Fortsetzung hoffen lässt. Ist denn eine geplant?

Eine Anmerkung noch. Auf S. 154 heißt es:
Wollten sie nicht Gunter und Kriemhild besuchen, um ihre Hochzeit zu feiern?
Der Satz legt nahe, das Gunter und Kriemhild einander heiraten. Das ist natürlich nicht der Fall. Gunter heiratet Brünhild und Kriemhild heiratet Siegfried. Also etwas unglücklich formuliert.

So, habe ich noch etwas vergessen? Sicherlich, ich werde es dann nachfügen. Mir gefällt Lutz Reiters Stil, den er über den größten Teil des Textes konstant durchhält und zweifellos besitzt er schriftstellerisches Talent. Ich hatte einige vergnügliche Stunden mit dem Buch und möchte mich nochmals für das kostenlose Exemplar samt Widmung bedanken. Ein Autor sieht seine Bücher sicher lieber verkauft als verschenkt. :sweet Aber ich kann vorwegnehmen, dass ich in etwaige weitere Bücher gerne auch investieren werde.

@Laurin
Wie waren denn die Reaktionen der Verlage auf dein Manuskript? Was inspirierte dich zum Buch? Worin liegt für dich die Faszination der Sage um Laurin?

Gruß, Biber! :hallo:

PS: Warum ist das Thema eigentlich im Horror-Thread?
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Beitragvon Laurin » Sonntag 5. August 2007, 22:26

@ Biber,
deine Analyse zu „Laurins Gürtel“ hat mir sehr gefallen.
Sicher habe ich hier und da auch einige Dinge sehr nachdenklich in mich aufgenommen. Ich denke, bei der Fortsetzung werde ich einiges mehr zu beachten haben. Natürlich wollte Gunter nicht Krimhild heiraten, aber es war angedacht zu beider Hochzeit zu reisen.
Die Verlage, die ich anschrieb, sind mir bis jetzt noch eine Antwort schuldig. Deshalb entschloss ich mich, dieses Buch im eigenen Verlag zu veröffentlichen.
Die Inspiration zu dieser Story trage ich schon seit 30 Jahren mit mir herum. Als ich das erste Mal die „Deutschen Heldensagen“ las, war es geschehen. So richtig reif wurde die Story erst mit der Kurzgeschichte, die im Autorenforum von BookOla zu finden ist. Aber die kennst du ja.
Laurin selbst, ist in diesen Sagen nur ein Bruchteil gewidmet. Um so mehr geht es um Dietrich von Bern, der, so einige Historiker vermuten, den Gotenkönig Theoderich verkörpern soll.
Sicher habe ich einige Fragen offen gelassen. Das geschah bewusst. Warum sollte ich eine Invasion Außerirdischer begründen? Die Antwort bleibt offen. Warum wurde Kühnhild verschont? Das hat „Wechsler“ sich auch gefragt und soll erst mal noch offen bleiben. Ich denke, es gibt für Miriam noch einige Dinge zu bereinigen, bevor das Chaos beseitigt ist. Vielleicht trifft sie dabei in vergangener Zukunft auf Siegfried von Xanten, dem Drachentöter.
Gruß Laurin
:hallo:
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Beitragvon Laurin » Mittwoch 8. August 2007, 21:36

Hallo Laurins Gürtel-Fans,
falls es solche schon gibt. Ich habe übrigens in meinem Urlaub das erste Mal die Gegend besucht, in der mein Roman handelt. Der Misurinasee ist eigentlich etwas kleiner wie ich dachte und heute voller Touristen. Gewaltiger fiel das Gebirgsmassiv der „Drei Zinnen“ aus. Ich habe es mit meiner Familie umwandert. Mit Hund im Rucksack, weil der nicht mehr laufen konnte. Er hatte Probleme mit dem Rücken. Na er ist schon zehn Jahre alt. Aber es war schon gewaltig das erste Mal das zu sehen, über das man schreibt. Es hat die Fantasie übertroffen.
Gruß Laurin :grinsking:
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