Die Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko

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Die Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko

Beitragvon Silver » Donnerstag 27. September 2007, 20:34

Ich bin vor kurzem mit "Wächter des Tages" fertig geworden und ich finde, es ist Zeit für einen Thread! :lookaround:

Zuerst einmal eine kleine Zusammenfassung der Hintergrundgeschichte:

Moskau im Jahre 2004. Die Welt, die wir kennen, ist nur die Außenschale. Es gibt eine zweite Parallelwelt: das Zwielicht, in den nur diejenigen treten können, die anders sind, als die Menschen – nämlich die Anderen. Die Anderen sind Menschen mit Zauberkräften: auf der Seite des Lichts sind Magier, Heiler, Formwandler; auf der Seite des Dunkels – Vampire, Hexen, dunkle Zauberer. Unbemerkt von den Menschen leben sie in ihrer Mitte, und bekriegen einander in einer Art Kaltem Krieg. Zwei Institutionen wachen über das Gleichgewicht des tausendjährigen Abkommens über den Waffelstillstand: die Nachtwache (die aus Lichten bestehen und über die Dunklen wachen) und die Tagwache (die dasselbige, nur umgekehrt, tun).


Die Wächter Reihe-besteht aus vier Büchern:

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Meiner Meinung nach, ist das Grundgerüst der Geschichte so simpel (der ewige Kampf zwischen Gut und Böse), dass es fast schon wieder richtig klasse ist. Dazu kommen dann natürlich noch Dinge, wie die Inquistion, das Zwielicht und die vielfälltigen Fähigkeiten der Anderen, die oft mehr verwirren, als zusätzliche Spannung zu verschaffen.
Sergej Lukianenko schafft es, eine Stimmige Welt zu schaffen, die dem Leser durch tiefgehende und detaillierte Beschreibungen geschildert wird. Besonders bei der Beschreibung Moskaus, hat Sergej nicht gekläckert...
Die Charaktere sind tiefgründig und vielseitig dargestellt und man kann z.B Antons Zweifel gut Nachvollziehen.
Leider ist dem russischen Schriftsteller nicht alles so gut gelungen.
Zum einen sind die Fähigkeiten der Anderen (zumindest für mich) oft schwer vorstellbar und benötigen viel eigene Fantasie. Zudem ziehen sich die einzelnen Geschichten (jedes Buch besteht aus drei verschiedenen, die aber trotzdem zusammenhängen) manchmal etwas in die Länge und der Schluss ist oft verwirrend.
Trotzdem ist die "Wächter-Reihe" sehr empfehlenswert, für jeden, der sich nicht allzu schwer mit Fantasie tut und mal Lust auf etwas "Neues" hat. Ich freue mich schon auf das nächste Buch ("Wächter des Zwielichts") und bin gespannt, wie es weiter geht.

Jetzt habe ich aber noch eine Frage:
Für welche Seite würdet ihr euch entscheiden? Für das Licht, das Dunkel oder sogar für die Inquisition? :monstereyeroll_lightgreen:

Lg Silver

PS: Ich hoffe, die Bilder machen keine Schwierigkeiten!
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Beitragvon biberrulez » Freitag 28. September 2007, 10:38

Silver hat geschrieben:Für welche Seite würdet ihr euch entscheiden? Für das Licht, das Dunkel oder sogar für die Inquisition?
Ganz klar, ich wäre bei der Nachtwache :lol2: bzw. Lichter, falls ich es nicht bis in die Wache schaffen sollte! :oops: Die Dunklen? Ne! Aber die Inquisition auf keinen Fall - das sind doch alles borniert-spießige Säcke! :lookaround:

Bin eben mit dem vierten Band Wächter der Ewigkeit fertig geworden und wieder sehr angetan, wie von jedem der Bücher. Wobei ich mir die Frage stelle, obs das jetzt wirklich gewesen sein soll mit den Wächter-Romanen. Ein richtiger Abschluss ist das nicht, auch wenn viele Fäden zusammengeführt werden. Außerdem ist Antons Schlußsatz doch wirklich prophetisch. Ist eigentlich kein Spoiler, aber sicherheitshalber[spoiler]"Du glaubst doch nicht etwa, dass diese Wache in alle Ewigkeit die letzte war?"[/spoiler]Ich will's doch nicht hoffen! :P

Lunkianenko hat mit seinen Büchern eine sehr interessante Welt geschaffen, die aber längst nicht an die Tolkiens, Kings oder anderer Autoren heranreicht. Während ich bei King und Tolkien den Eindruck bekomme, einen Blick in eine andere Realität zu werfen, die beim Lesen wirklich wahrhaftig wirkt, ging es mir bei den Wächtern Romanen nie so. Deswegen sind sie nicht schlecht. Mir erscheinen sie manchmal eher wie eine Fantasy-Soap! Wirkliche Horrorelemente finden sich kaum und manchmal schrammelt Lukianenko schon arg knapp an der Grenze zur Peinlichkeit. Wirklich tragisch wäre das nur dann, wenn er seine Geschichte selbst zu Ernst nähme. Tut er aber nicht. Im vierten Band spielt er immer mal auf den ersten Film an; und eine der Hauptfiguren gibt sich dem Gedanken hin, die Menschheit in ein neues Mittelalter zu versetzen, in dem die Magie wieder herrschen kann. Begründung: Hast du nie Fantasy gelesen?

Silver hat geschrieben:Zum einen sind die Fähigkeiten der Anderen (zumindest für mich) oft schwer vorstellbar und benötigen viel eigene Fantasie.
Die Fähigkeiten sind manchmal eher peinlich. Fireballs und Freezes? :ohhh: Das erinnerte mich immer an Mortal Kombat und hat so einen Zeichentrickcharakter. Nicht so mein Fall. Andere Dinge sind aber dann richtig genial: Das Zwielicht mit seinen zahlreichen Schichten und Eigenschaften und die Jedi-Fähigkeiten der Anderen! :orange:

Silver hat geschrieben:Zudem ziehen sich die einzelnen Geschichten (jedes Buch besteht aus drei verschiedenen, die aber trotzdem zusammenhängen) manchmal etwas in die Länge und der Schluss ist oft verwirrend.
Wahrhaftig! Wer behauptet, das Ende eines Buches vorausahnen zu können, liegt mit Sicherheit falsch. Selbst beim vierten Band dachte ich an einigen Stellen: Ne ne, mit mir nicht und doch geht man dem Lukianenko immer wieder auf den Leim und er schüttelt überraschene Storytwists aus dem Ärmel.
Die Erzählstruktur ist gewöhnungsbedürftig. Jedes Buch hat drei Geschichten, jede ist in sich irgendwo abgeschlossen, zusammen bilden sie dann aber doch eine größere Einheit und alle Bücher zusammen ergeben eine neue Erzählebene. Da ist es nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Am Besten, man lässt zwischen den einzelnen Büchern nicht zuviel Zeit verstreichen. Andererseits ist genau das die Besonderheit der Wächter-Reihe.

Also meinetwegen darf es gerne weitere Romane geben. Die Ideen sind ja vielfältig, vielleicht gehen die Titelideen aber aus: Wächter der Zukunft, Wächter der Vergangenheit, Wächter der Currywurst. :lastlaugh: In Russland erschien übrigens letztens auch eine Kurzgeschichte.
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Beitragvon Silver » Sonntag 18. November 2007, 11:28

So, ich bin gestern Abend mit "Wächter des Zwielichts" fertig geworden und es hat mir sehr gut gefallen! Das Buch hat sich mal wieder sehr flüssig gelesen und es gab nur wenige Stellen, die etwas langatmig waren.
Besonders gut, fand ich, dass Lukianenko die drei Geschichten dieses Mal nur aus Antons Sicht geschrieben hat.
Anton selbst ist ein sehr interessanter Charakter, der sich ausführlich mit den Problemen und Begebenheiten der Wachen und der Anderen auseinandersetzt, was aber oft auf dauer ein wenig nervig werden kann, wenn er sich z.B. zum fünften mal fragt, was für einen Sinn die Arbeit in der Nachtwache hat. Bild
Das Ende hat mir sehr gut gedallen, obwohl ich wieder eine paar Minuten brauchte, um alles richtig zu verstehen (aber man Gewöhnt sich bei diesen Büchern langsam daran :lol2: ).
Was mir in dem Vorgänger "Wächter des Tages" etwas bitter aufgestoßen ist, war [spoiler]Tigerjunges plötzliches und irgendwie auch unsinniges Ableben durch den Kampf mit dem Spiegel [/spoiler]
Diesen Charakter fand ich fast genauso interessant wie Anton oder Geser, doch plötzlich wird er einfach zerquetscht und nicht mehr erwähnt :mad2: Schade drum...
Insgesamt freue ich mich auf "Wächter der Ewigkeit" und bin echt gespannt, wie es weiter geht.

Für welche Seite würdet ihr euch entscheiden? Für das Licht, das Dunkel oder sogar für die Inquisition?


Wenn ich einer Wache beitreten würde, dann ganz sicher den Lichten! Ich könnte nie mit gutem Gewissen ein Dunkler sein und die Inquistion hat recht... uninteressante Ziele (Das Gleichgewicht bewahren usw... Bild )

Lg Silver :hallo:
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Beitragvon Silver » Sonntag 18. Mai 2008, 13:42

So, bin gerade eben mit "Wächter der Ewigkeit" fertig geworden und ich muss sagen, mich hat ein Buch selten so stark gefässelt.
Das Ende an sich fand ich ungenügend, da wieder nicht alles erklärt und erläutert wird und vor allem:

[spoiler]Der lang erwartete Kampf zwischen Geser und Sebulon, Nachtwache und Tagwache ausbleibt.
Außerdem wird nicht erläutert, wie es mit Antons Tochter weitergeht... oder habe ich irgendetwas überlesen? [/spoiler] :mad3:

Naja, trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen, aber ich kann auch jeden verstehen, der die Wächter-Reihe schon nach den ersten Paar Seiten, völlig genervt aufgegeben hat.
Ich für meinen Teil habe die vier Bücher durchgehend genoßen und habe die naive Hoffnung auf einen fünften Teil mit richtigen schluss!
Wegen Umbauarbeiten geschlossen... Bild
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Beitragvon Odetta » Dienstag 16. September 2008, 10:56

Hab endlich Wächter der Nacht zu Ende gelesen. Hat mir sehr gut gefallen! Keine gewöhnliche Fantasy, sondern eher ein Polit-Thriller. Aber schön spannend. Obwohl mich einiges ein bisschen genervt hat, zB die ständigen Song-Texte zwischen durch. Hätte nicht unbedingt sein müssen.
Auch die abfälligen Kommentare des Autors über Amerika waren irgendwie daneben. Zu recht oder nicht, aber eine persönliche Meinung muss der Autor außen vor lassen finde ich.
Die Idee, die Fronten zw. Licht und Dunkel, das Gleichgewicht, das alles fand ich sehr interessant und neu. Hab ich in der Form noch nie gelesen. Nur über die Handlung war ich etwas enttäuscht, war mir ein bisschen zu flach. Im dritten Kapitel ahnt man schon, dass es wie die ersten beiden ausgehen wird. Nämlich total unerwartet.
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Re: Die Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko

Beitragvon hogi » Samstag 11. Oktober 2008, 23:00

[/quote]
Für welche Seite würdet ihr euch entscheiden? Für das Licht, das Dunkel oder sogar für die Inquisition?[/quote]

Also, ich glaube ja, dass wir uns da nicht entscheiden können, sondern dass "das" bereits in uns drin steckt.

Vielleicht ist euch auch aufgefallen, was Lukianenko beruflich gemacht hat, bevor er anfing zu schreiben: Er war Psychiater.

Ich bin mir 100% sicher, dass er seine Ideen duch die jahrelange Arbeit mit seinen Patienten gewonnen hat, und dass er seine Erkenntnisse über die menschliche Natur bzw die beiden gegensätzlichen Pole "Licht" und "Dunkel" in diesen Romanen in Form einer Fantasygeschichte aufgeschrieben hat, um sie den Leuten "nahezubringen".
Meine Theorie ist, dass jeder Mensch (und das hat nichts mit Zauberkräften oder sowas zu tun) entweder zu den "Lichten" oder zu den "Dunklen" gehört, und dass das schon in frühester Kindheit festgelegt wird. Vielleicht kommen wir schon als "Lichte" bzw. "Dunkle" auf die Welt. Bei den Menschen ist ihre "Ausrichtung" aber verschieden stark ausgeprägt, d.h. es gibt schwache und starke "Dunkle" / "Lichte". Ja, und dann gibts vielleicht wirklich die, bei denen sich das nicht entschieden hat, das sind dann die "Spießer von der Inquisition", d.h. im realen Leben werden das Bürokraten und Mitläufer.

Eine andere Art, "Licht" und "Dunkel" bei den Menschen im realen Leben auszudrücken wäre für mich: "Geradlinig" und "Hinterfotzig" ... Hier geht es nicht um "Gut" und "Böse" (sagt ja auch Lukianenko, denn auch Lichte können Böses tun und Unheil anrichten), sondern um zwei gegensätzliche Grundprinzipien im Wesen eines Menschen.
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Re: Die Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko

Beitragvon KayTee » Dienstag 2. September 2014, 18:59

Hallo ihr Lieben! :-)

Zwar ist der letzte Beitrag hier auch schon eine Weile her, aber ich bin neu hier und würde gerne noch antworten ;-)

Ich habe die Wächter-Reihe kennengelernt, als ich eine umfangreichere Arbeit über einen russischen Autor für die Schule schrieb. Dass ich dabei Lukianenko wählte, war eher zufällig, umso mehr freue ich mich heute darüber. Während ich also über das Leben des Autors schrieb, las ich "Wächter der Nacht" um einen Eindruck von seinem Schreibstil zu gewinnen.
Die Charaktere gefallen mir sehr sehr gut, da sie nicht solche unglaublichen, völlig unrealen oder allzu sehr bei den Haaren herbeigezogenen Helden sind wie in Twilight u.ä.
Sie sind trotz aller besonderer Eigeneschaften auch nur "Menschen", und wie Anton sich immer weiter entwickelt ist sehr spannend.
Wie Silver schon schrieb: teilweise ist es etwas langatmig bzw. so, dass ich anfangs beinahe aufhören wollte. Dennoch schafft Lukianenko es immer wieder, mich zum Weiterlesen zu motivieren, durch die einzelnen Geschichten in jedem Buch entstehen mehrere Höhepunkte.
Die Kritik an der Politik Russlands, die Beschreibung des Lebens dort... Lukianenkos Romane sind schon deshlab interessant, da sie in diesem für mich so interessanten Land spielen. Inzwischen würde ich nur zu gerne die eine oder andere Stadt in Russland einmal selbst erkunden.

Auf die Frage, ob ich mich für Licht oder Dunkel entscheiden würde, kann ich nicht einfach beantworten. Spontan würde ich Licht sagen, aber nach längerem Nachdenken wohl doch eher Dunkel? Denn die Lichten sind nicht die guten Feen mit weißer Weste die ihre Hände in Unschuld waschen und nur Gutes tun, und ebnso sind die Dunklen nicht das Böse schlechthin. ;-)


Derzeit lese ich "Spektrum" von Lukianenko und bin bisher auch davon recht begeistert. Habt ihr dieses Buch schon gelesen?
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