Das Phantom - Susan Kay

Liebe, Drama und Alltägliches

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Das Phantom - Susan Kay

Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Montag 27. Januar 2003, 02:45

So, nachdem Darkness das Buch erwähnt hat, mache ich gleich mal einen eigenen Thread dazu auf.

Ich habe den Roman zwei- oder dreimal gelesen und war unheimlich gerührt.
Ich war 12 als ich über Weihnachten Lesestoff in der Bücherei suchte, vor allem Gruselbücher, und als ich sah dass es da um das berühmte "Phantom der Oper" ging lieh ich es mir aus - nicht ahnend, dass es sich hier nicht um einen simplen Horrorroman handelt, sondern um die fiktive, aber überaus überzeugende Biographie dieses erbarmenswerten Geschöpfes, das in die Weltliteratur einging.

Eric löst bei seiner Geburt Entsetzen aus, denn sein Gesicht ist unvorstellbar missgestaltet. Seine Mutter versteckt ihn vor der Öffentlichkeit und bewahrt sein Antlitz hinter einer Maske. Nur schwerlich kann sich die junge Witwe mit diesem Kind abfinden. Bald stellt sich heraus, dass Eric nicht nur ausgesprochen intelligent ist, sondern auch über eine faszinierende Stimme verfügt - der entstellte Junge singt wie ein Engel.
Aus verschiedenen Perspektiven wird das Leben dieses Menschen erzählt und ich litt furchtbar mit dieser armen Gestalt.

Sein Schicksal ist grausam: Er läuft seiner Mutter davon, weil er sich ungeliebt fühlt (ich musste weinen an dieser Stelle), er gerät zu einem väterlichen Freund bei dem er Arbeit findet, er reist mit einer Zigeunertruppe umher. Doch wo er auch hingeht, ihm folgen Unglück und Enttäuschung. Letztendlich landet er dort, wo er in de Literatur eingegangen ist, nämlich in der Pariser Oper, wo er sich hoffnungslos in eine schöne Sängerin verliebt ...

Das Buch ist unglaublich sensibel geschrieben, weckt am laufenden Band Emotionen und reisst einen förmlich mit in die traurige Welt dieser verstoßenen Seele.

Ich war als Zwölfjährige völlig überfordert mit diesem Roman, hatte mir leichten Grusel erhofft und nicht damit gerechnet auf ein tiefergreifendes Schicksal zu stoßen, das mich so mitnahm. Ein Jahr lang hat mich das Buch geradezu traumatisch verfolgt.

Drei Jahre danach las ich es erneut und diesmal kam ich besser zurecht - trotzdem ist es für mich das traurigste Werk, das ich kenne und es berührt mich immer noch sehr. Bild
Eric hat sich beim zweiten Lesen gewandet von einem furchteinflößenden, wenn auch bedauernswerten Menschen hin zu einem unverstandenen Mann, in den ich mich trotz seines abstoßenden Äußeren aufgrund der Sensibilität seiner Seele fast verlieben könnte, wenn mein Herz nicht schon fest vergeben wäre. :P

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das ich bezeiten nochmal zur Hand nehmen sollte. Aber nichts für zartbesaitete Leser, finde ich, weil es wirklich tief unter die Haut geht - zumindest mir ging es so.


Ein kleiner SPOILER noch zum Abschluss - auf ewig eine Stelle zum Weinen ist für mich das Ende des ersten Teiles, als seine Mutter nur einen Zettel von ihren entflohenen Sohn auf dem Tisch findet, mit den Worten: "Vergiss mich ..."
Viele Jahre später kehrt Eric zurück, doch seine Mutter ist dann bereits verstorben. Bild

--------

Das waren erstmal meine zwei Cents zu diesem Buch.
Und jetzt gehöre ich ins Bett.
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Beitragvon Esprit » Montag 27. Januar 2003, 09:18

hört sich echt gut an,will ich auch lesen!
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(aus"Die grauen Seelen" von Philippe Claudel)
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Montag 27. Januar 2003, 18:39

Wenn ich richtig vermute, müsste es Dir auch gefallen ... Bild
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Beitragvon Esprit » Mittwoch 29. Januar 2003, 14:03

Habs schon geholt(hihi),werd heut noch damit anfangen,das muss ja echt gut sein...........
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Mittwoch 29. Januar 2003, 20:19

Ich hoffe, es gefällt Dir!
Der Anfang liest sich jedenfalls weg wie nix; habe heute in der Stadtbücherei es in der Hand gehabt und reingeguckt und glatt 20 Minuten oder so wieder geschmökert ... und einer Stelle kamen mir doch tatsächlich fast die Tränen.
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Beitragvon Esprit » Mittwoch 29. Januar 2003, 20:27

Ein phantastisches Buch!!!...Wollt heut mittag nur mal kurz reinlesen,bin kaum noch davonlosgekommen,so ergreifend traurig ist das alles :bunnymoon: ,also ich hätte Eric total lieb ,das wüsste ich,was er nur durchmachen muss mit seiner Mutter,die ihm noch nichtmal seinen innigsten Wunsch,ihm einen Kuss zu geben,erfüllen will,da hätt ich echt heulen können :heulsuse: Ich weiss schon jetzt,dass dies eins meiner Lieblingsbücher ist,und mit sicherheit das Traurigste.........
Ich hatte vorher noch nie was von dem Buch bzw. der Autorin gehört,war es ein Bestseller nach der Erstveröffentlichung?
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Beitragvon Gio » Mittwoch 29. Januar 2003, 21:25

wow... ich glaube, dass hol ich mir auch :eek13:
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:sweet
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Mittwoch 29. Januar 2003, 21:37

Ha! Ich wusste es, das muss Esprit einfach gefallen! :bounce:
Ich hab in der Bücherei heute den ganzen ersten Teil der aus der Sicht der Mutter erzählt wird, verschlungen und ja, das ist unglaublich berührend. Ich hatte ganz vergessen wie er sich zu seinem Geburtstag zwei Geschenkne wünscht, "Eines für jetzt und eines für später, wenn das erste aufgebraucht ist ... " und sie fragt was es sei und er sagt: "Zwei Küsse von Dir." :heul:
Und sie fängt an zu schreien und sagt er dürfe so etwas nie mehr von ihr verlangen ... das ist glaube ich das Schlimmste, was ich jemals gelesen habe. Ehrlich.

Zu Susan Kay - ich habe auch sonst noch nichts von ihr gelesen. "Die Königin" gibts noch von ihr in der Bibliothek. Ansonsten weiß ich fast nichts von ihr.
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Beitragvon Esprit » Donnerstag 30. Januar 2003, 14:32

Und als die Mutter erkennt,dass sie ihn doch liebt und dafür auf ihre (zweifelhafte) beziehung und ein schönes Leben ihm zuliebe verzichtet,ist es zu spät,erik ist geflohen ("Vergiss mich...")
und was dann folgt,sollte jeder selbst lesen,der pure wahnsinn!! :bunnymoon: :schuettel:
Echt tausend Dank für diesen Buchtipp,schade,dass es so relativ unbekannt ist,aber ich werds jedenfalls allen,die ich kenne,weiterempfehlen ...
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Beitragvon Darkness » Freitag 31. Januar 2003, 00:24

Awww...Ich dachte schon, außer mir kennt das hier keiner!
ich bin begeistert, dass es außer mir noch Leute gibt, die es so toll finden, dass sie es gleich öfter gelesen haben! :bounce:
Jaaa...geheult hab ich auch oft in dem Buch...das geht aber auch an die Nieren!
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Beitragvon AQ2 » Freitag 31. Januar 2003, 21:33

Hi,

Ich habe nur mal das Filmbuch von Phantom der Oper gelesen das ist nicht so dick und es liest sich echt super. Der Film ist ebenfals sehr gut gelungen, wenn man die 18er Version schaut.

Bis bald
Wünsche allen Stephen King Fans noch einen schönen Tag.

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Beitragvon Darkness » Samstag 1. Februar 2003, 04:01

Das Phantom der Oper ist verfilmt worden? :eek13:
Warum wusste ich das nicht?? :?

Das Buch ist übrigens schuld, dass ich fast schon Phantom der Oper Fanatisch bin ... habe ne Reihe von inszinierungen gesehen ... sowohl englisch als auch deutsch ... und ich muß sagen, Andrew Loyd Webber hat den nerv getroffen ... ich hab geheult wie ein Schlosshund!
Hab das ganze als so eine Art Vervollständigung zum Buch gesehen ... eben wie ein genauer Blick auf die Zeit in der Oper und die Problematik mit Christine (...mal ganz salopp gesagt...schließlich ist Christine ja nur eine Art Oberbegriff für die gesamt Problematik) !

@Ginny ... hast du eigentlich die Fassung mit dem alten (blauen) Umschlag, oder dem neuen (roten)?

Hm...hab das Buch damals von meiner großen Schwester geliehen bekommen ... und war gleich verrückt danach!Ein paar Jahre später, als ich es mir zum X-ten Mal leihen wollte (da war es schon ziemlich ramponiert - aber ich lieeebe es, wenn Bücher alt aussehen) hat sie mir eine Widmung reingeschrieben und es mir geschenkt!*schnief* ...Da werden Erinnerungen wach! :oops:

SPOILER!!!!!
...ich finde auch den Aspekt mit dem Kind von Erik - am Schluß - ne geniale Idee! :daumenhoch: Ich meine, das ist ja schon recht sozialkritisch (es sei denn ich bewerte das jetzt über :confused: )...jedenfalls würde man ganz sicher nicht damit rechnen, wenn man nur das Musical oder das Theater gesehen hat!
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Beitragvon Esprit » Samstag 1. Februar 2003, 10:25

Ich bin jetzt - leider - fertig mit dem Buch :cry: Solche Bücher könnten von mir aus 5000 Seiten haben....Jedenfalls werd ich mich bei Gelegenheit mal näher über das PdO informieren,die Musik dazu hat mir ja schon immer gefallen :love:
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Samstag 1. Februar 2003, 18:55

Gibt viele Verfilmungen des Stoffes, die erste war 1925 mit Lon Chaney.
Ich selbst besitze keine Ausgabe, aber die die ich las war die gebundene in Blau ... inzwischen seh ich nur noch die rote Taschenbuchausgabe überall.
Super, dass es bei Euch so gut ankam. :bounce:
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Beitragvon Darkness » Freitag 7. Februar 2003, 23:40

Ich seh auch immer nur noch das rote...das find ich schade...darum wollt ich mal hören, wies bei euch ausschaut! :roll: Find das blaue nämlich schöner! :mrgreen:
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