"Lolita" von Vladimir Nabokov

Goethe, Mann, Tolstoi und Co aber auch neueres

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"Lolita" von Vladimir Nabokov

Beitragvon Geronimo » Dienstag 10. Februar 2004, 14:24

"Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne.
Lo. Li. Ta.
Sie war Lo, einfach Lo am Morgen, wenn sie vier Fuß zehn groß in einem Söckchen dastand. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolly in der Schule. Sie war Dolores auf amtlichen Formularen.
In meinen Armen aber war sie immer Lolita."



Nabokovs Roman zählt zu den atemberaubendsten Büchern, die ich kenne. Die Sprache ist unvergleichlich schön, und das ganze Buch ist von einer inneren Wahrheit erfüllt, die es unsterblich macht: nichts ist faszinierender als die Schönheit.
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Dienstag 10. Februar 2004, 15:04

Kann ich mich nur anschließen, "Lolita" zählt seit dem ersten Lesen zu meinen Lieblingsromanen (auch wenns derer viele sind). Auch die Sprache ist wunderbar, so melodisch.
Das Thema allerdings mehr als brisant und ich erinnere mich dass wir in unsere "Klassiker-Thread" da mal kurz eine Diskussion drüber hatten ... war ja immerhin extrem gewagt von Nabokov, ein Mädel das kaum ein Teenager ist, so darzustellen.
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Beitragvon stephy » Dienstag 10. Februar 2004, 22:15

Ja, aber Lolita ist ja nur äußerlich ein Teenager... Innerlich hat die's echt drauf... :roll: ;)

Gehört auch zu meinen Lieblingsromanen! Ist einfach wunderschön!
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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Dienstag 10. Februar 2004, 22:26

stephy hat geschrieben:Ja, aber Lolita ist ja nur äußerlich ein Teenager... Innerlich hat die's echt drauf... :roll: ;)
Deswegen meine ich ja. Lolita ist kein wehrloses Opfer, sondern obwohl sie noch so jung ist, geht sie zum großen Teil freiwillig auf das "Spiel" ein.
Stellt Euch mal vor, ein des Kindesmissbrauches angeklagter Mann würde so argumentieren: "Die war halt wie Lolita, hat bereitwillig mitgemacht ..." Den Mann würde man anspucken!
GIbt es wirklich Mädchen wie Lolita, die in dem Alter schon so berechnend sind ...? - Bestimmt, aber eher selten, gewöhnlich wird man gescholten wenn man so etwas behauptet.
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Beitragvon stephy » Dienstag 10. Februar 2004, 23:30

Stimmt, da hast Du Recht, Ginny. Wobei ich eher der Meinung bin, daß viel mehr so sind wie Lolita, als wir denken... Ich glaube, der Eindruck täuscht da etwas.
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@ Ginny & Stephy

Beitragvon Geronimo » Mittwoch 11. Februar 2004, 20:34

Ja, da könnte man wirklich die interessantesten und heißesten Diskussionen führen! Jedenfalls ist Nabokovs Buch nicht nur schön zu lesen, sondern es ist auch verdammt mutig. Die beiden Verfilmungen des Stoffs durch Stanley Kubrick und Adrian Lynne haben auch für einige Furore und viele Kontroversen gesorgt.

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Beitragvon Ginny-Rose_Carter » Freitag 12. November 2004, 13:25

Vor wenigen Monaten war ich auch wieder mal im Lolita-Fieber und hab das Buch zum wiederholten Mal gelesen. Mir gefällt immer wieder dieses zwiespältige Gefühl, das dabei in mir aufkommt: Einerseits ist man entsetzt über Humbert Humberts Vorliebe für diese Nymphchen, aber andererseits leidet man auch mit ihm, weil man spürt, dass er es sich nicht ausgesucht hat und er den Kindern nicht schaden will. Man nimmt ihm seine Verzweiflung über sein Dilemma ab und das macht ihn, beinah wider Willen, sympathisch.

Ganz mein Geschmack ist der schwarze Humor, der zwischen den Zeilen zu finden ist: Humbert Humbert berichtet ja rückblickend die Geschehenisse und findet trotz der Dramatik der Ereignisse immer wieder Zeit, seine eigene fatale Situation mit Galgenhumor zu untermalen.
Vor allem das Leben mit Charlotte, Lolitas Mutter, wird mit viel Selbstironie und rührendem Spott beschrieben. Es ist auf eine bittere Art lustig zu lesen, wie Humbert von erwachsenen Frauen im Allgemeinen und von Charlotte im Speziellen umgarnt wird, obwohl er doch nur seine kleine Lolita will. Oder wie er mit jedem weiteren Tag, den er als Charlottes Liebhaber und Ehemann verbringt, sie immer mehr hasst und doch gleichzeitig nie eine gewisse Sympathie für sie verliert.

Humbert will all diese tragischen Entwicklungen gar nicht, er will nur mit seinem Nympchen glücklich sein. Aber dieser Wunsch ist ein unerfüllbarer Traum, der in einer Katastrophe endet.
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Beitragvon Geronimo » Samstag 13. November 2004, 09:31

Ich glaube, genau das macht ein Buch zu einem Klassiker: dass man es immer wieder mal lesen will und immer wieder etwas darin entdecken kann, das einen fasziniert und berührt.

Gruß,
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Beitragvon Levia » Montag 13. Dezember 2004, 17:54

hab mir das buch heute aus der bücherei ausgeliehen, werde es wohl in den langen zugfahretn nach hause lesen, die mir an weihnachten bevorstehen..
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Beitragvon Levia » Mittwoch 26. Januar 2005, 17:51

Also ich hab noch ca. 100 Seiten vor mir, hat mir gabz gut gefallen das Buch, wenn es mich auch nicht vollends umgehauen hat!
Zu Humbert kann ich nur sagen, er ist mir tierisch unsympathisch!!!
Schon allein die Szene in der seine Lolita krank im Bett liegt, er aber erstmal trotzdem alles daran setzt mit ihr zu schlafen. Als er dann merkt, dass sie vom Fieber wirklich zu erschöpft ist scheint ihn das mehr zu beschäftigen als die Krankheit von Lolita.. :schuettel:
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Beitragvon jule » Montag 21. März 2005, 09:01

Ich habs mir auch gestern bestellt und bin schon sehr gespannt! 8)
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