"Zwölf" von Nick McDonell

Liebe, Drama und Alltägliches

Moderator: Gwenhwyfar

"Zwölf" von Nick McDonell

Beitragvon John Carpenter » Sonntag 18. Juli 2004, 10:58

Vor einiger Zeit (ist, glaube ich, auch schon über ein Jahr her) war der Erstlingsroman eines US-Autors im Teenager-Alter in aller Munde: Nick McDonells "Zwölf".

Jetzt hab´ ich das Ding mal gelesen und geprüft, ob das Buch wirklich so etwas wie einen "Kult"-Charakter hat.

Worum geht´s?
Schauplatz: New York City. Ein junger Weißer namens Mike (genannt "White Mike") ist gerade mit der High School fertig und verbringt seine Zeit mit Drogendealen. Er selbst hat noch nie eine Droge angerührt (er raucht und trinkt nicht mal). Mikes Kunden sind weiße New Yorker Upper-Class-Jugendliche aus reichen Familien, die sich ihre Langeweile damit zu vertreiben versuchen, immer neue Drogen auszuprobieren und dafür ihr großzügiges Taschengeld auszugeben.

Es ist gerade Winter und alle bereiten sich auf die Riesen-Sylvester-Party vor, die in der Wohnung von einem aus der Clique steigen soll.
Wir lernen viele dieser Youngsters kennen. Ihre Vorlieben für Drogen, Musik und teure Klamotten , ihre Schwächen und in wen sie gerade verknallt sind.

Doch wir merken, dass es hinter dieser Fassade mächtig brodelt. Alle suchen den ulimativen Kick. Alle sind irgendwie unzufrieden. Einer bewegt sich am Rand des Wahnsinns. Und in der Sylvesternacht kommt es zur Katastrophe...

Meine Meinung:
Die Sprache des Buches ist rasant und "cool". Die Charaktere bleiben jedoch distanziert. Zu keinem baut sich eine echte Beziehung des Lesers auf - dafür sind alle im Grunde auch zu unsymphatisch. Alle wollen nur Parties, Drogen, Sex und hip sein. Eine kalte Welt schildert der Autor (und das nicht nur, weil alles in der kalten Jahreszeit spielt), eine Welt der reichen Jugendlichen, die an ihrem Wohlstand ersticken und hoffnungslos sind. Die ausbrechen wollen - aber nicht können. Die aus ihren Luxus-Appartements auf die Wolkenkratzer schauen und nur eines wollen: Vergessen, in welcher Lage sie sind.
Wer den Film "Kids" kennt, wird hier Ähnlichkeiten finden. Ging es in dem Film um Sex und Aids und unwissende brutale Teenies aus dem niedrigen Milieu, so schweben in dem Buch ähnliche Gedanken und Figuren herum. Alles ist zwar sauber, durchgestylt und modern - aber die Kids im Buch sind ebenso auf der Flucht vor sich selbst wie die im Film. Nur dass die Kids im Film die billigste Flucht aus der Trostlosigkeit suchen - den ungeschützten Sex. Bei Nick McDowell sind´s die teuren Drogen. Der Effekt ist aber ebenso tödlich.

Trotzdem: Ein Buch, das man einmal liest, dessen Ende einen schockt und das man dann trotzdem relativ unberührt ins Regal stellt, weil uns heutzutage sowieso nichts mehr berühren oder schockieren kann.

:twisted:
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Beitragvon Mr. Grey » Sonntag 18. Juli 2004, 19:24

Trotzdem: Ein Buch, das man einmal liest, dessen Ende einen schockt und das man dann trotzdem relativ unberührt ins Regal stellt, weil uns heutzutage sowieso nichts mehr berühren oder schockieren kann.


John, Du sagst es. Ich war eigentlich nur enttäuscht von dem Buch, es war für meinen Geschmack zu sehr an Romane von Bret Easton Ellis oder Frédéric Beigbeder angelehnt und hatte nichts Neues zu bieten!

Bye,
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Beitragvon Nicki » Mittwoch 1. September 2004, 17:23

Ich musste dieses Buch als Literaturprojekt in der Berufsfachschule lesen und vorstellen. Es ist interessant es einmal zu lesen, aber es hat sich bei mir keine Spannung aufgebaut und es war teilweise sehr langweilig. Das einzigste was mir gefallen hat war das Ende. Ansonsten, man muss es nicht lesen. Wahrscheinlich wird es jetzt ewig in meinem Regal stehen und nie wieder angefasst werden. :wink:
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Beitragvon Leila2002 » Samstag 18. September 2004, 16:44

Ich hatte dieses Buch im DeutschLK und muss sagen dass es mir überhaupt nicht gefallen hat.
Sorry es war leider nur :bad:
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Beitragvon LittleMissCabyCane » Donnerstag 2. Februar 2006, 19:04

Mir geht's wie Leila, irgendwie hat mir das Buch nicht zugesagt...
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Beitragvon Leila2002 » Freitag 25. August 2006, 15:06

Das Buch auch ein Anti-Tpp von mir. :oops:
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Beitragvon alacienputa » Dienstag 3. Oktober 2006, 22:50

So schrecklich fand ich es nun auch wieder nicht.... Harald Schmidt hat dieses Buch in der ersten "Lesen!" Sendung vorgestellt. Ich fand es schon nicht shclecht wie gesagt etwas distanziert, aber dennoch kann ich sagen das da etwas skizziert wird das schon seine Sprache die Probleme einer solchen Generation zeigt.

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Beitragvon biberrulez » Mittwoch 4. Oktober 2006, 07:16

alacienputa schrieb:
Harald Schmidt hat dieses Buch in der ersten "Lesen!" Sendung vorgestellt.


"Vorgestellt" ist das richtige Wort, denn er war wohl alles andere als begeisert davon. In einer Ausgabe seiner Late-Night-Show wurde er von Manuell Andrack (seinem Show-Sidekick) auf das Buch angesprochen. Andrack fand das Buch grottenschlecht und Schmidt sagte daraufhin durch die Blume, dass es ihm auch nicht gefallen habe, aber Elke Heidenreich hatte es eben vorgeschlagen und da hat ers halt genommen.
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